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Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2005/02, S. 10

Achtung:
Selbstmord­gedanken bei hyperaktiven Kindern unter Atomoxetin und Methylphenidat


Nur wenige Monate nachdem Atomoxetin (Strattera®) zur Behandlung von Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) in den Handel gebracht worden ist, musste der Hersteller Lilly weltweit Warnbriefe an Ärzte verschicken:1 Denn Atomoxetin erhöht das Risiko, dass Kinder und Jugendliche an Selbstmord denken.


ZappelphillipBei der Auswertung mehrerer klinischer Studien ist aufgefallen, dass jeweils einer von 200 mit Atomoxetin behandelten Patienten Selbstmordgedanken entwickelte oder sogar einen Selbstmordversuch machte, jedoch keiner, der nur ein Scheinmedikament eingenommen hatte. Aggressives Verhalten bis hin zur Äußerung von Morddrohungen war bereits bei Markteinführung als Problem bekannt.2

Auch das ältere ADHS-Mittel Methylphenidat (Ritalin® u.a.) kann diese lebensbedrohlichen Risiken auslösen. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA äußerte kürzlich entsprechende Bedenken und plant einen Warnhinweis. Anlass sind ebenfalls Selbstmordgedanken und gewalttätiges Verhalten in Verbindung mit der Einnahme von Methylphenidat.3

Eltern, Ärzte und andere Betreuer müssen bei Kindern und Jugendlichen, die Ato­moxetin oder Methylphenidat einnehmen, sorgfältig auf Verhaltensweisen achten, die auf Selbstmordgedanken hindeuten könnten. Dies gilt besonders in den ersten Behandlungsmonaten und wenn die Dosis erhöht oder verringert wird. Geachtet werden muss vor allem auf Verhaltensänderungen wie Anzeichen für eine Depression, Stimmungsschwankungen oder Aggressivität. Auch auffällige Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Lustlosigkeit und Schuldgefühle können Anzeichen für eine Selbstmordgefährdung sein. Der Verdacht sollte umgehend mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

 
Quellen
1    Lilly Deutschland GmbH: Rote-Hand-Brief an Ärzte vom 29. Sept. 2005
2    arznei-telegramm 2005; 36: 33-4
3    FDA: Statement on Concerta and Methylphenidate for the June 30, 2005, Pediatric Advisory Committee; www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/05/slides/2005-4152s2_07_Murphy.ppt

 

Hippelige Kinder und ADHS

Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit finden sich bis zu einem gewissen Grad bei fast allen Kindern. Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) dagegen ist selten, es handelt sich um eine schwerwiegende Störung, die das betroffene Kind und die Familie bis auf das Äußerste belasten kann. Wer behandelt werden sollte und ob verhaltenstherapeutische Strategien infrage kommen und/oder eine begleitende Behandlung mit Arzneimitteln sinnvoll erscheint, ist oft eine schwierige Entscheidung. Sie kann erst nach umfangreichen Untersuchungen getroffen werden. Die Abwägung von Nutzen und Schaden verlangt auch kinderpsychiatrische Erfahrung und sollte von behandelnden Ärzten, Eltern und dem Kind gemeinsam getroffen werden.

Das meist verwendete Arzneimittel Methylphenidat (Ritalin® u.a.) hilft jedoch nicht allen Kindern. Das Spektrum möglicher Nebenwirkungen ist breit und die Verträglichkeit bei Langzeitanwendung nicht gesichert. Um unnötige Verordnungen zu verhindern, ist es sinnvoll, wenn neben dem Kinderarzt ein kinderpsychiatrisch erfahrener Arzt die Behandlung mit Methylphenidat befürwortet. Das Mittel ist für Kinder unter sechs Jahren nicht zugelassen.
 

 

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