Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2013 / 02 S. 14b

Kurz und knapp:

Rückenschmerzen

Vorsicht: Flupirtin

Chronische Rückenschmerzen plagen viele Menschen. Das heißt im Umkehrschluss, dass sich mit Medikamenten gegen die Beschwerden viel Geld verdienen lässt. Kürzlich hat der Teva-Konzern eine Werbekampagne für sein Präparat mit dem Wirkstoff Flupirtin (Katadolon®) gestartet: Mit einem Sonderbericht über eine Studie bewarb die Firma Flupirtin bei Ärzten als Rückenschmerzmittel. (Dazu muss man wissen, dass solcherlei Sonderberichte als Beilage in Ärztezeitschriften keine ordentliche Publikation sind, sondern als Werbung bezahlt werden müssen.) Was die Studie heraus fand, überzeugt nicht: Der Wirkstoff mindert chronische Rückenschmerzen zwar etwas besser als ein wirkstofffreies Scheinmedikament,2 ob es sich jedoch lohnt, bei dem eher geringen zusätzlichen Nutzen das Risiko der Leberschädlichkeit des Mittels in Kauf zu nehmen, muss man bezweifeln.3,4

Das Hauptaugenmerk bei chronischem Kreuzschmerz gilt heute sowieso den aktivierenden Maßnahmen (GPSP 3/2010, S. 14). Um diese zu ermöglichen und akute Schmerzen zu lindern, können Schmerzmittel wichtig sein. Empfohlen bei chronischen Rückenschmerzen werden Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen für eine möglichst begrenzte Zeit.5


Quellen
2 Auf einer Schmerz-Skala von 1 (leicht) bis 10 (stark) senkt Plazebo den durchschnittlichen Ausgangswert von 5,94 auf 4,13. Mit Flupirtin sind es 0,42 Punkte mehr, also eine Absenkung auf 3,71.
3 arznei-telegramm (2013) 44; 1, S. 14
4 AkdÄ (2013) Drug Safety Mail 13-2013
5 Nationale Versorgungsleitlinie „Kreuzschmerz“ www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/nvl-007.html


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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