Ausgabe Nr. 4 Juli/August 2017

Editorial: Prof. Dr. Bernd Mühlbauer
Manchmal kostet die einzelne Tablette wenig, aber wenn viele Millionen Patienten sie einnehmen, kommt etwas zusammen: 700 Millionen Euro zahlten die deutschen Krankenkassen in 2015 für Protonenpumper-Hemmer (PPI) wie Omeprazol.
Aus aktuellem Anlass ... werbefreie Zone
„Unser Ziel ist es, Diabetes und andere schwere chronische Erkrankungen zu besiegen. Auf dem Weg dorthin treiben wir Veränderungen voran und entwickeln innovative biopharmazeutische Produkte, um das Leben der Betroffenen zu verbessern.“ Das sagt die Geschäftsführerin Tina Abild Olesen in einer Image-Broschüre der Pharmafirma Novo Nordisk Deutschland.
Helicobacter pylori
Der australische Arzt Barry Marshall schluckte 1984 eine ordentliche Portion Helicobacter-Bakterien. Damit verpasste er sich eine Magenschleimhautentzündung, die er mit Antibiotika rasch wieder kurieren konnte. Zusammen mit seinem Kollegen Warren schrieb er Medizingeschichte.1 Denn sein Selbstversuch hatte bewiesen, was Wissenschaftler bis dahin für unmöglich gehalten hatten: In der Magenwand können Bakterien siedeln und Schaden anrichten. Marshalls Bakterientrunk aus dem Reagenzglas hatte also einen ganz wichtigen Auslöser der Gastritis entlarvt.
Nährstoffe für den Rücken?
Können einzelne Nährstoffe bei Rücken- oder Nervenschmerzen helfen? Das behauptet zumindest der Anbieter von Keltican® forte. Auch wenn man meinen könnte, es handle sich dabei um ein Medikament, ist dem nicht so. Rückenschmerzen sind weit verbreitet, unangenehm und mitunter enorm belastend. Wer Hilfe verspricht, kann daher mit Abnehmern für sein Therapieangebot rechnen.
Aufgefrischt: Fehlinvestition ins Knie
Viele Menschen versuchen, ihre Beschwerden mit vermeintlich „sanften“ Mitteln zu kurieren. Das kann schiefgehen, wie eine spanische Studie zu Knieproblemen zeigt.
„Säuglingskolik“ – oder was?
Wenn Säuglinge weinen, dann ist das ihr Signal dafür, dass gerade etwas nicht stimmt. Doch manche Babys schreien stundenlang und ohne Unterlass, obwohl ihre Eltern jeden möglichen Anlass geprüft haben und alles in Ordnung zu sein scheint. Passiert das häufiger, meist am späten Nachmittag oder abends, treibt es Eltern in die Verzweiflung. Was wissen wir über die Ursachen von „exzessivem Schreien“, so der medizinische Fachbegriff? Gibt es gesicherte Tipps für Eltern?
Muskelschmerzen durch Statine
Statine gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten überhaupt. Sie senken die Blutfettwerte und helfen, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems vorzubeugen. Bei manchen Menschen rufen sie jedoch Muskelschmerzen hervor. Es kann selten auch zu Muskelschäden kommen. Auf die Frage „Was tun?“, um solche unerwünschten Wirkungen zu verhindern, gibt es keine einfache Antwort.
Kurz und knapp: „Alu“ im Menü
Dass wir mit dem Trinkwasser und verschiedenen Gemüsen und Früchten täglich Aluminiumverbindungen aufnehmen, ist normal und in der Regel kein gesundheitliches Problem. Aber auf die Menge kommt es an.
Kurz und knapp: Kreuzschmerzen
Es ist ein Kreuz mit den Kreuzschmerzen, denn was die Apotheken anzubieten haben und Ärzte verordnen können, ist zwar nicht wenig. Aber die Wirksamkeit dieser Mittel ist sehr begrenzt (siehe dieses Heft S. 7) und hängt von vielerlei Faktoren ab.
Kurz und knapp: Chemotherapie
Wenn bei Brustkrebs eine Chemotherapie mit Zytostatika geplant ist, müssen Patientinnen damit rechnen, dass in der Folge die Haare ausfallen. Das ist zwar in der Regel nur vorübergehend, aber dennoch eine zusätzliche seelische Belastung. Viele Frauen entscheiden sich für eine Perücke, um den Verlust zu kaschieren.
Kurz und knapp: Schilddrüsen-Check
Kürzlich hat der von den Krankenkassen finanzierte IGeL-Monitor, der anhand von guten Studien prüft, was an den kostenpflichtigen Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) in Arztpraxen dran ist, den Nutzen eines Schilddrüsen-Check untersucht.
Buchtipp: Anregung zum Abwarten
Muss jedes Zipperlein sofort behandelt werden? Das vorgestellte Buch rät in vielen Fällen zum Abwarten und gibt wichtige Denkanstöße. Ein umfassender Gesundheitsratgeber ist es allerdings nicht, und will es auch nicht sein.
Aufgefrischt: … und wieder die Aktionäre zuerst
Die Zulassung von Glybera® (Alipogentiparvovec), einem Mittel gegen eine seltene Fettstoffwechselstörung, war von Anfang an zweifelhaft (GPSP 5/2015, S. 11). Nun beschließt die Firma uniQure den Rückzug des Mittels vom Markt – und informiert wieder vor allem die Investoren.
Leserbriefe: Magnesium
Von meiner Heilpraktikerin wurde mir Magnesiumchlorid empfohlen, um meinen sehr aktiven Nervenzustand zu beruhigen, den Schlaf zu fördern und den altersbedingten Allgemeinzustand zu verbessern, da wohl ein Mangel an diesem Mineral besteht. Ich nehme nun seit einigen Monaten morgens und abends ca. 20 ml Magnesiumchlorid-Sole ein. Eine Auswirkung verspüre ich allerdings nicht.
Leserbriefe: PEA gegen Schmerzen?
Gibt es Untersuchungen zu PEA als Wirkstoff zur Schmerzlinderung?
Nachgefragt: Rechtzeitig vorbereiten
Wer chronisch krank ist und verreisen will, sollte sich für die Urlaubsvorbereitung ausreichend Zeit nehmen. Denn gerade bei Transport und Anwendung der notwendigen Medikamente gibt es Einiges zu bedenken. Ratschläge dafür gibt die Apothekerin Gabriele Regina Overwiening, die wir zum Thema befragt haben.
Patientenverfügung & Co.
Zukünftig sollen Ehe- und eingetragene Lebenspartner auch ohne weitere Formalitäten gegenseitig über ihre medizinische Behandlung entscheiden können. Dennoch ist es empfehlenswert, eine Patientenverfügung aufzusetzen und diese durch eine so genannte Vorsorgevollmacht und eine Betreuungsverfügung zu ergänzen.
Glosse: Das kleine „t“
Der Darm ist spätestens seit dem Bestseller „Darm mit Charme“ zum Lieblingsthema der Deutschen avanciert. So scheint‘s zumindest. Neuerdings begegnen uns allerorten auch die blühende Darmflora und das abenteuerliche Gewächs Mikrobiom.
Zu viel, zu wenig, nicht geschüttelt
Sind Kinder krank, wird es für Eltern immer anstrengend. Sie sind besorgt, müssen trösten und beruhigen, nachts Wärmflaschen füllen, Fieber messen und zwischendurch auch noch Medikamente geben. Vor allem bei Antibiotika, die oft als Arzneisaft daherkommen, fällt es vielen Eltern schwer, sie richtig zuzubereiten und zu dosieren. Über- oder Unterdosierung können ernste Folgen haben.
Herz-Check
Wenn ein Leistungssportler im Wettkampf oder beim Training zusammengebrochen ist und nicht überlebte, erfährt man davon in den Medien. Eine Übersicht für Deutschland zeigt, dass in einem Zeitraum von viereinhalb Jahren „nur“ vier Leistungssportler am plötzlichen Herztod starben. Es trifft aber auch Amateursportler.
Gepanschtes: Statt Hilfe Gefahr
Gepanschte Nahrungsergänzungsmittel sind wie eine Seuche, die sich in der Welt ausbreitet. Im Gegensatz zu Pest und Cholera ist sie jedoch kaum als solche zu erkennen. Die angeblich rein pflanzlichen Produkte mit denen darin enthaltenen, aber nicht deklarierten synthetischen, oft sogar gefährlichen Bestandteilen, verbreiten sich ungehindert.
Werbung – Aufgepasst! Welche Pille danach?
Wenn es mit der Verhütung schiefgegangen ist, kann die „Pille danach“ hilfreich sein. Diese hormonelle Notfallverhütung verzögert den Eisprung und verhindert so die Entstehung einer ungewollten Schwangerschaft relativ sicher. 2015 wurde die „Pille danach“ rezeptfrei.