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Karikaturen bringen die Sache auf den Punkt, bieten meist einen speziellen Blickwinkel und sie bringen uns oft zum Schmunzeln oder Lachen. Und Lachen ist bekanntlich gesund! Deshalb gibt es in jeder Ausgabe von Gute Pillen – Schlechte Pillen eine Karikatur. Aber Sie finden alle bisher erschienenen auch hier auf unserer Webseite.

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Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2006/02, S. 12

Die überfällige Marktrücknahme

Tödliche Leberschäden durch Psychostimulans Pemolin (Tradon®)

Seit mehr als 50 Jahren gibt es in Deutschland das verschreibungspflichtige Arzneimittel Pemolin (Tradon®). Ursprünglich wurde das Mittel für sehr unterschiedliche Probleme angeboten: gegen Überforderung und Antriebsschwäche in den Wechseljahren, Depression, epileptische Anfälle und andere Erkrankungen des Nervensystems. Davon ist wenig geblieben.


Heute darf Pemolin nur noch ausnahmsweise zur Behandlung hyperaktiver Kinder mit der Diagnose ADHS (= Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom; siehe auch GPSP 2/2005, Seite 10) verordnet werden. Voraussetzung ist, dass überhaupt eine Notwendigkeit der Behandlung mit einem Medikament besteht und besser erprobte Arzneimittel nicht geeignet sind. Selbst der Nutzen von Pemolin als „Reservemittel” ist nicht durch handfeste Untersuchungen gesichert. Public Citizen, eine angesehene US-amerikanische Verbraucher­schutzgruppe, hat sich intensiv mit den Medikamenten, die vielen hyperaktiven Kindern in den USA verordnet werden, auseinandergesetzt. Sie stellte fest: Keine Studie belegt, „dass Pemolin tatsächlich wirkt, wenn Mittel der ersten Wahl versagt haben“.

Ein besonderes Problem ist die Leberschädlichkeit von Pemolin. Diese ist in Fachkreisen schon lange bekannt. Man weiß, dass bei mindestens 21 Personen, die Pemolin eingenommen haben, die Leber versagt hat. Diese Schädigung verlief 13 mal so schwer, dass die Patienten starben oder nur durch eine Leberverpflanzung gerettet werden konnten.b Die Zahl der Leberversagen, die bekannt wurden, mag gering erscheinen. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA geht jedoch davon aus, dass bei Menschen, die Pemolin einnehmen, 10 bis 25 mal so häufig eine Leberschädigung eintritt, als ohne das Arzneimittel zu erwarten wäre.

In Großbritannien, den USA und Kanada wurde Pemolin wegen dieses lebensbedrohlichen Risikos bereits aus dem Handel gezogen.

Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor der seltenen, aber schweren Leberschädigung ist die Marktrücknahme des von der Firma Lilly vertriebenen Pemolin (Tradon®) auch in Deutschland dringend erforderlich.

 

Quellen
a     Public Citizen: HRG Publication #1731; www.citizen.org/publications/print_release.cfm?ID=7372
b     arznei-telegramm 2005; 36: 44
c     FDA: Pemoline, Alert for Healthcare Professionals from 24. Oct. 2005

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