Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2006 / 02 S. 08

Contergan und die Folgen

Vor 50 Jahren bekamen tausende Frauen Kinder mit verkürzten Gliedmaßen und anderen Fehlbildungen. Sie hatten in der Schwangerschaft das als harmlos bezeichnete Schlafmittel Thalidomid (Contergan®) eingenommen. Diese Arzneimittelkatastrophe offen­barte, dass die Sicherheits­bestimmungen im Arzneimittelbereich völlig unzureichend waren. Damals wurden in Deutschland Medikamente von den Behörden noch nicht geprüft.

Erst nach dem Contergan-Desaster wurden weltweit Arzneimittelgesetze erlassen oder verschärft, um Ähnliches zu verhindern. Obwohl inzwischen unzählige neue Arzneimittel auf den Markt gekommen sind, gab es seither keine derartigen Arzneimittel­kata­stro­phen mehr, zu­min­dest was die Folgen der Behandlung mit Arzneimitteln in der Schwangerschaft angeht.

Auch die gerichtlichen Auseinandersetzungen um Contergan® haben Geschichte geschrieben. Zwar gab es keine Verurteilungen, da hierfür die gesetzliche Grundlage fehlte. Doch ist der Contergan-Einstellungsbeschluss des Landgerichts Aachen auch heute noch richtungsweisend, wenn der Verdacht besteht, dass Medikamente besondere schädigende Wirkungen haben. Das Gericht erachtete es grundsätzlich für erforderlich, dass der Arzneimittelhersteller bereits bei Verdacht auf Schädigungen handeln und Maßnahmen zur Risiko­abwehr treffen muss. Und zwar umso eher, je schwerer die möglicherweise arzneibedingten Schäden sind, je häufiger diese auftreten und je leichter ersetzbar die Produkte sind.a

Quelle
a     Landgericht Aachen: Contergan-Einstellungsbeschluss vom 18. Dez. 1970


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