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Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2009/05, S. 6

Medikamente bei Frauen und Männern

Der kleine Unterschied

Manche Arzneimittel wirken bei Männern und Frauen unterschiedlich. Das betrifft sowohl die erwünschten als auch die unerwünschten Wirkungen. Da dieser Aspekt bisher nur unzureichend untersucht ist, gibt es kaum Empfehlungen für die alltäglich Praxis.1 

Männer und FrauenWenn Männer nach einer Operation mit starken Schmerzmitteln (Opiaten) behandelt werden, benötigen sie deutlich mehr Wirkstoff als Frauen in der gleichen Situation. Das liegt nicht etwa daran, dass Frauen Schmerzen besser ertragen können, sondern dass Opiate bei Männern nicht so stark wirken.

Dass Medikamente je nach Geschlecht mal stärker und mal schwächer wirken, lässt sich prinzipiell auf zwei Mechanismen zurückführen:

Hormonelle Ursachen: Medikamente werden im Körper durch Enzyme chemisch verändert. Deren Funktion wird unter anderem von Hormonen beeinflusst. Hormonelle Unterschiede und Schwankungen beeinflussen so die Wirkung von Medikamenten im Körper.

Verteilung im Körper: Wirkstoffe eines Medikaments werden nach der Einnahme nicht gleichmäßig im Körper verteilt. Manche verteilen sich besonders im Wasseranteil des Körpers, andere gelangen eher ins Körperfett. Männer- und Frauenkörper unterscheiden sich aber zum Beispiel im Anteil von Fettgewebe, Muskelmasse und Körperwasser. Bei Frauen schwankt der Wasseranteil im Gewebe innerhalb des hormonellen Zyklus, also von Eisprung zu Eisprung.

Von manchen Arzneimitteln ist bekannt, dass diese Geschlechter­unterschiede von Bedeutung sind, z.B. sind Frauen bei der Behandlung mit bestimmten Psychopharmaka stärker von gefährlichen Herzrhythmusstörungen bedroht. Aber zu den meisten Wirkstoffen fehlen solche Informationen. Neue Medikamente werden überwiegend an Männern getestet. Ob die Ergebnisse tatsächlich genauso für Frauen gelten, bleibt dabei offen. Dies haben die zulassenden Behörden bislang so hingenommen, zu Lasten der Frauen. Es gibt noch viel zu tun!

 

Quelle
1    DER ARZNEIMITTELBRIEF 2009; 43:  41-42
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