Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2013 / 02 S. 27

Gepanschtes:

DMAA in Nahrungsergänzungsmittel

Zwei US-amerikanische Soldaten erlitten während einer Übung einen Herzinfarkt. Sie hatten ein Dimethylamylamin (DMAA)-haltiges Produkt eingenommen.1 Welche Rolle DMAA dabei gespielt hat bleibt zwar offen, allerdings steht der auch in Sportlerprodukten enthaltene Stoff unter Beobachtung: Über 40 schwere unerwünschte Wirkungen wurden mit der Einnahme in Verbindung gebracht.2 Bedenklich erscheint uns daher, dass DMAA auch in einem Nahrungsergänzungsmittel entdeckt worden ist, ohne dass es auf dessen Packung deklariert war.

Bekannt ist, dass DMAA in Kombination mit Koffein längerfristig den Blutdruck dauerhaft erhöhen und das Herz-Kreislauf-System schädigen kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bezeichnet den Kenntnisstand über die gesundheitlichen Auswirkungen von DMAA als „lückenhaft“. Menschen mit erhöhtem Blutdruck und anderen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sollten auf keinen Fall DMAA-haltige Produkte schlucken.3 Doch wie sollen sich Verbraucher und Verbraucherinnen schützen, wenn Lebensmittel – und dazu gehören rein rechtlich die Nahrungsergänzungsmittel – mit DMAA gepanscht sind?

Regelmäßig warnt GPSP davor, dass im Internet angeblich rein pflanzliche Mittel mit stark wirkenden chemischen Wirkstoffen gepanscht sind. Unsere erneut aktualisierte Internetdatenbank „Gepanschtes“ nennt aktuell mehr als 900 riskante Produkte. Zeitgleich mit dieser GPSP Ausgabe haben wir elf weitere Produkte in unsere Datenbank aufgenommen (www.gutepillen-schlechtepillen.de → Gepanschtes).

Neu gefundene gepanschte Produkte
 

KaBaNa L-Carnitine 360 Slimming Coffee*, Maxiloss, NanFangYiRen Slimming Coffee Pure Taste (Perfect Figure)*

In diesen angeblich natürlichen Produkten zum Abnehmen wurde der appetithemmende Wirkstoff Sibutramin (Reductil®) entdeckt, der in Europa wegen Herz-Kreislauf-Schädlichkeit seit Anfang 2010 verboten ist. In den mit einem Sternchen (*) gekennzeichneten Produkten wurden zusätzlich Koffein nachgewiesen. Beide chemischen Wirkstoffe waren nicht auf der Packung genannt.

Brazil Perfect Reducing Fat Coffee*, S-organic Cocoa+L-carnitine, ZiRanTang Slimming Breakfast Slimming Biscuit & Brazil Black Coffee*

Prüfern fiel in diesen angeblich natürlichen Produkten zum Abnehmen zwei stark wirksame chemische Bestandteile auf, die nicht deklarierte waren: den appetithemmenden Wirkstoff Sibutramin (Reductil®), der in Europa wegen Herz-Kreislauf-Schädlichkeit seit Anfang 2010 verboten ist, und das Abführmittel Phenolphthalein, das in Deutschland schon seit Jahren aus dem Handel ist. Es kann Krebs auslösen.

18 Again, Night Bullet, Stiff 4 Hours, Super Power

Bei diesen angeblich pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, die eine Erektion fördern sollen, stießen amtliche Prüfer auf die verschreibungspflichtigen Wirkstoffe Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) oder einen ihrer chemischen Varianten, deren Wirkungen auf Menschen niemals systematisch untersucht worden ist. Belegt ist aber, dass bei Herzkranken und Patienten, die gegen Angina pectoris (GPSP 2/2013 S. xy) Nitropräparate wie Isosorbiddinitrat (ISDN) einnehmen, solche nicht deklarierten – also verheimlichten – Substanzen lebensbedrohlich sein können. Sie können beispielsweise in dieser Kombination den Blutdruck drastisch abfallen lassen.

Muscletech Hydroxystim Kapseln

In diesem Nahrungsergänzungsmittel, das für Bodybuilder beworben wird, fand sich bei Kontrollen der stimulierende Wirkstoff Dimethylamylamin (DMAA). Gegen diesen Bestandteil bestehen erhebliche Sicherheitsbedenken. Er kann den Blutdruck erhöhen und potenziell das Herz-Kreislauf-System schädigen. Bereits in 2012 wurden mehr als 40 schwerwiegende unerwünschte Wirkungen in Verbindung mit DMAA berichtet, darunter mindestens zwei Todesfälle.


Quellen:
1 Dallas E (2012) Nothing Natural About Dietary Supplement DMAA. MedlinePlus 25. Juli
2 Gregory PJ (2013) JAMA Intern. Med.; 173, S. 164
3 BfR (2012) Gesundheitliche Bewertung von 1,3-Dimethylamylamin (DMAA) als Inhaltsstoff von Produkten, die als Lebensmittel in Verkehr gebracht werden, Stellungnahme vom 31. Mai


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