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Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2008/03, S. 6

Kurz und knapp:

Übervolle Blase durch Antidepressivum

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung, so könnte der erste Hauptsatz der Arzneimitteltherapie lauten. Er erklärt, warum Pharmaunternehmen nicht selten aus einer Nebenwirkung eines Medikaments ein ganz anderes Präparat mit einer ganz anderen Indikation auf den Markt bringen.

So auch in folgendem Fall: Der Wirkstoff Duloxetin wird von den Firmen Boehringer Ingelheim/Lilly seit 2005 unter dem Namen Cymbalta® als Antidepressivum angeboten. Nun sind bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA bereits 78 Meldungen eingegangen, wonach Cymbalta® einnehmende Patienten Probleme hatten, ihre Blase zu leeren (Harnverhalt). Einige Betroffene mussten sogar stationär aufgenommen werden, andere wurden ambulant per Katheter von ihrer übervollen Blase entlastet.1

Diese Nebenwirkung ist nicht unerwartet aufgetaucht, denn der Pharmakonzern Lilly verkauft den Wirkstoff Duloxetin auch unter dem Namen Yentreve® als Mittel gegen Stressinkontinenz. Es soll verhindern, dass etwa beim Husten plötzlich Harn abgeht.

Die Wirkung findet man als Nebenwirkung zwar im Beipackzettel des Antidepressivums Cymbalta® der Firma Boehringer Ingelheim/Lilly. Aber vermutlich ist das Problem größer als angenommen – besonders für Frauen in den Wechseljahren, denen zwei verschiedene Ärzte Duloxetin verordnen, der eine als Mittel gegen ein anhaltendes Stimmungstief, der andere zur Linderung von Harninkontinenz.

 

Quellen
1    arznei-telegramm 2008, 39, 5, S. 62
2    Umweltbundesamt, Presseinformation 03/2008
3    http://www.ehponline.org/docs/2007/10775/abstract.html (englisch)
4    www.gesundheitsinformation.de 19.4.2008
5    PloS ONE, Mittwoch 5. März 2008
6    Pressemitteilung der Uniklinik Köln. Prof. Bernd Böttiger, Vizepräsident
      des Europäischen Resuscitation Council (ERC)
7    SOS-Kanto, The Lancet, 2007; 369, 920-926
8    arznei-telegramm 2008; 39: 61-2
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