Ausgabe Nr. 5 September/Oktober 2017

Editorial: Jörg Schaaber
viele Dinge, die wir kaufen, stammen aus fernen Ländern. Dass die Produktionsbedingungen für T-Shirts in Südostasien dringend verbessert werden müssen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber ist Ihnen auch bewusst, dass die Tabletten, die Sie einnehmen, vielleicht ebenfalls aus dieser Weltgegend stammen? Und dass der Abfall aus der Herstellung verheerende Folgen für Mensch und Umwelt haben kann?
Aus aktuellem Anlass ... Gefälschtes in deutschen Apotheken
Einem Patienten in Nordrhein-Westfalen fiel auf, dass die Tabletten seines Hepatitis C-Medikaments weiß statt orange waren. Das beunruhigte ihn und er fragte in seiner Apotheke nach. Eine Laboruntersuchung ergab, dass es sich bei den Tabletten tatsächlich um das Originalpräparat Harvoni® (Sofosbuvir/Ledipasvir) von Gilead handelte.
Resistenz ab Fabrik
Wenn Sie ein Antibiotikum-Rezept in der Apotheke einlösen, machen Sie sich wahrscheinlich keine Gedanken, woher das Medikament kommt. Dabei stammt der Wirkstoff mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Indien oder China. Und das geht auf Kosten der Umwelt und insbesondere der Menschen vor Ort, wie ein NDR-Team kürzlich aufdeckte.
Älter werden
Wenn Männer in die Jahre kommen, sinkt ihr Testosteronspiegel. Das ist normal (GPSP 2/2015, S. 19). Nur krankhafte Störungen, die als Hypogonadismus bezeichnet werden, weil die Keimdrüsen zu wenig Hormon bilden und abgeben, sollten mit Testosteron behandelt werden. Beim altersgemäßen Absinken des Testosteronspiegels spricht jedoch sehr viel ­dagegen.
Buchtipp: Pulverfass Arzneimittelfälschungen
Wer Medikamente braucht, muss darauf vertrauen können, dass Herstellung und Vertrieb von Arzneimitteln zuverlässig geregelt sind. Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit müssen gewährleistet sein.
Akute Mittelohrentzündung
Erkrankt ein Kind an einer Mittelohrentzündung, sind seine Eltern in einem Dilemma: ­Abwarten? Gleich ein Antibiotikum? Schmerzen lindern?
Hype oder Hoffnung
Begleitet von viel Pressegetöse wurden auf einem US-amerikanischen Fachkongress die Ergebnisse der so genannten FOURIER-Studie vorgestellt. Der neue Wirkstoff Evolocumab verringert demnach lebensgefährliche Situationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfälle bei Menschen mit zu viel LDL-Cholesterin im Blut. Das klingt gut, doch viele Fragen bleiben.
Bild dir eine Meinung?
Da kommt ein neues Medikament gegen Brustkrebs auf den Markt und schon ist der Streit da. Nützt Palbociclib (Ibrance®) den betroffenen Frauen mehr als die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten oder nicht? Diese Auseinandersetzung wird hochemotional geführt. Und die BILD-Zeitung mischt auch noch mit.
Kurz und knapp: Hochdosiertes Baclofen
In Frankreich hat das Buch eines Kardiologen für viel Aufregung gesorgt, weil er darin hochdosiertes Baclofen (Lioresal®, Generika) als probates Mittel zur Alkoholentwöhnung propagiert. Dafür zugelassen ist das Muskelrelaxans allerdings weder in Frankreich noch bei uns. Dennoch wird es per Erfahrungsbericht in Internetforen oder in Fernsehsendungen bekannt gemacht.
Kurz und knapp: Männer
Dass das Brustdrüsengewebe zunimmt, kommt bei älteren Männern häufiger vor als bei jüngeren. Manchmal handelt es sich tatsächlich um Brustkrebs. Öfter als man vermuten würde, steckt dahinter allerdings die unerwünschte Wirkung eines Medikaments.
Kurz und knapp: HPV-geimpfte Frauen
Zu der Kritik an der HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs (Zervix) zählte von Anfang an nicht nur, dass mit der Vakzine nur bestimmte – aber nicht alle – krebsauslösenden HPV-Viren erwischt werden, sondern auch, dass die Impfung ein fahrlässiges Verhalten fördern könnte.
Alljährliches Ritual
Sobald das erste Herbstlaub fällt, starten die Aufrufe zur Grippe-Impfung. Vor einer Entscheidung für oder gegen die Impfung sollten sich Patientinnen und Patienten über Nutzen und Risiken informieren.
Glosse: Kaffee-Träumerei
„Drei Tassen Kaffee täglich können das Leben verlängern“, verriet der Kurier aus Wien,1 und das ist doch äußerst praktisch. Nicht nur, weil der Österreicher samt Gemahlin an sich den Kaffee liebt, man denke nur an die vielen Kaffeehäuser und die prominenten Kaffeeröstereien. Nein, nicht nur das.
Nachgefragt: Weniger messen, mehr sprechen
Jedes Auto muss regelmäßig zum TÜV. Sollten wir dann nicht auch regelmäßig nachsehen lassen, ob mit unserem Körper alles in Ordnung ist? Der Arzt Guido Schmiemann hält wenig von diesem Vergleich und kritisiert die übliche Gesundheitsuntersuchung „Check-up 35“. Er plädiert für weniger Untersuchungen und mehr Gespräche.
Die unsichtbare Hand
Wenn kommerzielle Interessen den Informationsgehalt von medizinischen oder pharmazeutischen Fachzeitschriften verzerren, kann sich das sogar auf die Behandlungsqualität von Patientinnen und Patienten auswirken. In den letzten Jahren wurden mehrere beunruhigende Beispiele publik, die zeigen, wie Anzeigenkunden die Berichterstattung beeinflussen können.
Leserbrief: Rimkus-Therapie
Wegen Schlafstörungen habe ich eine Gynäkologin aufgesucht, die sich auf alternative Hormontherapien spezialisiert zu haben scheint. Sie hat mir eine Rimkus-Therapie verordnet, die ich im Vorfeld bezahlen musste. Der tatsächlich einsetzende heftige Schwindel nach der ersten Einnahme und die lähmende Müdigkeit tagsüber lassen mich doch fragen, ob diese Therapie tatsächlich eine reine Geldmaschine ist, oder ob sie etwas bringen könnte. Ich habe keine Studien dazu gefunden. Bin ich einem Bären aufgesessen? S.E.
Methadon gegen Krebs?
Wenn Krebskranke starke Schmerzen haben, wirken Opioid-Schmerzmittel wie Morphin gut schmerzlindernd. Könnte das Opioid Methadon, das hierzulande ausschließlich zur Drogenersatztherapie bei Opioid-abhängigen Menschen zugelassen ist, vielleicht sogar das Leben Krebskranker verlängern?
Gepanschtes: Kriminell: Vier auf einen Streich
Weil eine Frau durch ein angeblich traditionelles Kräutermittel schwer geschädigt wurde, warnte eine Internetplattform aus Singapur vor dem Produkt „PHQ 1001 Khasiat Penawar Herba Qaseh Serata Herb“, das tatsächlich „starke westliche Arzneistoffe“ enthält.1 Das so genannte Kräutermittel wird unter anderem gegen Schmerzen, Impotenz, Nierenerkrankung und Schlaganfall propagiert. Die ältere Frau hatte es gegen ihre Schmerzen eingenommen.
Werbung Aufgepasst! Finden Sie den Unterschied!
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Oder doch? Die linke Anzeige aus einer Patientenzeitschrift nennt kein Produkt, sondern zeigt nur eine Sprühdose ohne Etikett. Dass es um Schuppenflechte (Psoriasis) geht, ist allerdings auf den ersten Blick klar. Warum diese Geheimnistuerei: Öffentliche Werbung für rezeptpflichtige Medikamente ist in Deutschland verboten.