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Aktuelle Meldung vom 20.9.2011

Selbsttötung:
Heikles Akne-Medikament

© Elke Brüser

Manche Medikamente können Menschen depressiv machen und sogar in den Suizid treiben. Auch der Arzneistoff Isotretinoin, den Ärzte bei schwerer Akne verschreiben können, steht in diesem Verdacht. Aknekranke und ihre Angehörige müssen über die möglichen psychischen Auswirkungen Bescheid wissen. Doch sie sind oft unzureichend über die Risiken informiert, warnt die Zeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen.

Nicht immer ist Akne ein vorübergehendes Problem der Pubertät. Und manche junge Menschen leiden so schwer an Akne, dass sie sich aus ihrem Freundeskreis zurückziehen. Wenn Antibiotika und andere übliche Präparate nicht helfen, verordnen Hautärzte Isotretinoin-Tabletten.

Dieser Wirkstoff ist jedoch nur für besonders schwere Akne zugelassen. Bedrohlich ist nicht nur die seit langem bekannte fruchtschädigende Wirkung von Isotretinoin, weshalb Frauen eine Schwangerschaft konsequent verhindern müssen, sondern auch seine Wirkung auf die Psyche. Dazu gehören etwa Depressionen, Selbsttötungsgedanken und sogar Selbsttötung. Eine erschreckende Zahl: Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat seit 1995 mehr als 700 Selbsttötungsversuche und Selbsttötungen in Verbindung mit Isotretinoin erfasst. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die Erkrankung selbst – also eine schwere Akne – starke Depressionen und somit auch Gedanken an Selbsttötung auslösen kann.

Die Problematik der Behandlung bestätigt jetzt eine Studie, die Daten aus schwedischen Krankenregistern ausgewertet hat. Von knapp 5.800 15- bis 49-Jährigen, die gegen ihre schwere Akne Isotretinoin bekamen, nahmen sich 128 das Leben oder wurden wegen eines Selbsttötungsversuches in eine Klinik aufgenommen. Das sind immerhin fast 3 von 100 Personen. Einige der Aknekranken dachten bereits vor Therapiebeginn an Selbsttötung. Dies bestätigt ihren enormen seelischen Leidensdruck.

Gedanken an Selbsttötung oder deren Umsetzung können während der Therapie mit Isotretinoin und in den Monaten offenbar sogar noch zunehmen. Eigentlich wäre in diesem Zeitraum, in dem sich die Hautbeschaffenheit bessert, eher eine psychische Entlastung – und damit weniger Selbsttötungsgedanken – zu erwarten. Dass dies nicht der Fall ist, beruht wahrscheinlich auf Isotretinoin. Möglich ist aber auch, merken die Autoren der Studie an, dass auf die Besserung der Akne nicht automatisch die erhoffte Besserung der sozialen Kontakte folgte, die wegen der Erkrankung zuvor stark eingeschränkt waren.

In Deutschland nehmen derzeit schätzungsweise 50.000 Menschen Isotretinoin wegen schwerer Akne ein. Nach den Ergebnissen der genannten Studie ist bei mindestens 20 von ihnen mit einem Selbsttötungsversuch zu rechnen. Wer besonders gefährdet ist, lässt sich im Voraus nicht erkennen. Die Autoren von Gute Pillen – Schlechte Pillen betonen deshalb, dass Aknekranke ausführlich über die besonderen Risiken von Isotretinoin informiert werden müssen. Auch die Angehörigen sollten unbedingt wissen, dass die Tochter oder der Sohn Isotretinoin einnimmt und dass sich auch Monate nach der Einnahme schwere Depressionen und Selbsttötungstendenzen entwickeln können. Wenn Symptome wie Traurigkeit, Unruhe oder Schlafstörungen auftreten, sollte man Isotretinoin absetzten und seinen Arzt oder seine Ärztin kontaktieren.

Ein ausführlicher Hintergrundbericht findet sich Gute Pillen – Schlechte Pillen 5-2011 Seite 4-5.

 

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