13. Februar 2017

Wenn der Schlaf gestört ist

Auch Medikamente können die Nachtruhe rauben

© Jörg Schaber
© Jörg Schaber

Helfen bei Schlafproblemen Hausmittel, Matratzenwechsel oder kleine Verhaltenstricks nicht weiter, können möglicherweise verordnete Medikamente die Ursache sein. Manche Mittel nerven dann „indirekt“. Manche tun es direkt: Wer sich deren Beipackzettel genauer anschaut, wird vielleicht in der Rubrik „Nebenwirkungen“ auch das Wort Schlaflosigkeit finden. Weil schlechter Schlaf quälend ist, hat Gute PillenSchlechte Pillen einige Arzneistoffe unter die Lupe genommen. Wir stellen ein paar Mittel aus der aktuellen Heftausgabe kurz vor.

Es gibt Arzneimittel, die das Schlafvermögen nicht unmittelbar beeinflussen, sondern eher indirekt die Nachtruhe stören. Dazu gehören zum Beispiel harntreibende oder schmerzlindernde Mittel: Harntreibende Medikamente (Diuretika) werden zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen verordnet. Sie befördern den nächtlichen Harndrang und somit auch den Toilettengang. Das kann besonders dann passieren, wenn die Tabletten abends eingenommen werden. Schmerzmittel wie etwa die Acetylsalicylsäure (ASS) führen in manchen Fällen zu nächtlichen Magenbeschwerden oder Sodbrennen.

Medikamente, die direkte Auswirkungen auf die Schlafqualität haben können, sind zum Beispiel Betablocker. Sie greifen in die komplizierten Mechanismen der zentralen Schlafregulation ein. Das wirkt sich möglicherweise ungünstig auf das Schlafhormon Melatonin aus, und es ist um die Nachtruhe geschehen. Ein typischer Vertreter solcher Betablocker ist der Wirkstoff Metoprolol, den Ärzte unter anderem bei Bluthochdruck oder Migräne verordnen. Und auch Cholesterinsenker (Statine), Antibiotika vom Typ Gyrasehemmer (z.B. der Wirkstoff Cyprofloxacin), Neuroleptika oder Antidepressiva und Mittel für Parkinson-Erkrankte können zu Schlafräubern werden.

GPSPExperte Professor Bruno Müller-Oerlinghausen rät: „Wann immer Sie vermuten, dass dauerhaft gestörter Schlaf in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Verordnung eines Medikaments stehen könnte, sollten Sie dies Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sagen. Oft kann dann ein anderer Wirkstoff aus der gleichen Substanzklasse oder auch ein pharmakologisch ganz anderes Mittel verordnet werden, das diese Nebenwirkung dann hoffentlich nicht hat.“

Mehr zu den schlafraubenden Medikamententypen und ihren Wirkungsweisen finden Abonnenten und Abonnentinnen im Originalartikel der Ausgabe GPSP 1/2017: http://gutepillen-schlechtepillen.de/gestoerter-schlaf/



  • Bunte Überraschungen

    Wenn der Urin plötzlich rot oder braun aussieht, kann das einen schon ziemlich erschrecken. Es ist aber manchmal harmlos, denn bestimmte Arzneimittel oder Nahrungsmittel können die schlichte Erklärung dafür sein.

  • Gute alte Pillen:

    Ibuprofen ist hierzulande einer der meistverschriebenen Wirkstoffe gegen Schmerz und Entzündung. In rezeptfreien Versionen ist er sogar der meistverkaufte. Ein guter Grund, den Stoff in der GPSP-Serie

  • Mehr unverzerrtes Wissen

    Als Patient erwartet man von seinem Arzt oder seiner Ärztin, dass sie auf dem aktuellen Wissensstand sind. Deshalb müssen sie sich regelmäßig fortbilden. Viele medizinische Fortbildungsveranstaltungen sind allerdings

  • Zugelassene Mittel nicht immer wirksam

    Pflanzliche und homöopathische Medikamente sind in einigen Verbraucherkreisen sehr beliebt, gelten sie doch als wirksame und „sanfte“ Mittel. Schonend ist aber vor allem der Umgang der Zulassungsbehörden mit diesen

  • Glosse:

    Das ist doch mal eine supergute Nachricht in Sachen Gesundheitsinformation: Unser aller Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, also das BfArM, „ist ab heute mit eigenem Kanal bei Twitter aktiv“.

  • Schlank mit Bockshornklee

    Bockshornklee wird allerhand Gutes nachgesagt. Die Anwendungsmöglichkeiten scheinen unbegrenzt. So soll dieses Kraut auch bestens für Gewichtsreduktion geeignet sein. Gute Pillen – Schlechte Pillen sieht dafür keine wissenschaftliche Grundlage.

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