7. März 2016

Vergissmeinnicht!

„Vernachlässigte Krankheiten“ gehen alle etwas an

© Adam Jones
© Adam Jones

Der Zika-Virus hat als gefährlicher Krankheitserreger weltweit viel Aufmerksamkeit in den Medien gefunden. Doch es gibt viele andere schlimme Infektionen in fernen und speziell in tropischen Regionen. Sie geraten selten in unsere Schlagzeilen, obwohl Millionen von Menschen davon betroffen sind. Viele sterben daran – weil es keine passenden Medikamente gibt. Gute PillenSchlechte Pillen zeigt, warum diese Krankheiten „vernachlässigt“ werden.

Ein Beispiel für eine vernachlässigte Krankheit ist die Afrikanische Schlafkrankheit. Auslöser sind winzige Einzeller, die von der Tsetse-Fliege übertragen werden und das zentrale Nervensystem angreifen. Viele Patienten sterben dann, weil ihnen eine gute Therapie fehlt. Betroffen sind meist Menschen in armen Regionen, die sich keine Medikamente kaufen können. Darum sind sie für die Pharmaindustrie wirtschaftlich völlig uninteressant.

Vernachlässigte Krankheiten wurden über Jahrzehnte von der kommerziell ausgerichteten Pharmaforschung ignoriert. Von 1975 bis 2011 wurden weltweit 1.700 neue Wirkstoffe entwickelt – davon aber nur 20 für vernachlässigte Krankheiten.

„Jammern allein hilft nicht! Es bedarf gemeinsamer, internationaler Forschungsanstrengungen, um die Bedrohung der vernachlässigten Krankheiten in den Griff zu bekommen“, sagt Christian Wagner-Ahlfs, leitender Redakteur von GPSP.

Daher hat zum Beispiel die Weltgesundheitsbehörde (WHO) einen globalen Aktionsplan auf die Beine gestellt, mit vielen Ideen, die Forschung anzukurbeln: So könnten ein Forschungsfond, neue Preismodelle und Prämien die Produktentwicklung zu fairen Endpreisen fördern. Zwei geförderte Pilotprojekte laufen bereits in Brasilien und Indien. Dort werden mit einer gemeinsam organisierten und finanzierten Forschung bezahlbare Produkte entwickelt: einmal eine Impfung gegen Schistosomiasis (eine Wurmerkrankung, Bilharziose) beziehungsweise ein Diagnoseverfahren für akute fieberhafte Erkrankungen.

Gut zu wissen: Um in Deutschland die Problematik bekannter zu machen, verleiht ein Bündnis alljährlich den Memento-Preis an Wissenschaftler, Politiker und Journalisten, die vernachlässigte Krankheiten zum öffentlichen Thema gemacht haben. So wurde dieses Jahr eine Würzburger Forschungsgruppe ausgezeichnet, die zu Infektionen mit Bandwürmern forscht.

Hintergrund: Der Artikel in GPSP 2/2016 liefert weitere Fakten zum globalen Aktionsplan, Beispiele weiterer Krankheit und Infos zur Forschungsfinanzierung. Schauen Sie einfach mal rein: http://gutepillen-schlechtepillen.de/was-gehen-uns-tropenkrankheiten-an/



  • Kopfschmerz bei Kindern

    Wenn Kinder über Kopfweh klagen, denken manche Eltern, „geht ja bald wieder vorbei“. Andere fragen sich, ob eine ernsthafte Krankheit dahinter steckt.

  • Bunte Überraschungen

    Wenn der Urin plötzlich rot oder braun aussieht, kann das einen schon ziemlich erschrecken. Es ist aber manchmal harmlos, denn bestimmte Arzneimittel oder Nahrungsmittel können die schlichte Erklärung dafür sein.

  • Gute alte Pillen:

    Ibuprofen ist hierzulande einer der meistverschriebenen Wirkstoffe gegen Schmerz und Entzündung. In rezeptfreien Versionen ist er sogar der meistverkaufte. Ein guter Grund, den Stoff in der GPSP-Serie

  • Mehr unverzerrtes Wissen

    Als Patient erwartet man von seinem Arzt oder seiner Ärztin, dass sie auf dem aktuellen Wissensstand sind. Deshalb müssen sie sich regelmäßig fortbilden. Viele medizinische Fortbildungsveranstaltungen sind allerdings

  • Zugelassene Mittel nicht immer wirksam

    Pflanzliche und homöopathische Medikamente sind in einigen Verbraucherkreisen sehr beliebt, gelten sie doch als wirksame und „sanfte“ Mittel. Schonend ist aber vor allem der Umgang der Zulassungsbehörden mit diesen

  • Glosse:

    Das ist doch mal eine supergute Nachricht in Sachen Gesundheitsinformation: Unser aller Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, also das BfArM, „ist ab heute mit eigenem Kanal bei Twitter aktiv“.

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