Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2013 / 03 S. 14a

Kurz und knapp:

Rückenspritze bei „Ischias“

Nützt wenig, ist riskant

Beim Ischias-Syndrom strahlen die heftigen Rückenschmerzen vom unteren Rücken und Gesäß meist bis ins Bein aus. Oft versuchen Orthopäden mit Injektionen in der Nähe des Rückgrats, die Beschwerden zu stoppen. Dabei spritzen sie örtlich wirkende Schmerzmittel oder aber Kortikoide Das sind Hormone, die die entzündlichen Reaktionen hemmen sollen. Der Nutzen dieser Spritzen ist umstritten. Darum haben Wissenschaftler bereits vorhandene zuverlässige Studien in einer zusammenfassenden Auswertung (Metaanalyse) vergleichend bewertet.1 Sie fanden, dass sich in den ersten drei Monaten nach einer Kortikoid-Spritze Schmerzen und Behinderungen etwas deutlicher besserten als nach einer lokalen Betäubung oder Plazebo-Spritzen (mit physiologischer Kochsalzlösung). Später waren jedoch diese kleinen signifikanten Unterschiede verschwunden. Auffälligerweise fiel der Vorteil für die Kortikoide in solchen Studien geringer aus, in denen der Behandler mit der Auswertung der Ergebnisse nichts zu tun hatte.

Sofern ein Arzt oder eine Ärztin Kortikoidinjektionen empfiehlt, sollten Sie darüber aufgeklärt werden, dass diese die Hormonproduktion in der Nebennierenrinde hemmen. Zu häufig gespritzt oder zu hoch dosiert können Kortikoide sogar das Cushing-Syndrom („Mondgesicht“) auslösen.2


Quellen
1 ARZNEIMITTELBRIEF (2013) 4, S. 28
2 Wenn Kortikoide injiziert werden, sollten die Patienten einen Kortikoidausweis erhalten, der die gespritzte Menge dokumentiert.


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