Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2007 / 02 S. 11Lb

Leserbriefe

Wir freuen uns über Ihre Zuschriften. An dieser Stelle finden Sie sowohl Lob und Kritik als auch unsere Antworten auf Ihre Fragen. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen.

Cystus Infektblocker

„Was ist von Cystus® 052 Infektblocker zu halten? Gibt es Erfahrungswerte?“    K.D.

GPSP: Cystus® 052 Infektblocker-Tabletten sind aus der Zistrose (Cistus incanus) hergestellt. Sie werden im Internet als „natürlicher Schutz gegen Grippe und bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum“ beworben. Für die aufgestellten Behauptungen, beispielsweise dass durch das Präparat „Bakterien und Viren (z.B. Influenzaviren) … prophylaktisch gebunden und so am Eindringen in den Organismus gehindert“ werden, finden wir keine Belege zum Nutzen beim Menschen. Möglicherweise gibt es „Reagenzglasversuche“, die unter bestimmten Versuchsanordnungen irgendwelche Effekte erkennen lassen. Einzig relevant ist jedoch der Nutzen unter „Echtbedingungen“, die klinische Prüfung. Wir finden keine solchen Studien. Daher darf man davon ausgehen, dass die Werbebehauptungen der Fantasie der Anbieter entspringen. Die Ausgaben für diesen „neuartigen“ Grippeschutz sollten Sie sich sparen.


Vektor-Lycopin

„Mein Vater hat vor kurzem von dem Wirkstoff Vektor-Lycopin gelesen. Da er an Arthrose leidet, möchte er sich dieses Medikament kaufen. Können Sie dies empfehlen?“       S.W.

GPSP: Vektor-Lycopin® ist eine Kombination aus Tomatenextrakt und Süßholzwurzelextrakt. Diese Kombination soll bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Gelenkbeschwerden zur unterstützenden Behandlung dienen. Aussagefähige Belege für einen therapeutischen Nutzen sowie für die Sicherheit des Produktes fehlen. Dies erscheint problematisch, denn Süßholzwurzelextrakt enthält Glycyrrhizinsäure. Dieser Wirkstoff (enthalten auch in Lakritze) kann in hohen Dosierungen den Kaliumspiegel im Blut erhöhen sowie Bluthochdruck auslösen, ebenso wie der hohe Konsum von Lakritze. Da es sich bei dem Produkt nicht um ein Arzneimittel handelt, fehlt eine behördliche Überprüfung der Sicherheit.

Wir ordnen Vektor-Lycopin unter die „Wundermittel“ ein, für die ein Nutzen behauptet wird, aber nicht belegt ist. So wird Kranken das Geld aus der Tasche gezogen. Als Bücher verkaufte Werbebroschüren wie „Die Rheumarevolution“ von einem Dr. Jörg Zittlau tragen zur Legendenbildung bei. Behauptungen wie „völlig nebenwirkungsfrei“ oder „Heilkraft mit gezielter, mit verstärkter Wirkung“ sind nicht belegbar.


Leber-Medikamente

„Ich bin leberkrank und nehme die Medikamente Silymarin Stada® 140 und Essentiale® Forte. Prof. Erwin Kuntz empfiehlt in seinem Buch ‚Brennpunkt Leber’ seitenweise Essentiale® Forte für alle Lebererkrankungen. Was ist davon zu halten?“   U.B.

GPSP: Silymarin Stada® 140 mg enthält Stoffe, die aus Früchten der Mariendistel herausgelöst (extrahiert) sind. Wir bewerten den Nutzen der Extrakte aus Mariendistel bei chronischen Lebererkrankungen als sehr zweifelhaft.

Essentiale® Kapsel 300mg enthält Phospholipide, die aus Sojabohnen extrahiert wurden. Die Wirksamkeitsbelege solcher Fette (Lipide) aus Sojabohnen, die schon jahrelang auch als Drogerieartikel angeboten werden, genügen nicht den heutigen Anforderungen.

Somit versäumen Sie keine Therapiechance, wenn Sie keines dieser so genannten Leber-Schutzpräparate einnehmen. Leider sind auch hier die Versprechungen der Hersteller und ihrer Meinungsmacher, an denen sich kranke Menschen verständlicherweise orientieren, größer als der nachgewiesene Nutzen der Präparate. In Ihrer Situation gilt es, Schäden von der Leber fernzuhalten (z.B. Alkohol), auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und sich hinsichtlich der möglichen Folgen der Lebererkrankung ärztlich kontrollieren zu lassen.


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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