13. November 2017

Nachgefragt: Lebensqualität bis zuletzt

Die Palliativmedizin und das „gute Sterben“

© Elke Brüser
© Elke Brüser

Selbst wenn keine Heilung mehr möglich ist, können Ärzte dennoch etwas für ihre Patienten und Patientinnen tun. Welche Möglichkeiten bietet die Medizin bei lebensbegrenzenden Erkrankungen? Und was müssen wir über das Sterben wissen? Dazu haben wir den Palliativmediziner Sven Gottschling befragt.

Palliativmediziner wie Sie betreuen Patienten, für deren Krankheit es keine Heilung gibt und deren Lebensende absehbar ist. Sie beschreiben sich selbst als „Facharzt für Lebensqualität“. Ist das nicht paradox?

Das klingt nur im ersten Moment paradox. Aber gerade bei einer lebensbegrenzenden Erkrankung zählen die guten Momente: Wir Palliativmediziner lindern zum Beispiel Schmerzen und Luftnot, so dass der Betroffene noch Gelegenheit hat, mit Menschen in Kontakt zu treten, Wichtiges zu regeln und schöne Situationen mit der Familie zu erleben. Es geht um das Leben, und was da noch möglich ist. Das ist sehr lebensbejahend, und unser Hauptfokus dabei ist Lebensqualität.

Richtet sich Palliativmedizin nur an Todkranke am Lebensende?

Wir möchten die Patienten nicht erst in den letzten Tagen oder Wochen kennenlernen, sondern schon viel früher: im Idealfall, sobald die schwere Erkrankung diagnostiziert wird. Dann kann die Begleitung unter Umständen auch über Jahre oder gerade bei Kindern auch über Jahrzehnte gehen.

Warum plädieren Sie dafür, sich mit dem Sterben zu beschäftigen?

Ich finde es wichtig, dass man zumindest die Möglichkeit hat, sich damit auseinanderzusetzen. Dazu muss man informiert sein, und vonseiten der Ärzte gehört auch ein gewisses Maß an Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit dazu. Wir können einem Todkranken nicht auf die Schulter klopfen und immer noch eine weitere Therapie aus der Trickkiste ziehen. Manchmal kann man nur noch sagen: Eine weitere gegen Ihre Krankheit gerichtete Therapie ist nicht mehr sinnvoll. Das gibt dem Menschen die Möglichkeit, in einen Trauerprozess einzutreten, Abschied zu nehmen und Dinge zu regeln. Der Patient muss wissen, dass die Zeit jetzt knapp wird.

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