Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2008 / 01 S. 08a

Kurz und knapp:

Ist Werbung wichtiger als Forschung?

Ein beliebtes Argument für die oft exorbitant hohen Preise neuer Medikamente sind die angeblich hohen Forschungskosten. Eine immer wieder genannte Zahl besagt, die Entwicklung eines neuen Medikaments koste 800 Millionen US$.1

Diese Zahl ist viel zu hoch gegriffen, realistisch sind maximal 250 Millionen US$.2

Wie viel Geld Firmen dafür ausgeben, Ärzten und Patienten neue Pillen schmackhaft zu machen, gehört dagegen zu den am besten gehüteten Geschäftsgeheimnissen. Zwei kana­dische Forscher haben nun die Werbeausgaben der US-Industrie anhand von unterschiedlichen (teilweise nur schwer zugänglichen) Quellen zusammengerechnet.3 Ergebnis: Allein in den USA gaben die Arzneimittelhersteller 2004 57,5 Milliarden US$ für Werbung aus, für Forschung dagegen nur rund halb so viel (31,5 Milliarden US$).

Ein Teil dieser Werbeausgaben wird gut versteckt: Ist ein Medikament bereits auf dem Markt, dienen viele Studien nicht dem Gewinn neuer Erkenntnisse. Vielmehr sollen Ärzte an die Verschreibung der neuen Mittel „gewöhnt“ werden. Sie sollen Patienten auf das neue Präparat umstellen. Drei Viertel solcher „Studien“ werden deshalb auch nicht von der Forschungs- sondern von der Marketingabteilung der Hersteller verantwortet. Trotzdem wird die Gesamtsumme in der Regel von den Firmen unter Forschungskosten verbucht.


Quellen
1    www.vfa.de/de/wirtschaft/artikelwi/wozu_patentschutz.html
2    Was kostet Pharmaforschung wirklich? Pharma-Brief Spezial 2/2005, S.
3    Gagnon, Lexchin (2008) The Cost of Pushing Pills. PLoS Medicine (5) 1: e1
4    arznei-telegramm, 2007, 38, 106
5    Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (19.12.2007)
6    BfR Stellungnahme Nr.49/2007: Kosmetika können wesentlich zur
      Gesamtaufnahme von Cumarin beitragen, 11 Seiten
7    http://scientificsessions.americanheart.org/portal/scientificsessions/ss/
      newsrelease11.06.07K; www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=30370
8    Mayer, J.G. et al. : Handbuch der Klosterheilkunde (München 2002)
9    Stevinson, C. et al: Ann Int Med 2000 ; 133 : 420-429
10  Gardner, C.D.: Arch Intern Med 2007; 167: 346-353
 


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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