Entstehungsgeschichte

Mit Wagemut und Enthusiasmus – oder wie GPSP entstand

Die Wiege eines der ungewöhnlichsten Zeitungsprojekte Deutschlands steht genau genommen in Dubrovnik. Dort am Mittelmeer wurde am Rande einer internationalen Fachtagung die Idee festgeklopft, eine unabhängige und werbefreie deutschsprachige Gesundheitszeitschrift zu gründen. Und zwar für ein Publikum ohne große medizinische Vorkenntnisse. Drei unabhängige Arzneimittel-Fachzeitschriften sollten die „Mutterzeitschriften“ dieser neuen Vierten werden:

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Mal kritisch gefragt:

Was war in die Verantwortlichen dieser „Mutterzeitschriften“ gefahren, die seit Jahrzehnten Fachleute mit sachlicher und industrieunabhängiger Information über Therapien versorgen?
Wie kam es zu der Entscheidung, allen Bürgerinnen und Bürgern, die an Gesundheitsthemen interessiert sind und gut vorbereitet in die Arztpraxis oder Apotheke gehen möchten, unabhängige Informationen anzubieten?

Welch’ Wagnis! Oder gar unternehmerischer Blödsinn?

Eins ist klar: Auf dem Markt, wo jede dieser Fachzeitschriften viele Ärzte, Apotheker, Gesundheitswissenschaftler, Studierende der Medizin oder Angestellte in den unterschiedlichsten Institutionen informiert, konkurrieren arznei-telegramm®DER ARZNEIMITTELBRIEF und Pharma-Brief genau genommen um Leser und Leserinnen. Das sind Menschen, und das muss ausdrücklich betont werden, denen tagtäglich kostenfreie medizinische Publikationen ins Haus flattern. Und dann planen diese Konkurrenten noch eine Publikumszeitschrift, die sich nur über ihre Abonnenten und Abonnentinnen finanziert? Und genau wie die Fachzeitschriften soll sie ohne jegliche Werbung erscheinen?

Die Gründe

Vielleicht liegt der Schlüssel zur Beantwortung der Frage nach Sinn und Zweck des Unternehmens im Selbstverständnis dieser drei Fachzeitschriften. Denn sie haben sich immer als Korrektiv zu den Marketing-Informationen der pharmazeutischen Industrie verstanden. Sie wollen Ärzte und Ärztinnen stets darin unterstützen, für und mit ihren Patienten die jeweils bestmögliche Behandlung zu wählen.

 

Walter Thimme
Walter Thimme

Walter Thimme von DER ARZNEIMITTELBRIEF erinnert sich:

„Bereits als Klinikarzt in der Kardiologie hat es mich belastet, dass ich mit Patienten über schwierige Entscheidungen sprechen musste, obwohl sie selbst überhaupt nicht über Nutzen und Risiken der notwendigen Tabletten oder einem bevorstehenden Eingriff informiert waren. Über dieses Problem sprachen wir unter Kollegen oft. Denn Informationsbroschüren für Patienten gab es damals nur von der pharmazeutischen Industrie.“

 

 

Wolfgang Becker-Brüser
Wolfgang Becker-Brüser

Wolfgang Becker-Brüser, Herausgeber des arznei-telegramm®, weiß ganz genau:

„Schon als Student habe ich mich nicht damit abgefunden, dass Arzneimittel überteuert und die Preise verschiedener Hersteller nicht vergleichbar waren. Durch Rabattverträge ist heute die Situation noch unübersichtlicher geworden. Und wenig hat sich daran geändert, dass der Nutzen eines Präparats oft viel zu positiv dargestellt wird. Bei Ärzten wie auch ihren Patienten kommt daher oft nicht an, wie fraglich, nützlich oder risikoreich eine Behandlung tatsächlich ist.“

 

 

 

Joerg Schaaber
Jörg Schaaber

Jörg Schaaber, Chefredakteur des Pharma-Brief hat früh die katastrophalen Auswirkungen eines profitorientierten Arzneimittelmarktes erkannt:

„Durch die Beobachtung des Marketings von europäischen Pharmakonzernen in der Dritten Welt weiß ich seit Langem, wie rigoros diese Firmen am Gewinn orientiert sind. Von Verantwortung für Patienten und Patientinnen kann keine Rede sein, wenn dieselbe Firma in armen Ländern ohne funktionierende Überwachungsbehörden solche Medikamente verkauft, die sie bei uns wegen unerwünschter Wirkungen vom Markt nehmen musste. Überall auf der Welt ist es notwendig, dass unabhängigen Institutionen Kranke und Gesunde über Nutzen und Risiken von Therapien informieren.“

 

 

Sicherlich liegt der Schlüssel zur Beantwortung der Ausgangsfrage, wie nämlich die drei zusammenkamen, auch darin: Die Gründer von Gute Pillen - Schlechte Pillen sind mit ihren Fachzeitschriften schon lange Mitglieder der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Dieser Organisation gehört auch das Journal „Arzneiverordnung in der Praxis“ (AVP) an, das sich erst etwas später dem Gespann der drei Mutterzeitschriften anschloss. (Kurze Geschichte von GPSP)

 

Enthusiasmus! Auf die Plätze, fertig und los!

Der ISDB ist ein weltweites Netzwerk von Industrie-unabhängigen Arzneimittelzeitschriften aus über 40 Ländern. Es wurde 1986 gegründet. Man trifft sich alle drei Jahre auf einem Kongress. Und wer von diesen verantwortungsbewussten, eher pharmakritischen Fachleuten sich sonst nicht über den Weg läuft, der tut es an diesem Platz gewiss.
ISDB Logo neuGenau das passierte 1999 auch Jörg Schaaber und Walter Thimme. Beim ISDB-Treffen in Amsterdam diskutierten sie, warum die Patienteninformation in Deutschland so miserabel ist. Und dieses Unbehagen nahm dann beim nächsten ISDB-Treffen 2002 in Dubrovnik konkretere Formen an: Am Rande von Vorträgen und Diskussionen führte ein Spaziergang Walter Thimme und Wolfgang Becker-Brüser auf eine Aussichtsplattform. „Mit freiem Blick in die Ferne“, wie sich Walter Thimme erinnert. Den hat es wohl gebraucht.

Man hatte da ja diesen gewaltigen Schatz an Wissen in seinen Zeitschriften und Archiven. Doch wie sollten kranke und gesunde Männer und Frauen ohne Fachwissen davon profitieren? Unmöglich. Die Schlussfolgerung war: Wir müssen unsere Artikel umschreiben, sie für Laien lesbar machen, und eine eigenständige Zeitschrift gründen. Fertig war die Idee. Waghalsig und etwas euphorisch-naiv. Mit viel Enthusiasmus wurde sie jedoch vorangetrieben: lange Telefonate, flotte E-Mails und erste gemeinsame Besprechungen. Voller Elan!

Und dann war es wieder ein ISDB-Treffen, das den Stein ins Weiterrollen brachte. Denn 2003 debattierten die drei späteren Gründer von Gute Pillen - Schlechte Pillen mit anderen europäischen Vertretern des ISDB in Berlin über das Thema „Pharmakovigilanz“. Vigilanz meint Wachsamkeit, und die galt in diesem Fall den Schäden, die Arzneimittel leider auch mitunter anrichten.

 

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Den ISDB-Mitgliedern ging es insbesondere um Mängel bei der Überwachung solcher Risiken. Am Ende bündelten sie ihre Kritik an den Zuständen in der Berliner Deklaration zur Pharmakovigilanz. Und eine Forderung dieser Deklaration kann man durchaus als Aufforderung lesen, endlich Gute Pillen - Schlechte Pillen zu gründen. Im Wortlaut:

„Verbesserung der Patienteninformationen – Zu Beginn jeder Behandlung sind Patienten gründlich und unbeeinflusst von Fremdinteressen über Nutzen und Schaden der Behandlung zu informieren. Patienten sollten unabhängige Informationen über Arzneimittel zugänglich gemacht werden. 
Dies gilt auch für Krankenhauspatienten.
 Sprache und Darstellung solcher Informationen 
müssen auf Laienverständlichkeit geprüft sein.“

 

Wasserturm von Berlin-Steglitz
Wasserturm von Berlin-Steglitz

Zum Abschluss des Pharmakovigilanz-Treffen im Wasserturm von Berlin-Steglitz, dem Sitz des arznei-telegramm®, lud DER ARZNEIMITTELBRIEF zum Abendessen nach Berlin-Dahlem ein. Und da war es bereits beschlossene Sache, dass beide Zeitschriften gemeinsam mit dem Pharma-Brief aus Bielefeld ein deutschsprachiges Gesundheitsmagazin gründen.

Die erste GPSP-Ausgabe

 

Nr. 1 Oktober 2005
Nr. 1 Oktober 2005

Ab 2005 ging alles plötzlich ganz schnell: Es wurde die Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH gegründet, als Sitz der Redaktion wurde Bielefeld – also der Erscheinungsort des Pharma-Brief– festgelegt und der Berliner Westkreuz-Verlag kam als Kooperationspartner dazu. Ende 2005 konnte dann bereits die erste zwölfseitige Ausgabe von Gute Pillen - Schlechte Pillen (GPSP) gedruckt, der Presse vorgestellt und versendet werden.

 

 

Seither hat sich viel getan: Nicht nur ist das ebenfalls werbefreie und unabhängige Bulletin „Arzneiverordnung in der Praxis“ zu Gute Pillen - Schlechte Pillen gestoßen, es hat auch viel Anerkennung für die Mitglieder der Redaktion gegeben:

 

2008 wurde Jörg Schaaber vom Pharma-Brief zum ISDB-Präsidenten gewählt, nun ist er schon in der zweiten Amtszeit.

 

2011 gab es gleich drei Ehrungen für die unabhängige Arzneimittelinformation. Dietrich von Herrath nahm die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland entgegen, Wolfgang Becker-Brüser erhielt das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland am Bande, und Walter Thimme wurde mit der Georg-Klemperer-Medaille geehrt.

 

Die Fortentwicklung

 

Nr. 5 Sept./Okt. 2007
Nr. 5 Sept./Okt. 2007

Veränderungen gab es im Erscheinungsbild von Gute Pillen - Schlechte Pillen: 2007 entschied sich das Redaktionsteam für einen Relaunch mit vier zusätzlichen Seiten und leserfreundlicherer Aufmachung. Und das Angebot auf den GPSP-Internetseiten wurde erweitert.

 

 

Nr. 6 Nov./Dez. 2012
Nr. 6 Nov./Dez. 2012

Nach einer Leserbefragung mit vielen positiven, ermunternden Rückmeldungen hat sich das GPSP-Team nochmals für einen gewagten Sprung entschieden: Ab Heft 6 in 2012 erhalten unsere Leser und Leserinnen statt 16 Seiten nun 28 Seiten – mit mehr Artikeln und großer Themenvielfalt: von Alzheimer-Demenz über Grippemittel und künstlichen Hüftgelenken bis hin zu erfolgreichem Rauchstopp. Vor allem erscheint GPSP in neuem Layout, damit das Blättern und Lesen mehr Spaß macht. Denn gut recherchierte Informationen lassen sich nicht durchweg als leichte Lesekost servieren.

 

Und GPSP entwickelt sich weiter: Während sich Walter Thimme von DER ARZNEIMITTELBRIEF und Wolfgang Becker-Brüser mit dem arznei-telegramm® sukzessive aus dem GPSP-Tagesgeschäft zurückgezogen haben, konnten wir anderseits das Team der Verantwortlichen, der Gastautorinnen und Gastautoren verjüngen und erweitern.

 

Schließlich wurde 2015 die Webseite von Gute Pillen - Schlechte Pillen flott gemacht, damit unsere Leser und Leserinnen dort bequemer das finden, was aktuell und für sie persönlich besonders wichtig ist. Und damit wir immer mehr junge Menschen erreichen – und sie etwa auf gefährliche Produkte aus dem Internet aufmerksam machen können – ist GPSP auch in den sozialen Medien, also bei Facebook, Twitter und Co., vertreten. Wer möchte, kann die Heftausgaben auch digital erhalten oder auf seinem Smartphone GPSP verfolgen.

 

Die Zielgruppe von GPSP sind nicht ausschließlich Gesunde und Kranke ohne medizinische Fachkenntnisse. Unsere Leserschaft ist weit gestreut: Ärzte und Apotheker zählen dazu, Journalisten als Multiplikatoren und neben Versicherungen auch die Industrie. Letztere macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass sie uns Klagen androht oder uns zwingt, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Wir freuen uns daher nicht nur über neue Abonnentinnen und Abonnenten, sondern auch über Spenden.

 

Unabhängige, kritische Arzneimittelinformation ist unsere Passion, aber ein heikles Geschäft.

 

Die GPSP -Gründer und ihre Mitmacher haben sich für Teamgeist entschieden: Bis heute trifft sich die Redaktion sechsmal im Jahr, um gemeinschaftlich festzulegen, welche, der bereits von allen gründlich bearbeiteten, Artikel ins neue Heft kommen. Bei diesen Redaktionstreffen werden die Bewertungen von Arzneimitteln, Therapien und Diagnoseverfahren abschließend ausführlich beraten. Dem gedruckten Heft und seiner Online-Version sieht man nicht mehr an, wie viel fruchtbarer Disput in ihm steckt, wie viele unterschiedliche Sichtweisen zum Tragen kommen, wie viele Textfassungen bearbeitet und zugespitzt wurden.

 

Kontakt:

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld
Tel. 0431 – 64 89 659
Redaktion@GP-SP.de
www.gutepillen-schlechtepillen.de

 

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEFarznei-telegramm®, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief.
Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB).
Herausgeber: Gute Pillen - Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

 

 


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