Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2011 / 05 S. 05

Galgant – Wurzelstock mit Heilwirkung?

© Thomas Kunz

Es gibt wenig im Bereich der Pflanzenheilkunde, wofür Hildegard von Bingen nicht herhalten muss. Angeblich hat bereits sie Galgant als „Gewürz des Lebens“ gepriesen.1 In Asien ist der scharf schmeckende Wurzelstock Bestandteil vieler Gerichte. Eine unglaubliche Vielfalt an Heilwirkungen wird im Internet versprochen. Was ist dran an den Behauptungen?

Galgant ist ein Ingwergewächs. Verwendet wird sein Wurzelstock (Rhizom). Ursprünglich stammt Galgant aus dem Raum Südchina, Indien und Thailand. Heilwirkungen werden aus Tradition und Erfahrung abgeleitet. Wissenschaftliche Studien, die einen Nutzen belegen, haben wir nicht gefunden. Solche Studien sind in der Regel für traditionell verwendete Kräuter und Zubereitungen anderer Pflanzenteile ohnehin die Ausnahme. Anbieter nehmen zwar gerne auf traditionelle Anwendungen Bezug. Hinreichende „traditionelle“ Erfahrungen mit Galgant fehlen jedoch in unserem Kulturraum. Hinzu kommt, dass gerade bei der Behandlung von Störungen im Magen-Darm-Bereich von einem beträchtlichen Placeboeffekt auszugehen ist. Der wirkt vor allem zu Beginn der Einnahme und ist weitgehend unabhängig von der Art des verwendeten Mittels.

Galgant soll gegen alles Mögliche helfen. Neben Verdauungsbeschwerden soll der Wurzelstock beispielsweise auch bei psychisch bedingten körperlichen Störungen, bei Erregungszuständen, Einschlafstörungen, Erkältungskrankheiten und Fieber, bei Kopfschmerzen, Zyklusstörungen und Beschwerden in den Wechseljahren helfen. Die Angabe so vielfältiger Anwendungsmöglichkeiten halten wir für unseriös. Allheilmittel gibt es nicht. Angesichts der fehlenden Informationen raten wir davon ab, für Galgantpräparate Geld auszugeben.


Quelle
1 www.heilfastenkur.de/Galgant.shtml


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