Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2012 / 05 S. 15a

Gepanschtes:

Tod aus dem Internet

Gleich zweimal innerhalb von drei Monaten warnte die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA vor einem angeblich natürlichen Nahrungsergänzungsmittel, das gegen Muskel- und Gelenkschmerzen verkauft wurde. Bei der Behörde waren dutzende Meldungen eingegangen, die Reumofan Plus Premium mit vielerlei Nebenwirkungen in Verbindung brachten, sogar mit schweren Blutungen, Schlaganfall und Tod. In dem harmlos erscheinenden Mittel fanden FDA-Wissenschaftler bei der Überprüfung starke Arzneistoffe wie das Kortikoid Dexamethason (Fortecortin® u.a.) und das Schmerz- und Rheumamittel Diclofenac (Voltaren® u.a.). In Deutschland dürfen seit den 1980er Jahren solche Bestandteile wegen gefährlicher unerwünschter Wirkungen nicht mehr in einem Arzneimittel kombiniert sein.

Der Fund ist wieder einmal ein krasses Beispiel für die Skrupellosigkeit mancher Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln, die ihre Panschereien im Internet vermarkten.

Anders als in den USA wird in Deutschland – aufgrund der föderalen Strukturen – allenfalls auf regionaler Ebene über gepanschte Produkte informiert. So warnten im August Schleswig-Holstein vor Viamax Pure Power und Rheinland- Pfalz vor Golden Root Complex, die beide mit dem chemischen erektionsfördernden Sildenafil (Viagra®) gepanscht waren, zum Teil sogar mit mehr Wirkstoff als in Arzneimitteln erlaubt ist.

Wir warnen vor der Bestellung von angeblich fantastisch wirkenden Nahrungsergänzungsmitteln, die im Internet aus Quellen außerhalb von Deutschland und benachbarten Staaten angeboten werden. Käufer riskieren erhebliche Gesundheitsschäden. Die Internetdatenbank von GPSP „Gepanschtes“ nennt aktuell mehr als 830 Risiko-Produkte. Zeitgleich mit dieser GPSP-Ausgabe haben wir 11 Produkte neu in unsere Datenbank aufgenommen (www.gutepillenschlechtepillen.de → Gepanschtes).


Neu gefundene gepanschte Produkte

Extra Strength Instant Hot Rod, Golden Root Complex, Libidron, Lightning Rod, Stree Overlord, Viamax Pure Power, X-Rock 3 Day Pill For Men, Z-Rock

Bei diesen angeblich rein pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, die eine Erektion fördern sollen, wurden bei chemischen Analysen nicht auf der Packung deklarierte verschreibungspflichtige chemische Wirkstoffe entdeckt: Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) und/oder einer ihrer chemischen Varianten, deren Wirkungen und unerwünschte Effekte niemals systematisch bei Menschen geprüft worden sind. Sie einzunehmen kann die Gesundheit erheblich schädigen. Bei Herzkranken und Patienten, die gegen Angina pectoris Nitrate wie Isosorbiddinitrat (ISDN) benötigen, können solche nicht deklarierten – also verheimlichten – chemischen Bestandteile beispielsweise den Blutdruck lebensbedrohlich stark abfallen lassen.

Reumofan Plus Premium

In diesem als „natürlich“ und als „100% frei von Hydrocortison“ propagierten Nahrungsergänzungsmittel, das bei Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Osteoporose u.a. nützlich sein soll, fielen bei Überprüfung im Labor drei stark wirksame und zudem verschreibungspflichtige Wirkstoffe auf: das Kortisonderivat Dexamethason (Fortecortin® u.a.), das mehr als 25-mal stärker als Hydrocortison wirkt, das Rheuma- und Schmerzmittel Diclofenac (Voltaren® u.a.) sowie das veraltete und müde machende muskelentspannende Methocarbamol (Ortoton® u.a.). Kombinationen, die sowohl ein Kortikoid wie Dexamethason als auch ein Schmerzmittel wie Diclofenac enthalten, sind – unter anderem wegen der Gefahr, den Magen-Darm-Trakt stark zu schädigen – in Deutschland seit den 1980er Jahren verboten.

Vine Essence Pillen

In diesem Nahrungsergänzungsmittel wurde bei der Überprüfung der Inhaltsstoffe das Schwermetall Blei und das Schmerzmittel Paracetamol (ben-u-ron®) entdeckt. Blei gefährdet insbesondere Kinder, Schwangere und stillende Frauen. Die Paracetamolmengen waren zwar gering, können jedoch bei Menschen mit Paracetamol-Allergie zum Problem werden.

Fu Fang Jiaonang

Prüfer fanden in diesem gegen Angst oder Schlafstörungen angebotenen Nahrungsergänzungsmittel den Stoff L-Tetrahydropalmatin. Bereits nach zwei Wochen kann diese chemische Substanz die Leber und andere Organe schädigen.



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