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© ananaline/iStock

Kriminelles Pharma-Marketing

Milliardenstrafen in den USA

Binnen fünf Jahren – von 2006 bis 2010 – haben Arzneimittelfirmen in den USA insgesamt 14,8 Milliarden US$ Strafe zahlen müssen, weil sie über Arzneimittel und ihre Wirkungen falsch informiert oder bei den staatlichen Fürsorgeeinrichtungen falsche Angaben zu den Kosten gemacht haben. Zu den Pharmaunternehmen, die am meisten Strafe zahlen mussten, gehören neben Pfizer mit 2,3 Mrd. US$ Strafe auch Eli Lilly und Merck & Co. (MSD). Lilly hat bei dem Psychopharmakon Zyprexa® (Olanzapin) Informationen über Störwirkungen unterdrückt, etwa das Risiko an Diabetes mellitus zu erkranken und lebensbedrohliche Überzuckerung. Der Konzern musste dafür 1,4 Mrd. US$ Strafe zahlen und betroffene Patienten mit 4,6 Mrd. US$ entschädigen. Für MSD, den Anbieter des 2004 wegen Herzschädlichkeit vom Markt gezogenen Schmerzmittels Vioxx® (Rofecoxib; GPSP 3/2006, Seite 12), belief sich die Strafe auf 650 Millionen US$. Die Firma musste Patienten mit 4,85 Mrd. US$ entschädigen, weil sie bei ihrem Marketing das Risiko von Herzinfarkten nicht klar dargestellt hatte. Während in den USA die Pharmaunternehmen also für Täuschungen beim Marketing zur Kasse gebeten werden, greift das deutsche Haftungsrecht in diesen Fällen nicht, obwohl es hierzulande die gleichen Fehlinformationen mit schweren Folgen für Patienten gibt.6

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 01/2012 / S.09