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Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2007/06, S. 5

Erste Hilfe bei Verbrennungen

Finger weg von Butter und Mehl

Verbrennungen haben immer Saison. Im Winter können Kerzen oder Feuerwerkskörper Brandwunden verursachen, im Sommer sind Verbrennungen unangenehme Begleiter von Grillpartys. Aber auch der kippende Heißwasserbereiter kann schwere Hautschäden anrichten. Ist es passiert: Finger weg von Mehl und anderen „Hausmitteln“.


Verbrennungen kommen immer unerwartet. Daher sollte man sich einmal in Ruhe klar machen, was im Falle eines Falles zu tun ist. Die erste Hilfe bei Verbrennungen hat zum Ziel: den Verbrennungsprozess umgehend zu stoppen, die Brandwunde so rasch wie möglich zu kühlen, für Schmerzlinderung zu sorgen und die Brandwunde abzudecken. Bei größeren Verbrennungen sollte immer ein Arzt oder der Rettungsdienst
(Tel. 112) angerufen werden.

 

1. Verbrennungsprozess stoppen

Sofort die Hitzequelle entfernen. Flammen und entflammte Kleidung mit Wasser löschen, mit einer Decke ersticken oder den Betroffenen auf dem Boden hin und her wälzen. Dabei darauf achten, dass man sich selbst nicht verbrennt oder Feuer fängt. Kleidung kann Hitze speichern und soll deshalb an den verbrannten Stellen so schnell wie möglich entfernt werden. Material, das mit der Haut verklebt ist, nicht versuchen abzulösen. Das muss dem Arzt überlassen werden.

 

2. Mit kaltem Wasser kühlen

Je länger die Haut den hohen Temperaturen ausgesetzt ist, desto schwerer wird sie geschädigt. Deshalb sollen die verbrannten Hautstellen so rasch wie möglich und kontinuierlich mit fließendem kalten Leitungswasser ge­kühlt werden, bis der Schmerz abklingt. Verwenden Sie aber kein Eis!

Die Kälte leitet die Hitze aus dem geschädigten Gewebe ab. Haben Sie keine Scheu, sich auch gegen den Widerstand eines schreienden und sich wehrenden Kindes durchzusetzen. Kaltes Wasser einzusetzen, macht nur in den ersten 20 Minuten Sinn. Bei Erwachsenen sollte nicht länger als 15 Minuten gekühlt werden, bei Kindern und Säuglingen nur betroffene Hautgebiete und nur zwei bis fünf Minuten. Zu lange und übermäßige Kaltwasserbehandlung führt zu einer zu starken Auskühlung.1 Spätestens wenn Sie mit der Kaltwasserbehandlung angefangen haben, sollten Sie daran denken, gegebenenfalls den Rettungsdienst anzurufen.

 

3. Schmerzlinderung

Bereits das kalte Wasser und auch ein Abdecken der Verbrennungen verringern die Schmerzen. Bei Bedarf kann ein Schmerzmittel wie Ibuprofen helfen (auf altersgerechte Dosierung achten).2

 

4. Abdecken der Brandwunden

Eine Brandwunde ist zunächst steril. Damit dies möglichst lange so bleibt, sollen Brandwunden zum Schutz vor Infektionen mit einem sterilem Verband (ist in Kfz-Verbands­kästen enthalten) abgedeckt werden. Beschichtete Verbände, beispielsweise aluminiumbedampfte, haben den Vorteil, nicht so leicht auf den Wunden festzukleben. Und nicht vergessen: Der Verletzte benötigt nach der Kältebehandlung eventuell eine warme Decke. Diese darf jedoch nicht auf die Brandwunde drücken.

 

Quellen
1     Chelius, K.: internist. prax.  2002; 42: 356 – 8
2     Hudspith, J., Rayatt, S.: Brit. Med. J. 2004; 328: 1487 – 9

 

Keine Hausmittel

Zu Omas Zeiten nahm man noch Butter als erste Hilfe oder streute Mehl auf die Brandwunde. Dies tun Sie bitte auf keinen Fall, denn gerade Fette und Mehl verhindern, dass die Haut Hitze an die Umgebung abgibt und abkühlen kann. Stattdessen wird die Hitze zurückgehalten, dringt in tiefere Hautschichten ein und schädigt noch mehr Gewebe. Genauso schädlich können Cremes und Salben wirken, auch wenn sie als Brandsalbe ver­kauft werden. Wird ein kühlender Effekt versprochen, wie beispielsweise für Brand- und Wundgel Medice® N oder Wund- und Brandgel WALA®, reicht dieser nicht aus, das Ausmaß der Schädigung von Gewebe und Haut so gering wie möglich zu halten. Kaltes Wasser ist die Methode der Wahl.

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