Ausgabe Nr. 6 Nov./Dez. 2015

Editorial: Dr. Christian Wagner-Ahlfs
im Oktober 2005 erschien die erste Ausgabe von Gute Pillen - Schlechte Pillen (GPSP). Dass zuverlässige medizinische Informationen geschätzt werden, erfahren wir aus vielen Rückmeldungen unserer Leserinnen und Leser. Denn Sie wissen: GPSP hilft, unnötige Ausgaben zu vermeiden, guten Gewissens auf sinnlose Produkte zu verzichten und zeigt, dass sich so manch riskantes Medikament durch ein bewährtes, sicheres ersetzen lässt.
Kein Sturz … keine gebrochene Hüfte
Angeblich können Medikamente dafür sorgen, dass im Alter seltener das Hüftgelenk bricht. Eine neue Studie belegt aber, dass diese Art der Vorbeugung wenig nützt. Empfohlen werden vielmehr körperliche Bewegung, gesunde Ernährung und Verzicht auf Rauchen.
Darmbakterien in Aktion
Welche Rolle Darmbakterien für unsere Gesundheit spielen, ist derzeit ein heißes Thema in der Wissenschaft. Die Übertragung von Darminhalt – also die so genannte Stuhltransplantation – soll eine heilende Wirkung haben. Doch welche Bakterien im Darm positive und welche negative Effekte haben, steht weiterhin zur Debatte.
Engpässe bei Arzneimitteln
Ein Albtraum: Die dringend erforderliche Krebstherapie muss auf unbestimmte Zeit verschoben werden, weil ein bewährtes Krebsmittel, für das es keine Alternative gibt, nicht lieferbar ist. Oder eine notwendige antibiotische Therapie scheitert daran, dass die Klinikapotheke bereits seit Längerem auf die Lieferung des Präparats wartet. Szenen aus einem Entwicklungsland? Nein: Versorgungsrealität in Deutschland – oder besser gesagt Versagensrealität.
Gute alte Pillen: Thyroxin
Eigentlich stellen wir hier altbewährte Wirkstoffe vor, an die wir als Alternative zu neueren Medikamenten erinnern wollen – weil Neues nicht automatisch besser ist. Diesmal ist es anders: Zu Thyroxin gibt es keine Alternative, und es ist unverzichtbar.
Top Six: Die meistbesuchten GPSP-Online-Artikel August/Sept. 2015
Top Six: Die meistbesuchten GPSP-Online-Artikel August/Sept. 2015
Mein Name ist Hase …
Die meisten Entscheidungen zu neuen Arznei­mitteln werden von der Europäischen Union getroffen. Deshalb ist die Pharmaindustrie in Brüssel äußerst aktiv. Eine unabhängige Gruppe hat den Schleier über der Einflussnahme der Pillenlobby ein wenig gelüftet.
Kurz und knapp: Tattoos – Und tschüss?
Vor schlecht geprüften Tätowierungsfarben hat GPSP mehrfach gewarnt. Jetzt kommt die Rolle rückwärts: Weg mit dem Arschgeweih! Und wir müssen wieder warnen.
Kurz und knapp: Fingerring – Probleme mit Titan
Manchmal müssen Ärzte einen Fingerring zerschneiden, wenn etwa der Finger bedrohlich stark angeschwollen ist und der Ring sich mit Schmiermitteln und anderen Tricks nicht entfernen lässt. Normalerweise greifen Notfallmediziner in dieser Situation zu einem Ringschneider.
Kurz und knapp: Blutdruckmittel – Durchfall möglich
Dies ist ein Beispiel dafür, dass unerwünschte Wirkungen manchmal erst im Verlauf von Jahren auffallen. Denn das Bluthochdruckmittel Olmesartan ist bereits seit 10 Jahren am Markt, aber erst jetzt ist klar, dass es zu chronischem Durchfall und starkem Gewichtsverlust führen kann.
Kurz und knapp: Arzneibewertung – Unter Einfluss
Der weltweit agierende Verband Health Technology Assessment international (HTAi) untersucht, wie sich neue Arzneimittel, Medizintechnik oder Diagnoseverfahren tatsächlich auf die Gesundheit und die Gesundheitsversorgung auswirken. Das ist jedenfalls das Ziel.
Buchtipp: „Die Glücksfabrik“
Der Roman „Die Glücksfabrik“ schildert die wahre Geschichte eines aufstrebenden Pharmaunternehmens im frühen 20. Jahrhundert. Ein niederländischer Fleischfabrikant beginnt, aus seinen Schlachtabfällen Medikamente zu produzieren:
Das irritiert
Mit dem Stuhl werden bisweilen ganze Tabletten ausgeschieden – häufiger als man denkt. Wer diese beim Blick zurück in die Toilettenschüssel zufällig entdeckt, kommt leicht ins Grübeln: Ist die Pille eine Fehlproduktion, weil sie sich nicht im Körper auflöst? Vielleicht schlägt deshalb die übliche Therapie gerade nicht so gut an? In Internetforen wird viel ­spekuliert. Wissen ist besser: Von Bedeutung sind die Art der Tabletten und manchmal auch eine Erkrankung.
Glosse: Ab ins Bett!
Diese Aufforderung könnte man(n) jetzt missverstehen. Zwar geht’s hier durchaus um Bettgeschichten, aber mit Besinnung auf das traditionsreiche Wiegenlied sollten wir wohl lieber formulieren: Schlaf, alterndes Männlein, schlaf! Das ist zudem näher an dem dran, was uns die Hormonspezialisten von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie1 verraten und was wirklich erfreulich klingt!
Nachgefragt: Diagnose ADHS
Seit den 1990er Jahren erhalten viele Kinder, die durch Unaufmerksamkeit und Überaktivität auffallen, die medizinische Diagnose ADHS. Viele Ärzte verordnen Methylphenidat (Ritalin®), das eigentlich stimuliert, bei solchen Kindern aber paradox wirkt, also beruhigend. In den letzten Jahren wurde viel gestritten, wie hilfreich der medikamentös-medizinische Ansatz überhaupt ist. Wir fragten Charlotte Köttgen, was aus ihrer Sicht in den letzten 20 Jahren falsch gelaufen ist.
Giftküche oder Segensbringer?
Natürlich, sanft, harmonisch – das klingt gut. Diese Begriffe fallen häufig im Zusammenhang mit einer „natürlichen Medizin“, die sich durch besonders schonende Wirkungen auszeichnen soll. Gerne wird damit ein Gegensatz zu einer „chemischen Medizin“ konstruiert, die angeblich aggressiv ist. Doch dieser Gegensatz ist künstlich und fern der Wirklichkeit.
Leserbrief: Nahrungsergänzung bei Arthrose
Für erhebliche Knieprobleme/Arthrose haben uns Bekannte folgende Nahrungsergänzungsmittel von Functional Foods empfohlen: PEA Pure Palmioylethanolamid und MSM GC3 mit Glucosamin. Wir wären dankbar für Ihre Meinung. G.L.
Leserbrief: Gerson-Therapie
Können Sie etwas mit der Gerson-Therapie anfangen, über die im Internet berichtet wird? B.R.
Cholesterinsenker Ezetimib
Ezetimib ist seit 12 Jahren auf dem Markt. Aber noch immer fehlt ein überzeugender Nachweis, dass der Wirkstoff wirklich vor ernsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. -Ezetimib senkt zwar das „böse Cholesterin“ (LDL), aber das alleine bringt wenig.
Kind, wir bleiben zu Hause!
Kleinere Kinder fangen sich schnell einen Infekt ein. Oft können sie nicht in die Kita oder zur Schule gehen, besonders wenn Fieber mit im Spiel ist. Die Pflege des Sprösslings fordert Zeit, Ruhe und viel Organisationsgeschick. Berufstätige Mütter oder Väter können sich ­dafür durchaus von der Arbeit freistellen lassen.
Eine doppelte Falle
Tausende Nahrungsergänzungsmittel enthalten gefährliche Stoffe, die nicht auf der Packung deklariert sind, etwa den Appetithemmer Sibutramin. Er ist seit Jahren wegen Herzschädlichkeit verboten. Allein in den vergangenen zwei Monaten haben wir unsere Datenbank „Gepanschtes“ um Dutzende solcher Mittel erweitert, darunter neun Sibutramin-haltige Produkte.
Werbung – Aufgepasst! Teste dich krank
Das Internet ist eine Fundgrube für Hypochonder oder solche, die es werden wollen. Zu zahllosen Krankheiten kann man sich mit einigen Mausklicks testen. Doch oft ist nicht erkennbar, ob ein Test von Fachleuten entwickelt und ob seine Aussagekraft geprüft wurde. Bietet ein Pharmaunternehmen einen Test an, ist der Zweck klar: Es geht um Werbung. So auch beim hier abgebildeten „Schilddrüsen-Test“ des Unternehmens Hexal.