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Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2009/01, S. 11

Heidelberger’s 7 Kräuter Stern

Keine wundersame Kräutermischung

Der Markt bietet unzählige Kräutertees, die eine gute Wirkung für die Gesundheit versprechen. Manche werden zur Verkaufsförderung in Wundergeschichten verpackt. Wir haben für Sie Heidelberger’s 7 Kräuter Stern näher unter die Lupe genommen.

Die Teemischung enthält Bestandteile aus sieben Kräutern. Angeblich geht die Rezeptur auf den Naturheilkundler Bertrand Heidelberger aus dem 19. Jahrhundert zurück.1 Er machte – wie damals üblich – eine Vergiftung durch körpereigenen Schleim für mannigfaltige Erkrankungen verantwortlich. Obwohl seine Begründung jeder medizinischen Grundlage entbehrt, wird heutzutage im Internet auf vielen naturheilkundlichen Seiten auf diese alte Teemischung Bezug genommen.2 So wird behauptet: „Durch die tägliche Einnahme seines speziellen Kräuter-Pulvers konnte [Heidelberger] sich bis ins hohe Alter gesund erhalten.“1

Ein Blick auf die Inhaltsstoffe: Anis, Kümmel und Fenchel sind allgemein verwendete Gewürze und Teebestandteile. Sie sollen beruhigend auf Magen und Darm wirken und die Verdauung fördern. Bibernellwurzel wird traditionell bei Katarrhen der oberen Luftwege verwendet. Die früher zur Entwässerung verwendeten Wacholderbeeren enthalten Bestandteile, die sich – vor allem bei längerem oder hoch dosiertem Gebrauch – schädlich auf die Nieren auswirken können. Deshalb soll man Wacholderbeeren als Kochgewürz auch nicht mitessen.

Für den bitteren Geschmack des Tees dürfte vor allem das Wermut-Kraut sorgen. Wermut ist als Bestandteil von Absinth-Likör bekannt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen Ländern verboten wurde, aber inzwischen wieder verkauft werden darf. Als bedenklich galt der Inhaltsstoff Thujon, der in höherer Dosis als Nervengift wirkt. Inzwischen weiß man aber, dass die Thujon-Menge in Absinth zu gering ist, um gesundheitsschädlich zu sein.3 Auch von Wermuttee geht keine Gefahr einer Vergiftung aus. Schafgarbe soll bei Magenproblemen beruhigend wirken können, löst aber bei manchen Menschen Allergien aus.

Die Teebestandteile werden traditionell in der Hausmedizin verwendet, ohne dass der überlieferte Nutzen tatsächlich wissenschaftlich belegt ist. Es spricht nicht viel dagegen, ab und zu solche Kräutertees zu trinken. Von regelmäßigem Konsum des 7-Kräuter-Tees (mehrmals am Tag über längere Zeit) raten wir aufgrund der enthaltenen Wacholderbeeren ab. Tee trinken tut gut, aber sorgen Sie für Abwechslung. Meiden Sie vor allem Teemischungen mit unüblichen oder unbekannten Bestandteilen. Meist gibt es dazu wenig Erfahrungen hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen.

 

Quellen
1    Das Sieben-Kräuter-Erbe von Bertrand Heidelberger. Günter Albert Ulmer Verlag, 2000
2    Siehe z.B. www.janus-online.de/vitaler/krauter/kraeuterpulver.cfm
3    Lachmeier et al, J.Agric. Food Chem 2008, 56, 3073-3081 http://pubs.acs.org/cgi-bin/abstract.cgi/jafcau/2008/56/i09/abs/jf703568f.html
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