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Aktuelle Meldung vom 14.7.2010

Quallen – Qualen  

Verschlimmert durch falsche Behandlung

Strömungen treiben im Sommer oftmals Schwärme von Quallen an die Küsten von Nord-, Ostsee und Mittelmeer. Das verdirbt vielen Urlaubern die Ferien am Strand. Richtig gefährlich sind Quallen in unseren Breiten allerdings fast nie. Wer aber Nesselquallen beim Baden berührt, muss mit unangenehmen Folgen wie Brennen, Schmerzen oder Juckreiz rechnen.

Die Quallen der Nord- und Ostsee sowie des Mittelmeeres sind für uns in der Regel wenig gefährlich. Quallen sind Nesseltiere, die ihr Gift zum Beutefang oder zur Selbstverteidigung verwenden. Bei Berührung schleudern sie lange Fäden aus, an deren Ende Nesselkapselzellen mit Nesselgift sitzen. Die Zellen öffnen sich mechanisch, weshalb auch abgerissene Tentakelfäden unangenehme Folgen haben können. Am Strand liegende tote Quallen sollte man daher lieber nicht anfassen. Und wer im Wasser mit den Tentakelfäden in Berührung kommt, muss mit Beschwerden rechnen, die denen von Brennnesseln ähneln. Quallen können aber auch wesentlich schmerzhafter sein.

Die bis 40 cm großen Ohrenquallen, die ihren Namen von vier ohrenförmigen Geschlechtsorganen haben, sind harmlos. Unangenehm sind in unseren Breiten vor allem Begegnungen mit Feuerquallen (gelbe Haarquallen; kommen in Nord- und Ostsee und im kälteren Atlantik vor) und Leuchtquallen (im Mittelmeer und im (sub-) tropischen Atlantik).1,2 Fernreisende müssen mit gefährlicheren Quallen rechnen. An manchen tropischen Stränden wird  eindringlich vor Quallen (jellyfish) gewarnt und sogar manchmal ein Badeverbot verhängt. Denn in den wärmeren Meeren gibt es besonders gefährliche Nesseltiere, beispielsweise die Portugiesische Galeere und die Würfelqualle („Seewespe“). Wer mit ihnen in Kontakt kommt, dem drohen sogar Lähmungen und Atem- und Herzstillstand. Sofortige ärztliche Hilfe ist nötig.


Erste Hilfe nach Quallenkontakt

Man sollte nach Kontakt mit einer Nesselqualle rasch das Wasser verlassen. Aber die brennenden oder schmerzenden Hautstellen weder mit den Händen abreiben noch mit Süßwasser abspülen! Beides kann die Beschwerden verschlimmern. Meistens befinden sich noch zahlreiche ungeplatzte Nesselkapseln auf der Haut. Diese gilt es zu entfernen, ohne sie dabei zu zerstören. Sowohl durch Reiben, als auch durch Süßwasser platzen weitere Nesselzellen, so dass sich die Giftwirkung ausbreiten kann. Empfohlen wird, Haushaltsessig oder Rasierschaum aufzutragen. Dadurch lassen sich die Nesselkapseln inaktivieren (denaturieren). Erst nach dem Eintrocknen sollten diese mit einem stumpfen Gegenstand (z.B. Stock, Karte, Messerrücken) abgeschabt werden. Steht all dies nicht zur Verfügung, können die Kapseln mit trockenem Sand abgerieben werden, aber nicht mit bloßen Händen.2 Die Verhaltensregeln sind leider teilweise widersprüchlich. Manche raten von der Sandmethode ab.3

Erst wenn die Nesselkapseln entfernt sind, kann man durch Kühlen (Eiswürfel, Coldpacks, verpacktes Speiseeis) versuchen, die Schmerzen zu lindern. Reicht das nicht, sind Kortikoid-haltige Cremes hilfreich (z.B. mit Hydrocortison oder Prednisolon). Bei schweren oder großflächigen Hautreaktionen kann es erforderlich werden, ein Kortikoid einzunehmen (muss ein Arzt verordnen), bei starkem Juckreiz ein Antihistaminikum. Alle diese Arzneimittel lindern auch Beschwerden, wenn der Kontakt mit Algen, Kegelschnecken, Schwämmen, Seeschlangen, Giftfischen oder Stachelhäutern Hautreizungen und schmerzhafte Hautschäden verursacht hat.1

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Quellen
1    Litschauer-Poursadrollah M. Dt. med. Wochenschr. 2010; 135, S. 1073-77
2    Dtsch. Ärztebl. 2009; 106, S. C-1194
3    König P. und Lipp A. Lehrbuch für Forschungstaucher, Juni 2007, Kapitel 9;    www.ifm.zmaw.de/fileadmin/files/forschungstaucher/Kap9_Verletzungen_Vergiftungen_Meerestiere.pdf

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