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Was ist dran an den Behauptungen? Lesen Sie Testosteronmangel?
Karikaturen bringen die Sache auf den Punkt, bieten meist einen speziellen Blickwinkel und sie bringen uns oft zum Schmunzeln oder Lachen. Und Lachen ist bekanntlich gesund! Deshalb gibt es in jeder Ausgabe von Gute Pillen – Schlechte Pillen eine Karikatur. Aber Sie finden alle bisher erschienenen auch hier auf unserer Webseite. |
Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2009/05, S. 5
Alles Klärchen?Neue „Pille“ Qlaira®Manche Journalisten wissen Erstaunliches zu berichten. Da ist die Rede von der „ersten Antibabypille mit natürlichen Hormonen“1 oder gar der „ersten Pille komplett ohne Chemie“ als „Alternative zur hormonellen Verhütung“.2 Gemeint ist die neue Hormon-Kombination zur Schwangerschaftsverhütung von Bayer Schering Pharma: Qlaira® (sprich „Klära“). Doch die genannten Behauptungen sind irreführend oder gar falsch!
Eine Pille mit Estradiol zu entwickeln, war bisher offensichtlich unter anderem daran gescheitert, dass Frauen zu häufig Zwischen- und Durchbruchblutungen bekamen. Dieses Problem soll bei Qlaira® – so Bayer Schering – durch das „einzigartige dynamische Dosierungsschema“3 gelöst worden sein. Konkret: durch vier verschiedene Hormondosierungen in einem Zyklusstreifen (plus 2 Tabletten ohne Wirkstoff) und der Auswahl des Gestagens Dienogest. Klinische Studien, die Auskunft zur Zuverlässigkeit der neuen Pille geben, sind bei Markteinführung nicht vollständig veröffentlicht. Aus der Produktinformation der Firma geht hervor, dass der Pearl Index (Zahl der Schwangerschaften pro 100 Frauen pro Jahr) bei 0,8 bis 1,0 liegt.4 Gemessen an der für konventionelle Pillen veranschlagten Versagerrate um 0,5 (GPSP 2/2007: Seite 6-9) könnte das bedeuten, dass Qlaira® in der Tendenz weniger zuverlässig verhütet.5 Die Tipps des Herstellers, was zu tun ist, wenn die Einnahme einer Tablette mehr als zwölf Stunden lang vergessen wurde,4 sind sehr kompliziert. Das begünstigt Anwendungsfehler.
Mit Zwischenblutungen müssen 10 bis 18 von 100 Frauen rechnen. Bei 15 von 100 Zyklen fällt die Regelblutung aus. Wie hoch das Risiko von Blutgerinnseln in den Venen ist (Thromboembolien), lässt sich mangels aussagefähiger Daten nicht beurteilen. Dabei ist dies eine der besonders gefährlichen Nebenwirkungen von Östrogenpräparaten. Mit 75,90 Euro für eine Sechsmonatspackung ist Qlaira® derzeit die teuerste Pille in Deutschland. Dass sie auf den Markt gekommen ist, bevor die relevanten Studien, die Auskunft zu Nutzen und Schaden geben könnten, vollständig veröffentlicht sind, ist weder aus Sicht der potentiellen Anwenderinnen noch der Ärzteschaft akzeptabel.5 Aufgrund der offenen Fragen zu Wirksamkeit und Sicherheit von Qlaira® raten wir von der Einnahme der überteuerten „Pille“ ab.®
Quellen
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