4. April 2016

Selbsttest Wechseljahre

Praktischer Nutzen fraglich

© Jeanette Dietl –Fotolia.com
© Jeanette Dietl –Fotolia.com

Zyklus-Chaos, Gereiztheit, Hitzewallungen und dann noch schlaflos nachts im Bett? Frauen ab Mitte 40 rätseln da zu recht, ob sie schon in die Wechseljahre trudeln. Klarheit können – so die Werbebotschaft – frei verkäufliche Selbsttests rasch und zuverlässig verschaffen. Gute PillenSchlechte Pillen hat sich diese Urin-Selbsttests vorgeknöpft – mit trüben Ergebnissen.

Die typischen Symptome der Wechseljahre entstehen, weil sich der weibliche Hormonhaushalt verändert: Die Produktion von weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogenen, Gestagenen) in den Eierstöcken lässt nach und in der Folge wird mehr follikelstimulierendes Hormon (FSH) gebildet. FSH wird über Nieren ausgeschieden und ist im Urin messbar. Auf dieses FSH-Messprinzip bauen die „Wechseljahre-Tests“, die Frauen in Apotheken erhalten und aus eigener Tasche bezahlen müssen. Meist schlagen die Anbieter vor, den Test nach ein paar Tagen zu wiederholen, um so mögliche FSH-Schwankungen zu berücksichtigen. Ob die Ergebnisse tatsächlich verlässlich die Wechseljahre vorhersagen, ist bislang nicht durch Studien belegt. Die angeblich hohe Test-Genauigkeit bezieht sich nämlich nur darauf, dass der Urin-Wert dem FSH-Wert im Blut entspricht.

Und das Ende vom Lied? Fallen beide Tests positiv aus, dann empfehlen Anbieter wie Stada, sich die „Wechseljahre“ von einer Gynäkologin bestätigen zu lassen. Fällt der zweite Test negativ aus, raten sie Frauen den Test nach gut eineinhalb Monaten zu wiederholen – oder gleich zu ihrer Frauenärztin zu gehen… Da kann frau sich den Test auch sparen!

GPSP-Tipp:

Plagen Sie typische Wechseljahrbeschwerden? Dann wenden Sie sich direkt an Ihre Gynäkologin. Das schont auch Ihre Geldbörse: Ein Selbsttest kostet zirka 15 Euro!

Nutzen Sie hormonelle Verhütungsmittel (z.B. die „Pille“)? Dann liefert Ihnen der Wechseljahre-Test wahrscheinlich falsche Ergebnisse.

Auch bei einem positiven Testergebnis ist es ratsam, weiter Verhütungsmittel anzuwenden. Denn solange eine Frau noch Regelblutungen hat, kann sie theoretisch schwanger werden – auch wenn das kurz vor oder während der Wechseljahre nur selten vorkommt.

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