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Karikaturen bringen die Sache auf den Punkt, bieten meist einen speziellen Blickwinkel und sie bringen uns oft zum Schmunzeln oder Lachen. Und Lachen ist bekanntlich gesund! Deshalb gibt es in jeder Ausgabe von Gute Pillen – Schlechte Pillen eine Karikatur. Aber Sie finden alle bisher erschienenen auch hier auf unserer Webseite. |
Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2007/06, S. 9
Aprotinin (Trasylol®) vom Markt genommenRisiken jahrzehntelang übersehenSeit dem November 2007 darf Aprotinin (Trasylol®) in Deutschland nicht mehr verkauft werden.1 Auch Kanada und die USA drängten auf einen Stopp für das Medikament. Der Hersteller zog es daraufhin weltweit zurück.2 Trasylol® wurde seit den achtziger Jahren bei Herzoperationen eingesetzt, um den Blutverlust während der Operation zu mindern. Zuvor bekamen es schon jahrelang Patienten mit schwerer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Nun haben aber Untersuchungen ergeben, dass Menschen, die bei Herzoperationen Aprotinin erhalten hatten, häufiger starben als solche, die andere Präparaten erhielten.3 Der Paukenschlag kommt nicht ohne Vorankündigung. Schon im Januar 2006 wurden Beobachtungen aus einem internationalen Register4 veröffentlicht, die einen schweren Verdacht auf Trasylol® warfen. Dass die Behörden für die Entscheidung über die Gefährlichkeit von Trasylol® erst noch auf die Ergebnisse einer „besser geeigneten“ wissenschaftlichen Studie warteten, wurde von vielen Beobachtern kaum verstanden.5,6 Auch als im September 2006 von Bayer zunächst offensichtlich zurückgehaltene Daten bekannt wurden, die eine Häufung von Todesfällen unter der Behandlung mit Trasylol® zeigten,7 handelten die Behörden nur halbherzig. Erst die Zwischenergebnisse der unabhängigen kanadischen Studie8 brachten jetzt das Aus für Trasylol®. Fast zwei Jahre nach den ersten ernsten Warnzeichen wurde entschieden – entschieden zu spät. Trasylol® wurde über Jahrzehnte bei schwerkranken Patienten angewandt. Wiederholt hat es Bedenken gegeben, ob nicht durch die verstärkte Blutgerinnung, die es bewirkt, die Blutversorgung von Herz, Niere und Gehirn Schaden nehmen könnte. Systematische Untersuchungen, die solche schädlichen Wirkungen nachweisen könnten, sind sehr aufwändig und teuer. Kein Hersteller würde so etwas freiwillig bezahlen. Es wäre ein Fortschritt, wenn diese Trasylol®-Katastrophe endlich dazu führte, die Bemühungen um Arzneimittelsicherheit nach der Zulassung systematisch auszubauen .
Quellen
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