Ausgabe Nr. 4 Juli/August 2016

Editorial: Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen
der Sommer kommt – oder er kommt nicht. Das neue Heft von GPSP kommt definitiv und ist thematisch so abwechslungsreich wie das diesjährige Wetter wechselhaft. Wir bringen Ihnen auch diesmal wieder kritische Informationen zu neuen und alten Arzneimitteln, so z.B. zu dem aktuellen Hype um Entresto® (Sacubitril) gegen Herzschwäche.
Altersflecken
Der Mensch altert und mit ihm seine Haut. Wenn sich dabei die Pigmentierung verändert, entstehen sogenannte Altersflecken. Für viele ein schwer erträglicher Makel. Kosmetikanbieter versprechen Abhilfe – für viel Geld. Häufig ist Vitamin A oder eine chemisch verwandte Substanz der Hauptwirkstoff dieser Cremes & Co.
Wenn Urlaubsträume platzen
Ein Treppensturz wenige Tage vor Urlaubsbeginn ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch ins Geld gehen: Müssen Flug, Hotel oder Kreuzfahrt kurzfristig storniert werden, fallen häufig hohe Gebühren an. Auch eine Krankheit während der Reise kann teuer kommen. Gut dran ist, wer mit der passenden Versicherung vorgesorgt hat.
So läuft’s beim Arzt besser
In deutschen Arztpraxen läuft einiges schief: Patienten haben öfters das Gefühl, ihr Anliegen nicht ausreichend vorbringen zu können.1 Das verwundert nicht: Die durchschnittliche Arztkonsultation dauert nur fünf bis acht Minuten, und bereits nach 11 bis 24 Sekunden unterbricht der typische Arzt seinen Patienten.2,3 Als Patient können Sie viel tun, damit Sie der Praxisbesuch weniger frustriert und Sie besser informiert nach Hause gehen.
Tausendsassa Kokosöl?
Ernährungsmoden wie Chia-Samen (GPSP 1/2016, S. 7) oder Weizengras versprechen Gesundheit und Fitness. Dort reiht sich seit neuestem auch Kokosöl mit allen möglichen gesundheitlichen Versprechungen ein. Doch ist der angebliche Nutzen überhaupt belegt?
Herzschwäche
Die Welt der Kardiologie spendet Standing Ovations: Seit mehr als 10 Jahren endlich mal ein Fortschritt in der Behandlung der Herzschwäche… Der Anlass: Kürzlich wurde ein neues Arzneimittel zugelassen. Doch was ist dran an dem Hype?
Kurz und knapp: Homöopathie – Information tut not
Das Oberlandesgericht Koblenz hat durchgegriffen und Hevert, einem Hersteller homöopathischer Arzneimittel, überzogene Werbeversprechungen untersagt. Für Calmvera® darf die Firma nicht mehr mit einer Förderung der Selbstheilungskräfte werben, weil die wissenschaftlichen Belege dazu nicht reichen.1 Und wenn aus Google-Einträgen spricht, dass Homöopathie und Selbstheilungskräfte zusammengehören, reicht das glücklicherweise vor Gericht ebenfalls nicht.
Kurz und knapp: Herztod – Sportler screenen?
Von Zeit zu Zeit erfahren wir aus den Medien, dass ein junger, offenbar gesunder Sportler durch plötzlichen Herztod gestorben ist. Und es stellt sich die Frage, ob das nicht zu verhindern war: Lassen sich solche Todesfälle durch ein routinemäßiges Prüfen der Herzgesundheit (Screening) vermeiden?
Kurz und knapp: Zecken – Lyme-Borreliose
Wenn eine Zecke sticht, kann sie mit ihrem Speichel auch Borrelien übertragen. Häufig erkennt man eine Borrelieninfektion daran, dass sich etwa nach einer Woche oder auch drei, vier Wochen später die Haut um die Einstichstelle ­herum rötet (Wanderröte). Steht die ärztliche Diagnose fest, wird heute normalerweise für 14 Tage ein Antibiotikum verordnet, das die Erreger abtöten soll und dadurch verhindert, dass eventuell Organe, Nerven oder Gelenke Schaden nehmen.
Arzneimittel in der Muttermilch
Stillen ist die beste Ernährung für den Säugling und fördert die Bindung zwischen Mutter und Kind. Doch was ist, wenn die Mutter Arzneimittel einnehmen muss? Ist es dann möglich, weiter zu stillen?
Glosse: Kinderkriegen
Unserem Land geht der Nachwuchs aus. Warum bloß? Beim Durchforsten der Ratgeber-Literatur zum Thema Kinderkriegen kommt die Erleuchtung: Das hat womöglich nicht nur was mit einer kinderfeindlichen Gesellschaft und Politik – samt kinderlosen PolitkerInnen – zu tun. Nein, offenbar wabert in Frauen hierzulande etwas, das zu einer „tief verankerten Angst der Schwangeren vor der Geburt“ führt!
Nachgefragt: Je schneller, desto besser?
Die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde (EMA) plant, künftig Arzneimittel noch schneller für den Markt zuzulassen. Verfechter dieser Idee betonen, dass das den Bedürfnissen von Patienten und Patientinnen entgegenkomme. Kritische Stimmen warnen vor unkalkulierbaren Risiken.1,2 Denn die vorgezogene Zulassung geschieht auf knapper Wissensbasis. Wir fragten Teresa Leonardo Alves, warum die Expresszulassung – „Adaptive Pathways“ genannt (siehe Kasten S. 20) – bei verbrauchernahen Verbänden nicht gut ankommt.
Buchtipp: Der Glaube an die Globuli
Dieses Buch ist etwas für fleißige, neugierige Leser und Leserinnen – also für alle, die genauer wissen wollen, warum die sogenannte Alternativmedizin den Nimbus des Überlegenen im Vergleich zur (natur)wissenschaftlich fundierten Medizin besitzt. Diese Medizin wird hierzulande oft als „Schulmedizin“ abqualifiziert. Und das ist ein Phänomen, dem der Bremer Gesundheitswissenschaftler Norbert Schmacke als Herausgeber und Mitautor des Sammelbands auf den Grund geht.
Leserbrief: Blut-Dunkelfeld-Analyse
Mein Arzt hat mir eine Blut-Dunkelfeld-Analyse empfohlen, um meinen tatsächlichen Gesundheitszustand festzustellen und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen einzuleiten, um ihn zu verbessern. Wären die 100 Euro, die das Ganze kosten soll, gut angelegt? M.K.
Leserbrief: Aminosäuren MAP
Die Aminosäure-Kombination MAP ® (Dr. Reinwald) soll viele Vorteile haben und so für den optimalen Zellaufbau im Körper sorgen. Es könne den Fettabbau bei Erhalt magerer Muskelmasse fördern, Knochen und Gelenke stärken und vieles mehr. Wie schätzen Sie die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit dieses (sehr teuren) Nahrungsergänzungsmittels ein? Y.S.
Unglaubliche Versprechungen
„Sie sind über 43 und öfters sehr gestresst? Strophanthin!“ „Die Lösung des Herzinfarktproblems.“ „Strophanthin könnte die Rettung für hunderttausende Herzkranke sein.“ Das sind ­typische Botschaften im Internet für einen Wirkstoff, den es aus guten Gründen eigentlich gar nicht mehr geben dürfte.
Schädliche Grübeleien
Das überrascht nicht: Wer am Wochenende über all seine unerledigten Arbeitsaufgaben grübelt, dem entgeht geruhsamer Schlaf und Erholung vom Arbeitsstress.
Top Six: Die meistbesuchten GPSP-Online-Artikel April/Mai
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Gepanschtes: Hormonvorstufe als Nahrungsergänzung?
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat kürzlich das Produkt LGD-Xtreme beanstandet und veranlasste den Anbieter, dieses Nahrungsergänzungsmittel in den USA aus dem Handel zurückzurufen. Es enthält ein Prohormon und wird auch auf deutschsprachigen Internetseiten beworben.
Werbung – Aufgepasst! Über das Ziel hinausgeschossen
Die Hersteller von Impfstoffen dürfen nicht öffentlich für ihre Produkte werben.1 Die abgebildete Werbeanzeige aus der Zeitschrift „Das Goldene Blatt“ führt vor, wie man das Verbot umgehen kann. Der Pharmariese Pfizer wirbt nicht direkt für sein Mittel, sondern wendet sich gezielt an ältere Menschen mit dem Hinweis, der Arzt könne bei der Vorbeugung helfen.