Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2011 / 03 S. 06

Hautkrebs vorbeugen

Sonnencreme allein reicht nicht

Die Verkaufszahlen von Sonnencremes steigen. Dennoch nehmen Erkrankungen an Hautkrebs seit Jahren zu. Wir tun also nicht genug – weder für den Erhalt der Ozonschicht, die einen Teil der krebsauslösenden Ultraviolett (UV)-Strahlen abfängt, noch für den persönlichen Schutz der Haut vor zu intensiver Sonnenstrahlung.

Wer speziell in der Mittagszeit direktes Sonnenlicht meidet, hat bereits viel gewonnen. Je kürzer der Schatten ist, desto kürzer sollte der Aufenthalt in der Sonne sein (GPSP 4/2006, S. 8). Am besten ist es, sich in den Sommermonaten – in (sub-) tropischen Regionen ganzjährig – zwischen 11 Uhr und 15 Uhr im Schatten oder Innenräumen aufzuhalten. Auch lichtdichte Kleidung und ein breitkrempiger Sonnenhut oder eine Kappe mit Schirm und Nackenschutz halten die Strahlung ab. Besonders wichtig ist dies für kleine Kinder, die etwa in der Mittagssonne nicht nackt am Strand spielen sollten. Sonnenlicht schädigt ihre dünne Haut noch eher als die von Erwachsenen.

Lichtschutzmittel verringern das Sonnenbrandrisiko. Die Präparate helfen zugleich, sich vor langfristigen bösartigen Hautschäden durch UVStrahlen zu schützen. Dass dies auch für den besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs (Melanom) gilt, bestätigt eine soeben veröffentlichte Langzeitstudie. Sie wurde im australischen Queensland durchgeführt – der Region mit dem weltweit höchsten Hautkrebsrisiko. Das Erfreuliche: Menschen, die sich dort jahrelang täglich Kopf und Arme mit einem Lichtschutzmittel (mindestens Faktor 15) eingecremt hatten, entwickelten nur halb so häufig Melanome wie Menschen, die nur ab und zu Sonnencreme benutzten.1 Das Ergebnis signalisiert aber auch, dass Lichtschutzmittel keinen hundertprozentigen Schutz vor gefährlichen Langzeitfolgen bieten und für die Gesunderhaltung der Haut nur ein Baustein sind.

Unsere Haut hat ein langes „Gedächtnis“. Je nach Hauttyp verursachen ultraviolette (UV) Strahlen früher oder später eine sichtbare Hautalterung – oder eben Schlimmeres. Mit knapp einer Viertelmillion neuer Hautkrebserkrankungen pro Jahr – darunter etwa 25.000 bösartige Melanome – wird in Deutschland gerechnet. Betroffen sind vor allem Körperstellen, die besonders häufig dem Licht ausgesetzt sind: Nase, Ohren, Scheitelregion oder Glatze sowie Hände und Unterarme.

Die Empfindlichkeit ist individuell sehr unterschiedlich und hängt vom Hauttyp ab. Hellhäutige Menschen mit Sommersprossen und blonden oder hellroten Haaren „verbrennen“ bereits nach zehn Minuten in der Sommersonne. Lichtschutzmittel sollten in Abhängigkeit vom Hauttyp genügend starke UV-Filter haben: je heller die Haut, desto höher der Faktor! Er ist für die mittelwelligen UV-B-Strahlen berechnet, die Sonnenbrand auslösen und an der Hautkrebsbildung beteiligt sind. Lichtschutzpräparate absorbieren heutzutage auch einen geringen Teil der längerwelligen UV-A-Strahlen, die tiefer in die Haut eindringen und sie altern lassen.

Bei mäßig empfindlicher Haut sind Produkte mit Lichtschutzfaktoren (LSF) von 15 bis 20 in der Regel eine gute Wahl. Der Faktor gibt an, wie viel mal länger man sich in der Sonne aufh alten kann als dies ohne UV-Filter möglich wäre, bevor ein Sonnenbrand entsteht. Lichtschutzpräparate mehrfach am Tag aufzutragen ist wichtig, denn Schwitzen, Kontakt mit Kleidung, Baden und anschließendes Abtrocknen mindern ihre Wirksamkeit.2 Auch wenn auf der Packung versprochen wird, dass ein Mittel wasserfest ist, sollte man sich nach dem Baden erneut eincremen oder einsprühen. Sonnenschutzmittel werden leider oft viel zu dünn aufgetragen.

Lichtschutzmittel haben aber auch ihre Schattenseiten. Da sind brennende Augen, wenn um die Augen herum gecremt wurde, noch relativ harmlos. Hautreizungen oder allergische Reaktionen können auf Konservierungsmittel oder Emulgatoren beruhen, aber auch auf zugesetzten Duftstoffen. Auch die UV-Filtersubstanzen selbst können Kontaktekzeme oder andere Unverträglichkeiten auslösen. Lichtschutzmittel werden inzwischen so häufig verwendet, dass sich die UV-Filter im Wasser von Schwimmbädern und Badeseen – und sogar in Fischen – nachweisen lassen.

Je heller der Hauttyp ist und je stärker die Sonne scheint, desto wichtiger ist es, sich vor den UV-Strahlen der Sonne zu schützen. Das A und O: im Schatten aufhalten und lichtdichte Kleidung tragen. Zusätzlich entlasten Lichtschutzmittel die Haut. Sie müssen dick genug und meist wiederholt am Tage aufgetragen werden.


Quellen
1 Green AC et al.(2011) J. Clin. Oncol.; 29, S. 257
2 z.B. test 6/2011, S. 73

 

 



Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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