Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2011 / 03 S. 04

Empfängnisverhütung

Eine möglichst verträgliche Pille wählen

Seit April gibt es die „Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter“.1 Sie will auf das besondere Risiko von „Antibabypillen“ mit dem Gestagen Drospirenon aufmerksam machen, das in Aida®, Petibelle®, Yasmin®, Yasminelle® und Yaz® enthalten ist. Zwei neue Studien deuten jetzt darauf hin, dass die Gefährdung durch Blutgerinnsel bei Drospirenon-haltigen Pillen womöglich noch größer ist als bisher gedacht.

Lebensbedrohliche Blutgerinnsel (Thrombosen) und Verschlüsse von Blutgefäßen, zum Beispiel in den Beinen oder in der Lunge (Lungenembolie) sind eine seltene unerwünschte Wirkung von hormonellen Verhütungsmitteln. Von 100.000 Frauen, die Pillen mit Östrogen plus dem Gestagen Levonorgestrel (Präparate siehe Preistabelle) einnehmen, erkranken pro Jahr 20 an einer Venenthrombose. Bisher nahm man an, dass Pillen mit Östrogen und dem Gestagen Drospirenon das Risiko etwa auf das 1,6-Fache erhöhen – im Vergleich zu Präparaten mit Östrogen plus Levonorgestrel.

Zwei neue Studien, die britische Patientenakten beziehungsweise USamerikanische Versichertendaten ausgewertet haben und ohne Beteiligung von Hormonherstellern entstanden sind, lassen jetzt für Pillen mit Drospirenon sogar ein 2- bis 3-fach erhöhtes Risiko erkennen.2,3

Schwache Verteidigung

Der Hersteller Bayer versucht die Relevanz der neuen Ergebnisse herunterzuspielen. 4 Das Risiko von Thrombosen und Embolien sei „vergleichbar mit anderen empfängnisverhütenden Mitteln“. Bayer argumentiert mit von der Firma gesponserten Studien, die für Drospirenon günstig ausgefallen sind. Aufgrund schlechter Methodik, die beispielsweise Unterschiede zwischen verschieden zusammengesetzten Pillen verwischt, erachten wir diese Studien als nicht aussagekräftig. Die Werbung für empfängnisverhütende Pillen zielt stark auf den Beauty-Faktor ab. In vergleichenden Studien fand sich jedoch kein wesentlicher Unterschied beispielsweise zwischen Präparaten mit Levonorgestrel oder Drospirenon in Bezug auf Akne oder das Körpergewicht (vgl. GPSP 6/2009, Seite 3). Deshalb gibt es für Frauen keinen Grund, mit Drospirenon-haltigen Pillen unnötig ein zusätzliches Risiko einzugehen.

Pillen mit Östrogen und einem Gestagen verhüten alle etwa gleich zuverlässig. Wer mit der Pille verhüten möchte, sollte den Typ verwenden, der am seltensten Venenthrombosen verursacht. Und das sind Levonorgestrel-haltige Präparate mit geringen Östrogenmengen zwischen 20 μg und 30 μg Ethinylestradiol pro Tablette (siehe Kostenvergleich).


Quellen
1 www.risiko-pille.de
2 Jick SS, Hernandez RK (2011) BMJ; 342, S. d2151
3 Parkin L et al (2011) BMJ; 342, S. d2139
4 Bayer (2011) Bayer Affirms Benefit-Risk Profile of Its Oral Contraceptives, Pressemitteilung vom 21.4.2011
5 arznei-telegramm (2007) 38, S. 95

 

 



Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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