Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2011 / 06 S. 11b

Glosse:

Der Deal

Schweizer Pharmariesen Roche der Gedanke verfestigt haben, dass es den deutschen Kliniken finanziell total schlecht geht. Vielleicht wollten sich die Manager auch endlich nicht mehr anhören müssen, dass ihr profitables Medikament gegen Krebs zwar im Monat tausende Euro verschlingt, aber Krebskranken oft nur wenig Nutzen bringt: Das Leben verlängert sich – wenn überhaupt – höchstens um wenige Wochen, und die sind leider nicht schön.1

Jedenfalls hatte irgendein Marketingstratege die Idee, zu machen, was doch so Viele machen: Eine Geldzurück- Garantie ausloben, für den Fall, dass das Produkt die Erwartungen nicht erfüllt.2 Damit lassen sich ja auch sonst zögerliche Menschen dazu hinreißen, etwas Unbekanntes auszuprobieren: die jüngste Joghurtkreation, einen Epilierer, den Yachtbootführerschein. Warum also nicht bei einem Mittel wie Bevacizumab (Avastin®), das gegen mehrere Krebserkrankungen im fortgeschrittenen Stadium helfen soll, mit einem Garantieversprechen locken. Mit einem 100prozentigen Rabatt.

Bleibt der versprochene Therapieerfolg aus, so die Idee des „Pay-for- Performance“ getauften Vertrags von Roche, fließen die Arzneikosten an die Klinik zurück. An die Klinik? Klar, denn dort hat man das Mittel ja eingesetzt, findet Roche. Dass eigentlich die Krankenkassen – und damit die Gemeinschaft der Versicherten – es bezahlt haben, stört Roche nicht weiter. Die Firma weiß doch, wer wirklich am Tropf hängt: die Kliniken. Störenfriede dieser schönen Regelung gibt es natürlich immer. Die reden böswillig von einer Einladung zum Missbrauch und unken, dass womöglich Patienten mit Bevacizumab behandelt werden, denen das gar nicht nützt – der Klinik nützt es in jedem Fall.


Quellen
1 GPSP 4/2009, S. 12-13 Interview zu den neuen teuren Krebsmedikamenten
2 arznei-telegramm 20011, Bd. 42, S. 83-84


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