Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2012 / 03 S. 08a

Kurz und knapp:

Neue Antibabypille Neue Risiken

Viele Mädchen nehmen die Antibabypille. Allerdings heutzutage oft nicht (nur), um eine unerwünschte Schwangerschaft zu verhindern, sondern wegen der propagierten Schönheitseffekte, neudeutsch „Beauty- Effekt“ genannt.1 Die Hormonpräparate sollen gegen fettiges Haar, unreine Haut und Übergewicht helfen, behaupten die Hersteller. Und das tragen Mädchen und junge Frauen eifrig per Mund-zu-Mund-Propaganda weiter. Derartige Versprechungen treiben die Zahl der Anwenderinnen in die Höhe und wirken als Anreiz für Pharmafirmen, immer wieder neue Präparate zu entwickeln und um weibliche Gunst und Geldbeutel zu buhlen.

Der Konzern MSD hat kürzlich eine weitere Antibabypille (Zoely®) auf den Markt gebracht. Sie enthält statt des üblichen synthetischen Östrogens Ethinylestradiol das körpereigene Estradiol und ist mit Nomegestrol – einem international unüblichen Gestagen – kombiniert. Zwar kann Frau mit dieser Pille ähnlich zuverlässig verhüten wie mit anderen niedrig dosierten Antibabypillen, aber Zwischenblutungen sind häufig und eine Abbruchblutung (sie entspricht zeitlich der Regelblutung) bleibt oft mals aus. Insgesamt sind unerwünschte Effekte wie Akne und Gewichtsprobleme häufiger als bei den problematischen Antibabypillen mit Drospirenon (GPSP 3/2011, S. 4), mit denen Zoely® in Studien verglichen wurde. Und wie groß das Thromboserisiko ist, lässt sich den Studien bisher nicht entnehmen. Für Mädchen unter 18 Jahren fehlen Daten was Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Zoely® angeht gänzlich.2 GPSP rät deshalb zu besser erprobten Alternativen, Pillen mit Levonorgestrel und Ethinylestradiol (GPSP 1/2007, S. 6).


Quellen
1 Siehe auch Dokumentation auf ARTE „Die Pille und ich“ 24. April 2012
2 arznei-telegramm (2012) 43, S. 28
3 Informationsblatt vom Julius-Kühn-Institut: Eichenprozessionsspinner (Mai 2011) www.jki.bund.de/fileadmin/dam_uploads/_veroeff/faltblaetter/Eichenprozessionsspinner.pdf
4 Arzneiverordnung in der Praxis (2012) 39, S. 22
5 www.kbv.de/publikationen/40769.html
6 Robert-Koch-Institut (2012) Yersiniose – Risikofaktoren in Deutschland. Epidemiologisches Bulletin Nr. 6, S. 47 http://edoc.rki.de/docviews/abstract.php?lang=ger&id=1837
7 Bundesinstitut für Risikobewertung (2012) BfR-Presseinformation Nr. 11 www.bfr.bund.
de/de/presseinformation/2012/11/hackepeter_ und_rohes_mett_sind_nichts_fuer_kleine_ kinder_-129122.html


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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