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Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2005/02, S. 4

Produkte der traditionellen chinesischen Medizin mit Schadstoffen belastet

Bleierne Regenwürmer


Heilmittel der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Die asiatische Heilkunst gilt als sanft und unbedenklich. Alarmierend ist daher, dass viele Produkte der TCM mit Schwermetallen belastet sind.  Einigen Fertigpräparaten aus China werden zudem stark wirksame chemische Arzneistoffe heimlich zugesetzt, Stoffe also, die Anhänger der TCM wahrscheinlich gerade meiden wollen.


Produkte der TCM bestehen aus pflanzlichen und mineralischen Bestandteilen, manche enthalten aber auch tierische Anteile, wie z.B. den Regenwurm. TCM-Produkte werden vorwiegend als Tee, zum Teil jedoch auch als Fertigpräparate angeboten, etwa in Tablettenform.

Nur ein geringer Teil der für TCM-Produkte verwendeten Pflanzen stammt aus kontrolliertem Anbau. Bei einer Überprüfung verschiedener Proben im Jahr 2004 fielen 20 von 45 negativ auf, also fast die Hälfte der untersuchten Proben.1 Neun überschritten den Grenzwert für Cadmium, bei vier Proben war der Quecksilbergehalt zu hoch, bei vier der Bleigehalt. Die Regenwurm-Produkte (Lumbricus) waren besonders stark mit Blei und Cadmium belastet. In einer Probe wurde die in manchen Pflanzen vorkommende Aristolochiasäure nachgewiesen. Als Therapeutikum ist sie aufgrund ihrer nierenschädigenden und krebserregenden Wirkung in Deutschland strikt verboten. In zwei weiteren Mitteln war die Konzentration des ebenfalls krebserregenden Schimmelpilzgiftes Aflatoxin zu hoch.2

Beanstandet wurden auch in China hergestellte Fertigpräparate. Seit Jahren werden in diesen Produkten bei Überprüfungen verschreibungspflichtige Wirkstoffe entdeckt, die nicht auf der Packung angegeben sind. Dabei handelt es sich um stark wirksame Substanzen wie den Appetithemmer Sibutramin,3 synthetische Schmerz- und Rheumamittel, blutgerinnungs-  und blutzuckersenkende Substanzen, das Psychopharmakon Methylphenidat oder Stoffe aus der Gruppe der Kortisonabkömmlinge.4 Diese Wirkstoffe haben mit dem hochgehaltenen Konzept der traditionellen chinesischen Medizin nichts zu tun und können Anwender, die solche Stoffe aus medizinischen Gründen vielleicht sogar meiden müssen, durchaus gefährden.

Wegen häufiger Qualitätsmängel raten wir davon ab, ungeprüfte Produkte der TCM zu verwenden. Falls Sie sich dennoch für TCM entscheiden, sollten Sie bedenken, dass der Nutzen der Präparate in der Regel nicht wissenschaftlich belegt ist. Wenn Sie die Produkte in einer Apotheke erwerben, ist die Wahrscheinlichkeit von Verunreinigungen immerhin deutlich geringer, da Apotheker zur Qualitätskontrolle verpflichtet sind. Vom Bezug von TCM-Präparaten über private Quellen oder über das Internet, in denen TCM als „natürlich” und „sicher” beworben wird, raten wir dringend ab. Wegen unzureichender Beschriftung ist häufig noch nicht einmal klar, von welchem Hersteller solche Präparate letztlich stammen. In solchen Fällen ist eher von Verunreinigungen oder bedenklichen Beimischungen auszugehen.


Was tun?

Produkte der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) enthalten oft Verunreinigungen durch Schadstoffe wie Blei, Cadmium oder Quecksilber. Bei Fertigpräparaten aus China muss zusätzlich damit gerechnet werden, dass ihnen nicht deklarierte, stark wirksame chemische Arzneistoffe beigemischt wurden. Dies gilt auch, wenn sie als „natürlich” bezeichnet werden. Insbesondere vom Bezug über Internet oder „private Quellen“ raten wir dringend ab.


Quellen

1    Ihrig, M. et al.: Pharm. Ztg. 2001; 146: 416-22
2    Ihrig, M. et al.: Pharm. Ztg. 2004; 149: 3776-83
3    Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz: Pressedienst vom 1. Aug. 2005
4    Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (Großbritannien): Pressemitteilung vom 16. Sept. 2005

 

TCM ­­– genau hinschauen

Die traditionelle chinesische Medizin verwendet in der regulären Therapie auch Substanzen, die in der westlichen Medizin als nachweislich schädlich gelten. Dazu gehören krebs­erregende Substanzen wie aristolochiahaltige Pflanzen (z.B. Osterluzei)*, aber auch Arsenverbindungen und das quecksilberhaltige Zinnober. In Apotheken sollte deshalb in der Spezialliteratur nach Hinweisen gesucht werden, ob die gewünschten Produkte nach den Kenntnissen westlicher Medizin unbedenklich sind.

* 1982 wurde das deutsche Tonikum Frauengold® verboten. Dieses Mittel enthielt den Wirkstoff der Osterluzei, die Aristolochiasäure.

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