Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2010 / 03 S. 16b

Glosse:

Alles Banane! Alles clever!

Im März hat der Trias Verlag fürsorgenden Müttern und Vätern just im richtigen Moment – nämlich nach den Halbjahreszeugnissen und vor den alles entscheidenden Klassenarbeiten – ein passendes Geschenk gemacht. Einen Ratgeber mit dem wirklich cleveren Untertitel „Fit für die Schule: Clevere Ernährung für gute Noten.“ Wie schön und clever, dass auch die Presseankündigung Buchhändler und Rezensenten mit der Nase auf das Problem stößt: „Ist ein Kind häufig unkonzentriert, kann das auch an falscher Ernährung liegen.“ Also, da muss nur das Richtige auf den heimischen Tisch!

Und während gegen Lernunlust bekanntlich kein Kraut gewachsen ist, gibt es für die grauen Zellen … zum Beispiel die Banane. Diese liefere „auch fürs Gehirn wichtige Mineralstoffe“ hat die Ernährungswissenschaftlerin Astrid Laimighofer in ihren PC getippt. Als Mutter dreier Kinder wird sie schon wissen, was Eltern brauchen: „ Sie erfahren, was Sie ganz konkret ernährungstechnisch tun können, um Ihrem Kind zum Erfolg zu verhelfen“. Und wenn’s dann trotzdem in die Hose geht? Da hatten Köchin oder Koch eventuell zu selten Rezepte aus Laimighofers Ratgeber gewählt.

Vielleicht hatten die Eltern auch schusselig gearbeitet – beim Vitamin-Check oder beim Ernährungsprotokoll, das der Ratgeber empfiehlt. Oder sie haben einen dieser „Schlaufuchs-Tipps“ nicht befolgt. Etwa den, zur besseren Eisenversorgung dem Sprössling Haferflocken mit O-Saft zu reichen: „Sie unterstützen damit die Sauerstoffversorgung des Gehirns, dann klappt es mit den Hausaufgaben gleich besser.“ Klar! Sieht man doch schon auf dem Cover. Wer clever kocht, der hat auch Aussicht auf einen erfolgreichen Sohnemann – einen feschen, strubbelköpfigen Einstein mit extralanger Zunge.


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