Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2007 / 02 S. 12

Gefahr aus dem Internet

Gefälschte Produkte

In GPSP 6/2006 warnten wir vor Nahrungsergänzungsmitteln aus dem Internet, die verfälscht oder mit Schadstoffen belastet sind. Inzwischen liegen neue Berichte über gefährliche Produkte vor. Auch gefälschte Arzneimittel werden im Internet angeboten.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die Warnung vor Lida Kapseln (auch vertrieben als Miaozi und Darling Tian Ran Jian Fei) erneuert.1 Das Mittel enthält den rezeptpflichtigen Appetithemmer Sibutramin (Reductil®), ohne dass dies auf der Packung angegeben wird. Das Zollfahndungsamt Frankfurt am Main hat bislang mehr als 1,3 Millionen Lida Kapseln sichergestellt.

Auch bei Arzneimitteln ist die Gefahr groß, bei Bezug über das Internet gefälschte Produkte zu erhalten. Das BfArM mahnt, Arzneimittel nur aus seriösen Quellen zu beziehen.2 Dazu gehören auf jeden Fall die deutschen Apotheken.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnte vor kurzem, dass einige verschreibungspflichtige Schlaf- und Beruhigungsmittel, die über das Internet verkauft werden, mit einem stark wirkenden Mittel zur Behandlung der Schizophrenie verunreinigt waren.3 Ein deutsches Labor hat jetzt 14 Lieferungen des Haarwuchsmittels Finasterid (Propecia®) überprüft. Die Präparate wurden bei Internetanbietern bestellt, deren Internetseiten für Fachleute bereits auf unseriöse Geschäftspraktiken hindeuteten. Sechs Präparate erwiesen sich als Fälschungen: Trotz identischer Wirkstoffbezeichnung oder Handelsnamen stimmten Inhalt und Qualität nicht mit dem Original überein. Alle für diese Untersuchung über das Internet bezogenen Arzneimittel waren illegal. Und nicht nur das: Die Präparate waren zum Teil teurer als in der Apotheke. Vorkasse per Kreditkarte bedeutet zudem ein finanzielles Risiko. Ein Anbieter hielt den reklamierenden Kunden so lange hin, bis es nicht mehr möglich war, das abgebuchte Geld zurückzufordern.4

Neu gefundene gepanschte Produkte:

Detox Peptide, Miaozi, Slim, Qing Zhi

Verbotene und verheimlichte Beimischung des verschreibungspflichtigen appetithemmenden Mittels Sibutramin (Reductil®)

Embrun de mer

Verunreinigung durch Bakterien

Ehanix, Jolexi, Kang Da, Liviro 3, Onyo, Platinum Power 58, Power 58, V.Max

Verbotene und verheimlichte Beimischung von verschreibungspflichtigen erektionsfördernden Mitteln (Acetildenafil, Aminotadalafil, Sildenafil [Viagra®], Tadalafil, [Cialis®])

Eden Herbal Sleep Ease, Sleepees

Verbotene und verheimlichte Beimischung des verschreibungspflichtigen Schlafmittels Estazolam

Quellen
1 BfArM: Pressemitteilung vom 11. Dez. 2006: BfArM erneuert Warnung vor LIDA-Schlankheitskapseln
2 BfArM: Pressemitteilung vom 5. März 2007: BfArM rät: Internet-Angebote für Arzneimittel sorgfältig prüfen
3 FDA News, 16. Febr. 2007
4 Tawab, M. et al.: Pharm. Ztg. 2007; 152: 642-5


GEPANSCHTES

Gepanschtes-Button-B272px

Heft-Archiv


Titelbild dieser Ausgabe


Geschenk-Abo

GPSP_Geschenk-Abo_2015-300px

Spenden

Unsere Informationen gefallen Ihnen?
SpendenWenn Sie Gute Pillen – Schlechte Pillen mit einer Spende unterstützen, hilft uns das, unabhängig und werbefrei zu sein. GPSP ist gemeinnützig. Spenden sind steuerlich absetzbar: Spendenportal.de