30. September 2014

Netzhautalarm

AMD: Was bringen Nahrungsergänzungsmittel?

© kids.4pictures

Unsere Augen altern. Altersweitsichtigkeit ist da typisch und eine Lesebrille „repariert“ schnell und simpel das Sehvermögen. Das klappt leider nicht bei einer feuchten oder trockenen altersbedingten Makuladegeneration – kurz AMD. Die Makula, auch gelber Fleck genannt, ist die Stelle des schärfsten Sehens auf unserer Netzhaut. Je mehr hier die vorwiegend gefäßbedingten Schäden voranschreiten, desto weniger können wir lesen und Dinge klar erkennen – bis hin zur völligen Erblindung. Daher werben Hersteller gerne mit Nahrungsergänzungsmitteln, die eine AMD abbremsen oder vorbeugen sollen. Doch was ist an diesen Nährstoffcocktails wirklich dran? Gute Pillen – Schlechte Pillen hat dazu aktuelle Studienergebnisse unter die Lupe genommen.

Eine solide US-Studie konnte nachweisen, dass eine bestimmte, kaufübliche Mischung von Nährstoffen (Vitamin C + E, Beta-Carotin, Zinkoxid, Kupferoxid) in einem gewissen Umfang den Zerstörungsprozess der Makula verlangsamen kann. Doch grundsätzlich zu empfehlen ist dieser Mix laut Forschererkenntnis leider nicht. Zu groß ist das Risiko, dass der Farbstoff Beta-Carotin bei Rauchern (auch bei ehemaligen!) das Lungenkrebsrisiko erhöht. In einer Folgestudie wurde eine andere Nährstoffmischung untersucht, die geeignetere Farb- und Nährstoffe ans Tageslicht brachte, nämlich Lutein und Zeaxanthin in Kombination mit Omega-3-Fettsäuren. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Nahrungsergänzungsmittel den AMD-Prozess hier und da zumindest verlangsamen können. Sie können aber nicht verhindern, dass eine AMD entsteht. Prof. Mühlbauer von der GPSP-Redaktion: „Diese Studienergebnisse sind aber mit Vorsicht zu sehen. Die Ergebnisse der Auswertungen werden nur häppchenweise veröffentlicht, sodass es schwierig ist, alle Möglichkeiten zu vergleichen.“ Deshalb ist eine ausgewogene Ernährung die beste Wahl. Hierzu einige Anregungen:

GPSP-Tipp: Unsere Lebensmittel enthalten längst, was die Nahrungsergänzung in Tabletten und für teures Geld bringt:

Lutein: Davon steckt sehr viel in dunklem Blattgemüse (Spinat oder Grünkohl).

Omega-3-Fettsäuren: Wer regelmäßig Fisch verzehrt ist gut damit versorgt. Es klappt aber auch mit Raps- und Walnussöl. Unser Körper kann deren Alpha-Linolensäuren eigenständig in Omega-3-Fettsäuren umwandeln (siehe GPSP 2/2009, S. 11).

Zink: Lieferanten sind rote Fleischsorten, Käse, Weizenkeime (Weizen), Walnüsse, Pilze, Linsen, Meeresfrüchte und Schalentiere, Grüner Tee.

Vitamine E und C: Sie stecken in so vielen Nahrungsmitteln, dass sie nicht aufgezählt werden müssen.

Mehr zu den Studien finden Sie im GPSP-Originalartikel: http://gutepillen-schlechtepillen.de/pages/archiv/jahrgang-2014/nr.-5-sept.okt.-2014/farbstoffe-fuers-auge-hilft-lutein-bei-makuladegeneration.php


Quellen
1 http://www.nei.nih.gov/amd/
2 http://www.areds2.org/

  • Insuline

    Im engen Wortsinn ist Insulin natürlich keine „gute alte Pille“, denn es wird unter die Haut gespritzt. Doch als Arzneimittel, das seit Jahrzehnten unzählige Menschenleben gerettet hat, gehört es in diese Serie von GPSP. Insulin ersetzt bei Zuckerkranken ein ganz oder teilweise fehlendes lebenswichtiges Stoffwechselhormon.

  • Arzneimittel für Kinder

    Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und Jugendliche keine großen Kinder – auch nicht, wenn sie Arzneimittel benötigen. Der Körper nimmt manche Wirkstoffe je nach Altersstufe anders auf. Auch der Stoffwechsel arbeitet bei Neugeborenen, Säuglingen, Kleinkindern, Schulkindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedlich. Das müssen Eltern wissen und Ärzte berücksichtigen, wenn junge Menschen ein Medikament brauchen.

  • Vermeintlich sanfte Hilfe bei ADHS

    Viele Kinder, die sich überaktiv verhalten und oft sehr unaufmerksam sind, erhalten die Diagnose ADHS. Oft verordnen Ärztinnen und Ärzte dann ein Medikament – zum Beispiel Ritalin®. Eltern sehen solche Psychopharmaka bzw. Stimulanzien zunehmend kritischer und suchen nach sanften Alternativen. Dazu gehören mittlerweile auch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel. Die Hersteller bewerben ihre Produkte im Rahmen der „orthomolekularen Medizin“. Demnach fehlt es ADHS-Kindern bloß an ein paar bestimmten Mikronährstoffen.

  • Antidepressivum –
Studienergebnisse verheimlicht

    Wer die Ergebnisse von klinischen Studien verfälscht veröffentlicht, handelt verantwortungslos. So wurde zum Beispiel 2001 eine Studie publiziert, die dem Antidepressivum Paroxetin eine positive Wirkung bei Jugendlichen bescheinigte. Jetzt wurden die Daten neu ausgewertet mit verstörendem Resultat. Der Hersteller hatte die Ergebnisse einfach umgedreht: von unwirksam zu wirksam, von gefährlich zu sicher. Möglich war dies, weil der Konzern seine Daten-Karten nicht offen legte. Gute Pillen - Schlechte Pillen begrüßt die neue EU-Verordnung, die eine solche Geheimhaltung verbietet. Kritisch zu sehen ist, dass dies nicht für Vergangenes gilt und dass die Verordnung u.a. durch TTIP gefährdet werden kann.

  • Das Schweigen der Behörden

    Angeblich kann eine Pflanze namens Garcinia cambogia beim Abnehmen helfen. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) hat zwei suspekte Produkte analysiert und fragt sich anschließend, ob es manchmal nicht besser sei, „wenn nicht drin ist was drauf steht“.1 Diesem makabren Gedanken wollen wir angesichts Tausender bedenklicher gepanschter Nahrungsergänzungsmittel sicher nicht unbesehen zustimmen. Vor allem, wenn die Öffentlichkeit nicht erfährt, welche Produkte untersucht wurden.

  • Gewitter im Gehirn

    Noch vor rund 20 Jahren hielt immerhin jeder Fünfte die Epilepsie für eine Geisteskrankheit und meinte, dass betroffene Kinder eine Sonderschule besuchen müssten.1 Heute wird die Krankheit zunehmend differenzierter und realistischer gesehen.

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