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Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2009/04, S. 3

Böse Überraschung

Sonne und Medikamente

Die Haut ist gerötet, schmerzt und schält sich – ein typischer Sonnenbrand. Dabei glaubt man, doch alles richtig gemacht zu haben: nicht zu lange gesonnt und ein Lichtschutzmittel aufgetragen. Manchmal sind Arzneimittel die Ursache der bösen Überraschung! 

Sonne und MedikamenteEinige Arzneimittel haben eine unangenehme Nebenwirkung: Sie erhöhen die Empfindlichkeit der Haut für ultraviolettes Licht (UV-Licht). Schon kurzes Sonnen kann dann die Haut erheblich reizen. Die Folgen sind Rötung, Blasenbildung und Abschälen der Haut wie bei einem Sonnenbrand. Verantwortlich dafür ist ein Zusammenwirken von Arzneimitteln oder ihren Stoffwechselprodukten im Körper mit UV-A-Strahlen. Diese sind auch dafür bekannt, dass sie bei häufigem Bräunen die Haut vorzeitig altern lassen. Normalerweise entsteht Sonnenbrand überwiegend durch UV-B-Strahlen, die – in angemessener Dosis – zur anhaltenden Bräunung beitragen. Glas und Kleidung können die kurzwelligen UV-B-Strahlen weitgehend abhalten, nicht aber die UV-A-Strahlen mit größerer Wellenlänge. Lichtreaktionen, die in Verbindung mit Arzneimitteln entstehen, können daher auch hinter Glasscheiben, also auch beim Autofahren, und unter sommerlich dünner Kleidung auftreten.1

Ärzte unterscheiden zwei Schädigungsmechanismen. Diese lassen sich zwar oft nicht an der Art der Hautschädigung unterscheiden, sie zu kennen kann jedoch helfen, solchen Lichtreaktionen vorzubeugen (siehe Tipps).

Einer fotoallergischen Reaktion geht zunächst eine mehrtägige Phase der Sensibilisierung voraus. Erst wenn danach das Arzneimittel wieder eingenommen wird, entstehen unter Einwirkung von natürlichem oder künstlichem UV-Licht die sonnenbrandähnlichen Reaktionen. Diese können auch später leicht wieder aufflackern, wenn das Medikament – selbst in geringer Dosis – erneut gebraucht wird.

Anders entstehen fototoxische Reaktionen: Sie laufen ohne Sensibilisierungsphase ab. Schon während der Belichtung kann sich Brennen und Stechen der Haut bemerkbar machen. Innerhalb von wenigen Stunden wird das Gewebe unmittelbar geschädigt, wobei oft eine scharfe Abgrenzung zu lichtgeschützten Hautstellen auffällt. Da fototoxische Reaktionen dosisabhängig sind, werden geringe Arzneimittelmengen eventuell vertragen. Es kann daher sinnvoll sein, die Dosis des verdächtigten Arzneimittels in Absprache mit dem Arzt möglichst klein zu halten (siehe Tipps auf S. 3).

Zahlreiche Medikamente können allerdings sowohl fotoallergische als auch fototoxische Reaktionen auslösen, beispielsweise Hydrochlorothiazid und ähnliche entwässernde Mittel. Auch bei Amiodaron, das zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen dient, bei Entzündungshemmern gegen Rheuma, bei Antibiotika, Antidepressiva, Mitteln gegen Psychosen, Malariamitteln und anderen Medikamenten kann die UV-Belichtung der Haut für böse Überraschungen sorgen. Einen orientierenden Überblick gibt die untenstehende Tabelle. Können Arzneimittel nicht durch Präparate ersetzt werden, die nicht oder nur sehr selten Lichtschäden provozieren, hilft nur konsequenter UV-Schutz.

 

Quellen
1    Schauder, S.: Pharm. Ztg. 2009; 154: 1672-9
2    UPF (Ultraviolet Protection Factor) ist die Bezeich­nung für den Lichtschutzfaktor bei Textilien. Er ent­spricht dem LSF (Lichtschutzfaktor)
      bei Sonnen­schutz­mitteln. Der UPF hängt von der Farbe, der Webkon­struktion und der chemischen Behandlung des Ge­we­bes ab.
      Bei leichter Baumwollkleidung liegt er im Bereich von 10. Manche Textilien erreichen UPF 80.
3    atd arznei-telegramm Arzneimitteldatenbank, Stand 24. Mai 2009

 

Tipps zur Vorbeugung1

Hautschädigung durch Arzneimittel und Sonne – wie schützen?

  • Um die Mittagszeit – zwischen 11:00 und 15:00 Uhr – Sonnenlicht meiden (siehe auch GPSP 2/2009, Seite 8)
  • Kleidung tragen, die wenig Sonnenlicht durchlässt (es gibt Textilien mit ausgewiesenem Lichtschutz-Faktor)2 und einen breitkrempigen Hut aufsetzen
  • Lichtschutzmittel mit hohem UV-A-Schutz bevorzugen
  • Bräunung im Solarium ist tabu

Wenn ein Medikament langfristig eingenommen werden muss und keine unbedenkliche Alternative zur Verfügung steht:

  • in Absprache mit dem Arzt so gering wie möglich dosieren (kann nur bei Arzneimitteln mit überwiegend dosisabhängigem Schädigungsmechanismus hilfreich sein)
  • UV-undurchlässige Folien an Fenstern von Wohnung und Auto anbringen

 

Arzneimittel, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen können1, 3

Antiallergika

Diphenhydramin, Loratadin u.a.

Antibiotika

Co-trimoxazol* und andere Sulfonamide
Doxycyclin und andere Tetrazykline
Ciprofloxacin und andere Gyrasehemmer

Antidepressiva

Amitriptylin*, Clomipramin*,
Desipramin, Johanniskraut u.a.

Antiepileptika

Carbamazepin*, Lamotrigin, Phenytoin, Topiramat, Valproinsäure u.a.

Antirheumatika

Indometacin, Naproxen*, Piroxicam u.a.

Blutzuckersenkende Mittel

Glibenclamid u.a.

Entwässernde Mittel

Hydrochlorothiazid*, Furosemid, Triamteren*, Xipamid* u.a.

Hautmittel

Isotretinoin, Methoxsalen*

Herz-Kreislauf-Mittel

Amiodaron, Captopril*, Chinidin*, Enalapril*, Nifedipin u.a.

Malariamittel

Chinin*, Chloroquin, Mefloquin u.a.

Mittel gegen Psychosen

Thioridazin, Promethazin* u.a.

* verursacht sowohl fotoallergische als auch fototoxische Reaktionen

 

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