23. Mai 2017

Krebsfrüherkennung

Das Screening hat auch Tücken

Terminkalender mit Eintrag für Krebsvorsorge und Darmspiegelung
© Wolfilser/ fotolia.com

Früh erkannt – früh gebannt: Was sich intuitiv richtig anhört, kann bei der Krebsfrüherkennung zu Fehlschlüssen führen. Nicht immer führt sie zu weniger belastenden Therapien oder rettet gar Leben. Hinzu kommt: Es gibt wie bei allen medizinischen Maßnahmen auch Nebenwirkungen. Gute PillenSchlechte Pillen weist auf Risiken hin, die man kennen sollte, bevor man sich für eine Untersuchung entscheidet.

Einige Krebs-Früherkennungsuntersuchungen verringern das Risiko, an der gesuchten Krebsart zu sterben. Das ist ein klarer Nutzen der Tests. Allerdings muss man bedenken, dass die Gefahr, etwa an Brust-, Darm- oder Prostatakrebs zu sterben, auch ohne Früherkennung nicht allzu hoch ist. Nur wenige Menschen wissen, dass die Krebsfrüherkennung sogar Schaden anrichten kann – und den sollte man vor der Entscheidung für oder gegen die Untersuchung immer gegen den Nutzen abwägen.

Ein möglicher Nachteil steckt in der Untersuchungsmethode. So wird etwa bei der Mammografie die Brust zwischen zwei Metallplatten gequetscht, um sie dann mit Röntgenstrahlen zu durchleuchten. Das kann sehr unangenehm sein. Röntgenstrahlen erhöhen zudem das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken (1 von 1000 Frauen). Auch die Vorbereitungsmaßnahmen zu einer Darmspiegelung sind nicht grade schön. Und selten (1:1000) kann es zu Blutungen kommen, die in einer Klinik behandelt werden müssen.

Hinzu kommt das Risiko für fehlerhafte Befunde: Dazu gehören die falsch-negativen Befunde, d.h., der Test spürt Tumore gar nicht auf. Man kann sich also nie ganz sicher sein, keinen Krebs zu haben, auch wenn im Screening nichts gefunden wurde. Aber es gibt auch falsch-positive Befunde. Die Mammografie zum Beispiel liefert bei etwa 20 bis 30 von 1000 Frauen ohne Tumor trotzdem einen auffälligen Röntgenbefund. Das zieht zeit- und nervenraubende Untersuchungen nach sich, manchmal sogar chirurgische Eingriffe zur Gewebeentnahme. Meist stellt sich der Verdacht letztendlich als falscher Alarm heraus.

Überdiagnosen kommen bei fast allen Krebs-Screenings vor. Das sind zwar formal richtige Befunde, doch würde sich der Tumor zu Lebzeiten nie bemerkbar machen. So liegt die Überdiagnose beim PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs bei circa 30 Prozent. Ausnahmen: Bei Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs ist die Lage anders. So wird zum Beispiel bei einer Darmspiegelung vor allem nach noch gutartigen Vorstufen gesucht. Werden sie entfernt, kann Krebs erst gar nicht entstehen. Die Zahl der Krebsdiagnosen lässt sich so verringern.

GPSP – Tipp: Das sollten Sie bei den Angeboten zur Krebsfrüherkennung generell beachten:

Zeit lassen. Es besteht kein Zeitdruck. Keine Untersuchung muss von heute auf morgen stattfinden oder weil man ein bestimmtes Alter überschritten hat.
Genauer informieren:
Lehnen Sie Screening-Verfahren, die Sie nicht kennen, zunächst ab. Prüfen Sie, ob das Verfahren nachweislich einen Nutzen hat. Sehen Sie auch die „IGeL-Angebote“ kritisch: Bei vielen von ihnen ist der Nutzen wissenschaftlich nicht gut untersucht oder sogar widerlegt worden (etwa bei Ultraschalluntersuchungen zu Eierstockkrebs). Mehr Informationen dazu gibt es etwa beim IGeL-Monitor.
Genau abwägen:
Suchen Sie nach Zahlen zu Nutzen und Schaden der angebotenen Krebsfrüherkennung. Die finden sich etwa in den Patientenbroschüren des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Wägen Sie dabei Ihre persönlichen Präferenzen ab: Ist mir eine frühe Erkennung eines Tumors so wichtig, dass ich auch bereit bin, die möglichen Nachteile in Kauf zu nehmen? Bei häufigen Krebserkrankungen in der Familie kann der Arzt helfen, das persönliche Risiko besser einzuschätzen.

Mehr zur Krebsfrüherkennung sowie eine Tabelle zu Vor- und Nachteilen des Darmkrebs-Screening finden Abonnentinnen und Abonnenten unter http://gutepillen-schlechtepillen.de/nachgefragt-tuecken-des-screenings/


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