20. November 2017

HPV-Impfung

Nutzen und Risiken abwägen – trotz schwieriger Studienlage

© golero/ iStockphoto.com
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Die Impfung gegen Humane Papilloma-Viren ist seit rund zehn Jahren auf dem Markt. Gute Pillen – Schlechte Pillen erklärt Nutzen und Risiken – allerdings sind viele Fragen immer noch offen.

Humane Papilloma-Viren (HPV) werden häufig beim Sex übertragen. Einige Virustypen können harmlose Feigwarzen an den Geschlechtsorganen auslösen, andere jedoch Krebserkrankungen an Darmausgang, Scheide, Penis oder Gebärmutterhals (Zervixkarzinom).

Impfstoffe: Hierzulande sind drei HPV-Impfstoffe zugelassen: Sie richten sich gegen die HPV-Typen 16 und 18 (Hochrisiko-Typen), die an etwa 70 Prozent aller Zervixkarzinome beteiligt sind. Die Impfstoffe sind für Mädchen und Jungen ab 9 Jahre zugelassen: zur Vorbeugung von HPV-bedingten Krebsvorstufen im Genital- und Analbereich sowie von Zervix- und Analkarzinomen. Zwei der drei Impfstoffe zielen außerdem auf Erreger von Feigwarzen.

Hintergrund: Nicht jede HPV-Infektion führt zu Zellveränderungen. Ist das Immunsystem fit, kann es die Viren effektiv bekämpfen. So treten bei 70 bis 90 Prozent aller HPV-Infektionen gar keine Beschwerden auf, und nach ein bis zwei Jahren lassen sich keine Viren mehr nachweisen. Die meisten HPV-bedingten Zellveränderungen bilden sich von selbst wieder zurück. Dauert die Infektion länger an, besteht die Gefahr einer richtigen Krebserkrankung. Dieser Prozess kann sich bis zu 20 Jahre hinziehen.
Das alles erschwert die Forschung zum Nutzen von HPV-Impfstoffen, weshalb in den Zulassungsstudien nicht Krebs, sondern mittelgradige und hochgradige Zellveränderungen als Maßstab genommen wurden. Die Impfstoffe verhindern bei einer von 100 Frauen ohne vorherige HPV-Infektion solche Zellveränderungen. Aber: Entdeckt die Frauenärztin bei der üblichen, regelmäßigen Früherkennungsuntersuchung hochgradige Veränderungen, wird sie diese meist mit einer kleinen OP entfernen, sodass kein Krebs entsteht. Das ist gut so, führt aber dazu, dass sich bis heute nicht mit Sicherheit sagen lässt, wie zuverlässig die Impfung tatsächlich Gebärmutterhalskrebs verhindert. Die Datenlage ist also schwierig. Ob einer von drei möglichen Impfstoffen besser schützt, lässt sich derzeit nicht sagen.

Jungen und Männer: Bislang gibt es nur eine aussagekräftige Studie, bei der durch die Impfung etwa bei einem von hundert Teilnehmern Zellveränderungen verhindert wurden. Jedoch waren die meisten dieser Veränderungen lediglich Feigwarzen. Ob die HPV-Impfung Männer vor Anal- oder Peniskrebs schützt, ist nicht klar.

Mit schwerwiegenden Nebenwirkungen müssen Geimpfte nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht rechnen. Möglich sind lokale Reaktionen an der Einstichstelle. Manche Jugendliche neigen nach Impfungen zu vermutlich psychisch bedingten Ohnmachtsanfällen, es empfiehlt sich eine ärztliche Überwachung für eine Viertelstunde.

Fazit: Die Impfung ist besser wirksam, wenn die Frauen noch keine HPV-Infektion hatten. Darum empfiehlt die Ständige Impfkommission, Mädchen – vor dem ersten Sexualverkehr im Alter von 9 bis 14 Jahren zu impfen. Auch geimpfte Frauen sollten stets an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen, da die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz bietet. Außerdem empfiehlt es sich so oder so – besonders bei häufiger wechselnden Partnern –, beim Sex ein Kondom zu nutzen. Das schützt auch vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen. Eine Impfung für Jungen wird in Deutschland derzeit nicht empfohlen.

Ausführliches zu den unterschiedlichen HPV-Typen, Impfstoffen und Studienergebnissen finden Abonnentinnen und Abonnenten im Originalartikel der Ausgabe GPSP 6/2017  unter: http://gutepillen-schlechtepillen.de/weiter-viele-fragen-offen/



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