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Karikaturen bringen die Sache auf den Punkt, bieten meist einen speziellen Blickwinkel und sie bringen uns oft zum Schmunzeln oder Lachen. Und Lachen ist bekanntlich gesund! Deshalb gibt es in jeder Ausgabe von Gute Pillen – Schlechte Pillen eine Karikatur. Aber Sie finden alle bisher erschienenen auch hier auf unserer Webseite. |
Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2006/04, S. 4
Migränemittel ohne RezeptVorteile nur auf den allerersten BlickSeit kurzem ist ein Migränemittel aus der Wirkstoffgruppe der Triptane ohne ärztliche Verordnung erhältlich. Das Präparat Formigran® von GlaxoSmithKline enthält zwei Tabletten mit dem Wirkstoff Naratriptan (2,5 mg). Diese Menge reicht für eine oder zwei Migräneattacken aus. Die Packung kostet 9,72 Euro.
Es gibt aber auch Nachteile: Zum einen zahlen Sie Formigran® selbst. Dabei gibt es den Wirkstoff Naratriptan nach wie vor unter dem Handelsnamen Naramig® in größeren Packungen, die vom Arzt verordnet und den Kassen übernommen werden. Zum andern sind Triptane zwar im Großen und Ganzen gut verträglich, aber sie wirken auf das Blutgefäßsystem und dürfen daher von Menschen mit Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen nicht oder nur mit besonderer ärztlicher Kontrolle verwendet werden. Sehr selten ist ein Herzinfarkt oder Schlaganfall Folge der Anwendung. Wie bei anderen Schmerzmedikamenten kann der zu häufige Gebrauch von Triptanen sogar zu medikamentenbedingtem Kopfschmerz führen - ein Teufelskreis. Bisher hatte der Arzt die Möglichkeit, anhand der Verschreibungshäufigkeit von Triptanen die Häufigkeit und Schwere der Migräne zu erkennen und gegebenenfalls die Therapie durch eine konsequente Vorsorge zu verbessern. Dies alles wird nun mit dem Wegfall der Verschreibungspflicht für Naratriptan erschwert.
AlternativenWer unter Migräne leidet, sollte nicht gleich zu einem Triptan greifen. Das könnte aber passieren, weil das rezeptfreie Naratriptan nun kräftig beworben werden darf. Bei verschreibungspflichtigen Präparaten ist Werbung nur in Fachkreisen – also etwa Ärztezeitschriften – erlaubt. Auch die viel preiswerteren üblichen Schmerzmittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (GPSP Nr.1/2006, Seite 3), Ibuprofen oder Diclofenac wirken oft gut. Nimmt man zuerst Metoclopramid-Tropfen (verschreibungspflichtig), lindert dies nicht nur Übelkeit und Brechreiz, sondern bessert auch die Wirkstoffaufnahme und dadurch die Wirksamkeit der Schmerzmittel, die man eine viertel bis halbe Stunde danach einnehmen sollte. Aus Erfahrung wissen Betroffene meist selbst, welches Schmerzmittel ihnen am besten hilft. Manche kommen auch mit Paracetamol- oder Ibuprofen-Zäpfchen gut zurecht.
Warum wird ausgerechnet Naratriptan rezeptfrei?Warum nun gerade Naratriptan aus der Rezeptpflicht entlassen wurde, ist für uns nicht nachvollziehbar. Vielleicht weil erwartet wird, dass von diesem relativ schwach wirkenden Triptan auch weniger Nebenwirkungen zu befürchten sind. Am besten lassen sich allerdings Nutzen und Risiken von Sumatriptan abschätzen, dem am längsten angebotenen Wirkstoff aus dieser Gruppe. Konsequenterweise sind daher in Großbritannien nur Präparate mit diesem Triptan ohne ärztliche Verordnung erhältlich. Sumatriptan ist übrigens nicht mehr durch ein Patent geschützt – auch bei uns –, und daher gibt es preiswerte Generika mit diesem Wirkstoff. Aus Verbrauchersicht erscheint uns daher für die Selbstmedikation Sumatriptan als bessere Wahl. Aber die Entlassung aus der Verschreibungspflicht wird in der Regel von der Arzneimittelfirma beantragt. Das Sumatriptan-Patent hielt GlaxoSmithKline. Auch das rezeptfrei erhältliche Naratriptan Naramig® wird von Glaxo angeboten. Mit ihm lässt sich aber mehr Geld verdienen, da der Patentschutz noch nicht abgelaufen ist. Das könnte eine Erklärung sein, warum das weniger bewährte Naratriptan rezeptfrei wurde. Hier finden Sie weitere Artikel zu verwandten Themen: |
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