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Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2010/04, S. 7

Haifischknorpel gestrandet

Bei Krebs nutzlos

„Der Hai – ein Mythos an Kraft, Stärke und Vitalität – hat eine bemerkenswerte Widerstandskraft. Sein Skelett besteht aus reinem Knorpel, denn er hat keine Knochen.“1 So beginnt eine der zahlreichen Werbebotschaften für Kapseln mit Haifischknorpelpulver als „Nahrungsergänzung zur Stärkung der Gelenke“.

Und es wird noch absurder, denn – haben Sie schon einmal einen Hai mit Krebs gesehen? Nein? Schützt also Haifischknorpel vor Krebs? Das wurde zumindest allen Ernstes für Produkte mit Haifischknorpel behauptet. Es gibt sogar ein Buch hierzu. – Wer weiß aber überhaupt, woran Haie leiden? Dass diese nicht an Krebs erkranken, ist ein Märchen, denn die bösartige Erkrankung ist auch bei ihnen beschrieben.2

Tatsächlich kursiert aber eine Idee, warum Haifischknorpelpulver bei Krebs helfen könnte: Da das Knorpelgewebe des Hais – und übrigens auch Knorpel anderer Tiere und des Menschen – nicht von Blutgefäßen durchzogen sind, hat man angenommen, dass Knorpel Stoffe enthält, die das Einwachsen von Gefäßen verhindern. Man hoffte also mit Haifischknorpel ein Mittel zu haben, das die Blutversorgung von Krebsgewebe und dadurch dessen Wachstum drosselt.

In einer vom US-amerikanischen Krebscenter mitfinanzierten klinischen Studie hat man jetzt geprüft, ob diese bisher unbestätigte Theorie hält, was sie verspricht. Es kam wie es kommen musste: Weder beeinflusste Haifischknorpelpulver die Ausbreitung des Tumors noch verbesserte es die Überlebenszeit.3 Man sollte also keine Hoffnung auf Haifischknorpelpräparate setzen, warnt der federführende Autor der Studie. Man habe die Studie auch deshalb gemacht, weil gerade Menschen, die an Krebs erkrankt sind, besonders empfänglich für Versprechungen sind, mit denen Produkte wie Haifischknorpel angeboten werden.

Dass Haifischknorpelpulver Gelenke „stärken“ kann, ist ebenfalls nicht belegt und schon aus theoretischen Überlegungen schlecht nachzuvollziehen. Unklar bleibt beispielsweise, wie das Pulver aus dem Magen-Darm-Trakt unverdaut in die schlecht durchbluteten Gelenke gelangen und dort wirken soll. Haifischknorpel enthält Glukosamin, Chondroitin und andere Bestandteile, die auch in anderen Präparaten gegen Arthrose stecken. Für diese fehlen ebenfalls überzeugende Belege für einen Nutzen.

Schon in den 1990er Jahren bezeichnete ein Apotheker Haifischknorpel als „Scheiß des Monats“. Schadensersatzklagen in sechsstelliger Höhe konnte der Anbieter des Präparates Haifit gerichtlich nicht durchsetzen. Anderseits konnte sich auch das Münchner Landgericht, das Haifit als nicht verkehrsfähig einstufte, leider nicht durchsetzen. Das bay­erische Verwaltungsgericht kassierte das Urteil. Das „unwirksame Wundermittel“4 darf somit weiter vertrieben werden.

Die Vermarktung von Haifischknorpelpulver erachten wir als typisches Beispiel von Quacksalberei, gewürzt mit exotischer Herkunft des Produktes und Mythen zur Vitalität und angeblichen Krebsfreiheit von Haien. Haifischknorpelpräparate schaden den Haien und Ihrem Geldbeutel: Die Preise liegen bei rund 35 Euro für 200 Kapseln zu einem halben Gramm.1

 

Quellen
1    www.kauflux.de/haifischknorpel-kapseln-200-stk--det_5918750.htm [Zugriff 25.6.2010]
2    Shark Info: Haiknorpel gegen Krebs; www.sharkinfo.ch/SI1_96d/knorpel.html [Zugriff am 4. Juni 2010]
3    Lu C. et al. J. Natl. Cancer Inst. 2010;102, S. 859-865
4    Haifit, aus Eso Watch. http://esowatch.com/ge/index.php?title=Haifit

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