11. April 2016

Blasenschwäche

Auch Medikamente können beteiligt sein

© complize / photocase.de
© complize / photocase.de

Besonders ältere Menschen haben das Problem der Harninkontinenz, das heißt, dass Urin unwillkürlich abgeht. Das ist sehr unangenehm und kann auch im Zusammenhang mit verordneten Medikamenten stehen – als eine sogenannte unerwünschte Wirkung. Gute PillenSchlechte Pillen nennt Beispielmittel.

Bei Frauen ist eine häufige Ursache eine schwach gewordene Beckenmuskulatur, die normalerweise den Schließmuskel der Blase unterstützt. Das kann die Folge von Schwangerschaften und Geburten aber auch von Übergewicht sein. Besonders wenn die Blase unter Druck gerät, zum Beispiel beim Husten, Pressen oder Lachen, reichen die Verschlussmechanismen nicht mehr aus.

Bei Männern ist es häufiger eine vergrößerte Vorsteherdrüse (Prostata), die manchmal die Harnröhre so stark einengt, dass der Urin nur tröpfelnd entleert werden kann, häufig auch unwillkürlich. Oder die Blase kann wegen der eingeengten Harnröhre nicht mehr vollständig entleert werden und läuft bei höherem Druck über – auch ohne Harndrang (Überlaufinkontinenz).

Medikamente können eine Harninkontinenz verstärken, aber auch das Gegenteil – einen Harnverhalt – auslösen, was bei vergrößerter Prostata zu bedenken ist. Hier einige Beispiele.

Bei Harninkontinenz:
Diuretika-Mittel, die bei Bluthochdruck oder Herzschwäche verordnet werden.
Mittel, die die Wirkung von Azetylcholin verstärken, und die bei einer beginnenden Demenz verordnet werden.
Mittel, die Verstopfung und damit erhöhten Druck im Bauchraum verursachen, etwa starke Schmerzmittel (u.a. Opioide).
Medikamente gegen Typ-2-Diabetes. Dapagliflozin, Empaglifozin können bakterielle Infekte der Harnwege mit häufigerem Harndrang und Inkontinenz begünstigen.
Mittel, die bei psychischen Krankheiten verordnet werden etwa die Wirkstoffe Clozapin, Olanzapin.

Bei Harnverhalt:
Anticholinerge Wirkstoffe, beispielsweise in Schlafmitteln, Kombinations-Grippemitteln oder rezeptfreien Mitteln gegen Reiseübelkeit.

GPSP-Tipp:

Machen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin auf Ihre Blasenprobleme aufmerksam. Dann kann dies bei der Verordnung von Medikamenten berücksichtigt werden.

Mehr dazu im aktuellen Heft



  • Kopfschmerz bei Kindern

    Wenn Kinder über Kopfweh klagen, denken manche Eltern, „geht ja bald wieder vorbei“. Andere fragen sich, ob eine ernsthafte Krankheit dahinter steckt.

  • Bunte Überraschungen

    Wenn der Urin plötzlich rot oder braun aussieht, kann das einen schon ziemlich erschrecken. Es ist aber manchmal harmlos, denn bestimmte Arzneimittel oder Nahrungsmittel können die schlichte Erklärung dafür sein.

  • Gute alte Pillen:

    Ibuprofen ist hierzulande einer der meistverschriebenen Wirkstoffe gegen Schmerz und Entzündung. In rezeptfreien Versionen ist er sogar der meistverkaufte. Ein guter Grund, den Stoff in der GPSP-Serie

  • Mehr unverzerrtes Wissen

    Als Patient erwartet man von seinem Arzt oder seiner Ärztin, dass sie auf dem aktuellen Wissensstand sind. Deshalb müssen sie sich regelmäßig fortbilden. Viele medizinische Fortbildungsveranstaltungen sind allerdings

  • Zugelassene Mittel nicht immer wirksam

    Pflanzliche und homöopathische Medikamente sind in einigen Verbraucherkreisen sehr beliebt, gelten sie doch als wirksame und „sanfte“ Mittel. Schonend ist aber vor allem der Umgang der Zulassungsbehörden mit diesen

  • Glosse:

    Das ist doch mal eine supergute Nachricht in Sachen Gesundheitsinformation: Unser aller Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, also das BfArM, „ist ab heute mit eigenem Kanal bei Twitter aktiv“.

GEPANSCHTES

Gepanschtes-Button-B272px

Heft-Archiv


Ausgabe 2017/02




Geschenk-Abo

GPSP_Geschenk-Abo_2015-300px

Spenden

Unsere Informationen gefallen Ihnen?
SpendenWenn Sie Gute Pillen – Schlechte Pillen mit einer Spende unterstützen, hilft uns das, unabhängig und werbefrei zu sein. GPSP ist gemeinnützig. Spenden sind steuerlich absetzbar: Spendenportal.de