12. Dezember 2016

Unschlagbares Cortison

Vielseitig einsetzbar und oft Retter in Not

Cortison wird seit mehr als 70 Jahren vielfältig und wirkungsvoll zur Behandlung von Entzündungen eingesetzt, oft sogar lebensrettend, etwa bei einem allergischen Schock. Angst vor Nebenwirkungen sollte kein Grund sein, auf eine notwendige Cortisonbehandlung zu verzichten. Gute PillenSchlechte Pillen informiert, wie sich unerwünschte Wirkungen reduzieren lassen.

„Cortison“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Glucocorticoide. Deren Wirkung ähnelt dem körpereigenen Hormone Cortisol, das unter anderem Entzündungsprozesse dämpfen kann. Je nach Art der Erkrankung kann Cortison in verschiedenen Wirkstoff- und Darreichungsformen ärztlich verordnet werden.

Glucocorticoide sind zum Beispiel in Form von Spritze oder Infusion lebensrettend bei einem allergischen Schock, bei Nieren- und Krebserkrankungen oder bei einem akuten Asthmaanfall. Die Behandlung dauert meist nur wenige Tage, ist dafür aber hochdosiert. Auch bei einer Organtransplantation hilft Cortison maßgeblich, dass das neue Organ nicht abgestoßen wird. Und wen zum Beispiel Rheuma mit entzündeten Gelenken, Asthma mit entzündeten Bronchien oder Morbus Crohn mit Entzündungen im Darm quält, erhält über einen längeren Zeitraum linderndes Cortison.

Nebenwirkungen: In welcher Form Nebenwirkungen auftreten und wie heftig sie ausfallen, hängt von Art, Dosierung und Dauer der Anwendung ab. Deshalb gilt grundsätzlich: Nur anwenden, wenn wirklich nötig, so kurz und so niedrig dosiert wie möglich! Deshalb sind die meisten Cortisonpräparate auch nur mit Rezept zu bekommen. Ist eine längerfristige Cortisonbehandlung unumgänglich, wirkt sich das oft negativ auf den Stoffwechsel aus. Daher bekommen Patienten den cortisonartigen Arzneistoff – wenn möglich – oft zunächst nicht als Tablette, sondern zum Beispiel bei Asthma in Sprayform und bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis als Creme oder Salbe.

Tabletten: Weil die Wirkstoffe per Tablette direkt ins Blut gelangen, kann es im ganzen Körper zu Nebenwirkungen kommen. Blutdruck oder Blutzucker können zum Beispiel ansteigen. Deshalb sind regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen wichtig.

Asthmasprays: Nebenwirkungen zeigen sich hier zum Beispiel in Form von Hefe-Infektionen (Mundsoor) oder einer zeitweise kratzigen Kehle. Und das Cortison kann bei falscher Anwendung auch tiefer in den Körper gelangen. So können Sie vorbeugen: Spülen Sie nach der Inhalation den Mund gründlich aus! Und lassen Sie sich vom Arzt oder Apotheker eventuell noch einmal die richtige Inhalationstechnik zeigen! Bleiben die Probleme, können spezielle Hilfsmittel („Spacer“) das Inhalieren erleichtern.

Salben oder Cremes: Zu viel Cortison macht die Haut dünner. Daher sollten Cremes und Salben so niedrig wie möglich dosiert sein. Eine gute Pflege mit wirkstofffreien Cremes verringert oft den Cortisonbedarf. Sinnvoll ist eine Intervalltherapie: Dann wechseln sich Cremes mit und ohne Cortison ab. Besonders bei großflächiger Anwendung oder bei stark geschädigter Haut kann ein Teil des aufgetragenen Cortisons in den Körper gelangen, also Vorsicht! Das gilt auch für Cortisonsalben, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt!

Therapie ausklingen lassen: Die körpereigene Cortisolproduktion wird durch Cortisontabletten gedrosselt. Damit sie am Ende der Behandlung wieder richtig funktioniert, sollte das Mittel nach ärztlicher Absprache schrittweise abgesetzt werden. Da der Körper sein Cortisol hauptsächlich in den frühen Morgenstunden ausschüttet, empfiehlt es sich, Cortisontabletten morgens zwischen sechs und acht Uhr einzunehmen.

Mehr zu cortisonartigen Arzneistoffen und eine Tabelle zu ihrem Anwendungsgebiet finden Abonnentinnen und Abonnenten im Originalartikel der Ausgabe GPSP 6/2016: http://gutepillen-schlechtepillen.de/gute-alte-pillen-cortison-arzneistoff-mit-vielen-gesichtern/



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