Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2013 / 03 S. 18a

Glosse:

Männerchor

„DIE Gynäkologische“ oder „Der GynäkologIn“ oder ganz neutral „Das GynäkoLOG“ das wären für die deutsche Fachzeitschrift in Sachen Frauenheilkunde jetzt mal ein paar neue Titelvorschläge – inspiriert von der Kreativ-Szene und irgendwie gendergerechter als „Der Gynäkologe“. Solche Titel wären echt innovativ und sogar der Zeit voraus. Zukunftsweisend! Denn, die Quotendiskussion hat zwar nach den Journalistinnen1 längst die Medizinerinnen2 erreicht – aber noch nicht die medizinischen Fachverlage. Die sind irgendwie im letzten Jahrhundert stecken geblieben.

Klar, der Thieme Verlag gibt sich progressiv: Seit 2012 hat er XX Die Zeitschrift für Frauen in der Medizin im Sortiment. Aber darum geht es doch nicht. Das ist ein nettes Ablenkungsmanöver, ein Laufstall für die „Schietbüddel“.3 Bitte stöhnen Sie jetzt nicht: „Ach, die Quote!“ oder „Das sind doch nur die Titel.“ Wenn Sie wüssten, wie typische Herausgebergremien zusammengesetzt sind4 … (Auflösung am Schluss.)


Doch wir lassen hier mal das Argumentieren und zitieren nur noch, ohne Kreativvorschläge und ohne Kommentar. Unter den Fachzeitschriften mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen wie „der“ und „die“, „Arzt“ und „Ärztin“ hat Thieme wenig Imposantes zu bieten: Die Hebamme und sonst nur Der Notarzt, Der Nuklearmediziner, Klinikarzt. Vor allem der wissenschaftliche Springer Verlag, der muss sich was einfallen lassen, der hat einen reinen Männerchor: Der Anästhesist, Der Chirurg, Der Diabetologe, Der Freie Zahnarzt, Der Gastroenterologe, Der Gynäkologe, Der Hautarzt, Der Internist, der junge zahnarzt (doch noch ein Kommentar: so jung, so progressiv klein geschrieben – aber ganz männlich), Der Kardiologe, Der MKG-Chirurg, Der Nervenarzt, Der Neurologe & Psychiater, Der Onkologe, Der Ophthalmologe, Der Orthopäde, Der Pathologe, Psychotherapeut, Der Radiologe, Der Unfallchirurg, Der Urologe, Zahn Arzt.


Kleine Statistik: Unter 113 Springer-Medizin-Zeitschriften tragen 22 ein männliches Geschlechtsmerkmal. 0 von 22 sind als weiblich identifizierbar. Macht 0 Prozent. Und nun noch ein Wort zu den Herausgebern bei „Der Gynäkologe“. Es gibt da eine Quotenfrau, die Marion. Ansonsten: Wolfgang, Günter, Peter, Walter, Rolf, Olaf, Thomas und den Klaus gleich dreimal. Das macht weniger als 10 Prozent Frau. Aller Anfang ist schwer …


Quellen
1 www.pro-quote.de/
2 http://pro-quote-medizin.de/
3 Norddeutsch für den Hosenscheißer („Krabbel kind“)
4 Bei GPSP übrigens auch



Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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