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Aktuelle Meldung vom 26.1.2012

IGeL-Monitor

Neues Internetportal bringt mehr Licht ins Dunkel

© Eric Isselée - fotolia.com

Der Markt mit Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), die in Arztpraxen angeboten werden, boomt. Der Medizinische Dienst des Verbandes der Krankenkassen hat jetzt ein Internetportal freigeschaltet: www.igel-monitor.de bewertet 24 solcher selbst zu zahlenden Leistungen. Immerhin zahlten Patienten 2010 aus eigener Tasche 1,5 Milliarden Euro für diverse IGeL, berichtete Gute Pillen – Schlechte Pillen kürzlich. Und wir bemängelten, dass dies passiert, obwohl ein großer Teil nutzlos ist und es bislang keine systematische Bewertung aller IGeL-Angebote gibt.

Wenn Sie wissen wollen, ob Akupunktur bei Migräne helfen könnte, ein MRT zur Früherkennung von Alzheimer-Demenz etwas bringt oder Therapien mit Bachblüten irgendeinen Sinn ergeben, dann mussten Sie bislang selbst recherchieren, etwa im Archiv von GPSP, oder bei der Unabhängigen Patienteninformation Deutschland nachfragen (www.unabhaengige-patientenberatung.de; kostenfreie Hotline 0800 - 0 11 77 22). Jetzt können Sie für bestimmte IGeL-Angebote auch das neue Portal nutzen. Es bietet für jede geprüfte IGeL ein leicht verständliches Fazit, außerdem eine kompakte sowie eine ausführliche Info und für jeden, der es genau wissen möchte, die wissenschaftliche Bewertung und ihre Datengrundlage. Das macht die Sache transparent und nachvollziehbar.

Hinter dem Projekt, das nach und nach alle wesentlichen der rund 350 IGeL berücksichtigen will, steht der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen, der fachlich unabhängig ist von den Kassen, andererseits von ihnen finanziert wird. Dass die Bewertungen dadurch eine Schieflage erhalten könnten, meinen die Verantwortlichen nicht. Sie setzen auf Transparenz und das evidenzbasierte Bewertungsraster, das konsequent nur die nachgewiesene Wirksamkeit, nachgewiesen Nutzen und Schaden berücksichtigt.

Daraus ergibt sich eine fünfstufige Bewertung, die von positiv über tendenziell positiv, unklar, tendenziell negativ bis zu negativ reicht. Die Nutzen-Schaden-Bilanz fällt bei 11 der 24 IGeL eindeutig negativ aus, richtig positiv ist erwartungsgemäß keine, zwei schneiden immerhin tendenziell positiv ab. Ob ein tendenziell positives oder positives Fazit dazu führt, dass Bewertungen des IGeL-Monitors von Arztpraxen als Gütesiegel für angebotene Leistungen ge- oder auch missbraucht werden, bleibt abzuwarten. Das neue Portal bringt auf jeden Fall Licht ins Dunkel der IGeL-Angebote, schon weil jeder nachlesen kann, wie groß die Preisspanne für ein und dasselbe Angebot ist, weil (natürlich) nachzulesen ist, welche Leistung die gesetzlichen Krankenkassen – statt der IGeL – vorsehen, und weil es über ein Kontaktformular möglich ist, über eigene Erfahrungen und Missstände zu berichten.

Gute Pillen – Schlechte Pillen hat mehrfach darauf hingewiesen, dass Sie für IGeL-Angeboten Anspruch auf einen Vertrag und eine Rechnung haben. Außerdem sollten Sie unbedingt diese Fragen in der Arztpraxis stellen, wenn Ihnen eine IGeL angeboten wird (GPSP 4/2006):

  • Warum wird die Leistung nicht von der Kasse bezahlt?
  • Welchen Sinn hat die IGeL für meine Behandlung?
  • Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?
  • Entstehen gesundheitliche Nachteile, wenn ich die IGeL nicht durchführen lasse?
  • Gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten, die von der Kasse übernommen werden?
  • Was kostet mich die angebotene IGeL insgesamt?
  • Wird nach der Gebührenordnung abgerechnet?

 

Quelle
1 Vorstellung des Portals, 25.1.2012, Haus der Bundespresskonferenz, Berlin

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