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Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2009/06, S. 10

Glosse:


„Mit freundlicher Unterstützung“

„Der Kassenarzt“ bezeichnet sich selbst als „Das Magazin für den Unternehmer Arzt“. Wirklich keine schlechte Idee der Redaktion, mal die „Antidepressiva auf den Prüfstand“ zu stellen und einen zu befragen, der es wissen sollte.1 Zumal durchaus Zweifel an der Wirksamkeit von Antidepressiva (GPSP 1/2008, S. 12) bestehen.

Doch solche Bedenken wischt der befragte Experte Prof. Dr. Jürgen Fritze, seines Zeichens gesundheitspolitischer Sprecher der nervenärztlichen Fachvereinigung DGPPN, elegant vom Tisch und kritisiert die Datenbasis als „methodisch angreifbar“. Sowieso käme es auf „Patientennutzen“ und „Lebensqualität“ an, versichert der leitende Arzt beim Verband der privaten Krankenversicherungen. Auch an einer vielgelobten Studie 2 zu Antidepressiva lässt er kein gutes Haar. Aber Fritze kritisiert nicht nur!

Zwei Studien mit dem Wirkstoff Escitalopram können vor seinen wachsamen Augen durchaus bestehen. Macht doch nix, dass diese Substanz als teure Variante ohne echten Zusatznutzen gilt.3 Und vor allem ist es völlig egal, dass das erhellende Interview in „Der Kassenarzt“ „mit freundlicher Unterstützung der Firma Lundbeck“ zustande kam. Ach ja, das ist übrigens der Anbieter von Escitalopram-Präparaten. – Nun würde man doch gerne wissen, wer hier die Feder geführt und wer hier wen so freundlich unterstützt hat.

 

Quellen
1    Der Kassenarzt 2009, 11, S.25
2    Gaynes BN et al. Cleve Clin J Med2008; 75: 57-66
3    Schwabe/Paffrath (Hrsg.). Arzneiverordnungs-Report 2009, S. 780, Springer: Heidelberg
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