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Karikaturen bringen die Sache auf den Punkt, bieten meist einen speziellen Blickwinkel und sie bringen uns oft zum Schmunzeln oder Lachen. Und Lachen ist bekanntlich gesund! Deshalb gibt es in jeder Ausgabe von Gute Pillen – Schlechte Pillen eine Karikatur. Aber Sie finden alle bisher erschienenen auch hier auf unserer Webseite. |
Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2008/03, S. 5
Miese WerbemascheTelefon-Forschung zu GinkgoWenn Werbung sich als Forschung tarnt, ist das unlauter.1 Besonders dreist ist es allerdings, wenn Verbraucher auf diesem Wege verleitet werden, ein Medikament auf eigene Kosten zu kaufen.
„Anwendungsbeobachtungen“ haben einen festen Platz im Marketing der Pharmabranche. Üblicherweise werden Ärzte dafür bezahlt, wenn sie für einen Hersteller Fragebögen zu Medikamenten ausfüllen. Das wird als wissenschaftliche Studie deklariert. Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn geht indes gegen Null. Alle Beteiligten wissen das, aber das Geld lockt. Die „Telefonbefragung“ zu Tebonin® funktioniert nicht viel anders. Der Unterschied aber: Hier zahlen die Patienten ihr Medikament auch noch selbst. Womöglich werden sogar arglose Verbraucher dazu verleitet, mit der Einnahme von Ginkgo überhaupt erst anzufangen. Wer die angegebene Telefonnummer wählt, landet nicht etwa bei der Uni Bochum, sondern bei dem privaten Institut „Research and Public Relations“, presserechtlich verantwortlich zeichnet wiederum Prof. Rychlik2. An derselben Adresse residiert das „Institut für empirische Gesundheitsökonomie,“ einziger dort porträtierter Mitarbeiter: Prof. Rychlik.3 Zu den Auftraggebern des Instituts gehört neben vielen anderen Pharmafirmen auch die Schwabe GmbH.4 An der Universität Bochum ist Rychlik Honorarprofessor für Gesundheitsökonomie an der medizinischen Fakultät5 – nicht gerade der Bereich, der sich mit Stressbewältigung befasst. Mit wissenschaftlicher Forschung hat die angepriesene Umfrage wenig zu tun. Denn das Ergebnis der angeblichen Untersuchung steht schon in der Anzeige: „Tebonin® steigert die Konzentrationsfähigkeit“, „Mentale Belastungen werden besser bewältigt“. Wenn man dies so als Tatsache darstellt, braucht man gar nicht weiter zu forschen. Seriöse Forschung untersucht, ob eine Annahme zutrifft oder nicht. Wer tatsächlich die Wirksamkeit eines Medikaments untersuchen will, vergleicht es mit einem bewährten Medikament oder mit einem Plazebo (Tabletten ohne Wirkstoff). Weder die Ärzte noch die Patienten dürfen dabei wissen, wer den Wirkstoff und wer das Plazebo bekommen hat, um Beeinflussungen auszuschließen. Mit einer Telefonbefragung geht dies nicht. Offenbar versucht der Hersteller neue Absatzmärkte zu erschließen. Tebonin® ist zur Behandlung von Demenz zugelassen und nicht zur Stressminderung. Ob Ginkgo-Produkte überhaupt einen gesundheitlichen Nutzen haben, ist wissenschaftlich sehr umstritten (GPSP 3/2007 S. 8: Ginkgo gegen Alzheimer-Krankheit?). Viele Studien mit Ginkgo sind von schlechter Qualität und deshalb kaum aussagekräftig.6 Das jüngste Projekt des Telefon-Forschers Prof. Rychlik dürfte den zweifelhaften Studien die Krone aufsetzen.
Quellen
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