Ausgabe Nr. 4 Juli/August 2014

Editorial: Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen
wieder liegt ein mit Informationen zu den verschiedensten Gesundheits- und Arzneimittelthemen prall gefülltes Heft vor Ihnen. Die Jüngeren unter Ihnen, oder auch Sie als Eltern, haben sicher gleich erkannt, weshalb der smarte junge Mann sich so sorgsam im Spiegel betrachtet: Wie sieht es mit den Pickeln aus?
Mit Gute Pillen – Schlechte Pillen für mehr Durchblick
Wenn Sie Ihre Tageszeitung aufschlagen, kann es passieren, dass Sie heute eine Information zum Thema Brustkrebs, Diabetes oder Antidepressiva lesen, der schon morgen im selben Blatt widersprochen wird. Im Hörfunk oder TV-Beiträgen ist es oft nicht besser:
Nicht rumquetschen!
Erwachsenwerden ist nicht einfach, krempeln doch die Hormone den Körper einmal von Kopf bis Fuß um. Und fast jeder Teenager möchte cool aussehen. Oft machen dann Mitesser und Pickel im Gesicht oder Dekolleté einen Strich durch die Rechnung: Akne vulgaris heißt die Spaßbremse auf Latein, und wer von uns Großen hat sie nicht selbst durchgemacht? Wir erklären, wie Akne entsteht, wie man sie in Schach halten kann und welche Mittel sie lindern.
Krebs und Gene - Zwischen Hoffnung und Hype
Bestimmte Merkmale in der Erbsubstanz eines Menschen können ein erhöhtes Krebsrisiko bedeuten. Da aber bei weitem nicht jeder Betroffene tatsächlich erkrankt, sind Tests auf solche „Tumorgene“ umstritten. Ist dagegen jemand an Krebs erkrankt, ist es bei manchen Tumoren unerlässlich, das Gewebe genetisch zu untersuchen – das Ergebnis kann für die Wahl der Therapie entscheidend sein.
Ein Pikser ... mehrfacher Schutz
Eltern können erfreut, aber auch erschrocken sein, wenn sie erstmals erfahren, gegen wie ­­viele Infektionskrankheiten ihr Sprössling geimpft werden soll. So viele Erkrankungen, die ihr kleines Kind vielleicht nicht haben wird, so viele Impfungen, die es zu erdulden hat: Derzeit sind Schutzimpfungen gegen dreizehn verschiedene Infektionskrankheiten empfohlen. Da ist es eine Erleichterung, wenn nicht gegen jede einzeln geimpft werden muss, sondern ­­Präparate entwickelt wurden, die gleich mehrere Erkrankungen abdecken. Doch solche Kombinationsimpfstoffe können manchmal auch Nachteile haben.
Auf eigene Faust
Wenn die Jugend schwindet, möchte man der eigenen Gesundheit gern etwas Gutes tun. Viele ältere Menschen ergänzen ihre Nahrung oder ihre vom Arzt verordneten Medikamente daher mit Mineralien, Vitaminen oder pflanzlichen Produkten. Das ist in der Regel nicht notwendig, es kann sogar riskant sein.
Aufgefrischt: MMS Keine Wunderdroge, sondern Gift
GPSP hat bereits mehrfach gewarnt: Miracle Mineral Supplement MMS ist keine Wunderdroge, sondern ein Gift. Dennoch ist MMS problemlos übers Internet zu haben. Dass der US-amerikanische „Erfinder“ Jim Humble im Mai auf einer Esoterik-Messe in Hannover sein Produkt erneut anpreisen konnte, hat GPSP zu einem „Aufgefrischt“ animiert.
Kurz und knapp: Smarter Medicine: Weniger ist mehr
Die Schweiz geht voran. Dort hat die größte medizinische Fachgesellschaft (Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin, SGIM) jetzt ganz im Sinne der Patienten und Patientinnen die Initiative ergriffen: Sie empfiehlt Ärzten, bestimmte Untersuchungen und Behandlungen zu unterlassen.
Kurz und knapp: Spitze Zähne: Katzenbisse
Katzen sind bekanntlich eigenwillig. Manchmal wollen sie nicht gestreichelt werden und beißen zu, statt zu schnurren. Ihre sehr spitzen Zähne dringen tief in die Haut ein und hinterlassen dort Keime, die manchmal heftige Entzündungen verursachen.
Kurz und knapp: Vertrauliche Geburt: Hilfetelefon geschaltet
Seit Mai 2014 gibt es für werdende Mütter eine Anlaufstelle, wenn sie ihr Kind vertraulich – und weitgehend geheim – in einer Klinik oder nur unterstützt von einer Hebamme zur Welt bringen möchten. Ziel ist, dass immer weniger Babys in „Babyklappen“ abgegeben, ausgesetzt und gar getötet werden.
Kurz und knapp: IGeL-Monitor: Hyaluronsäure ins Knie?
Hinter anhaltenden Knieproblemen verbirgt sich oft ein Knorpelschaden, der mit Schmerzen einhergeht und auf entzündlichen Prozessen beruht. Gegen diese Arthrose gibt es keine optimale Therapie, denn der geschädigte Knorpel lässt sich bisher nicht neu aufbauen, und Schmerzmittel sind wegen ihrer unerwünschten Wirkungen keine dauerhafte Lösung.
Kurz und knapp: Spermazellen: Patent widerrufen
Die britische Firma Ovosort besaß ein Patent (EP 1 263 521), das es ermöglichte, Spermazellen nach Geschlecht zu sortieren: in solche, die männliche Nachkommen erzeugen, und solche, die weibliche Nachkommen hervorbringen. Dieses Patent wurde jetzt vom Europäischen Patentamt widerrufen.
Buchtipps: Buchtipps Kommissar Ly und die Tigerknochenpaste
Suchen Sie noch einen Krimi, in dem es mal nicht um Drogen, Prostitution oder Cyberkriminalität geht? „Der letzte Tiger“ könnte da etwas für Sie sein. Im zweiten Fall von Kommissar Ly, der in Hanoi ermittelt, hat sich die Autorin und Vietnamkennerin Nora Luttmer den illegalen Tierhandel und einen sehr speziellen Medizinmarkt vorgenommen.
Buchtipps: „Bund fürs Leben: Warum Bakterien unsere Freunde sind“
Bakterien haben keinen guten Ruf. Sie sorgen für Durchfall oder Pickel, ruinieren die Zähne, lösen tödliche Infektionen aus. Und dann ein Buch mit dem Titel „Bund fürs Leben. Warum Bakterien unsere Freunde sind“? Das macht neugierig.
Tausende Gesundheits-Apps ”... aber ohne Garantie
Weltweit sollen bis zu 200.000 gesundheitsbezogene Apps in iOS- und Android-Stores erhältlich sein. Ein Zehntel davon in deutscher Sprache, so die Schätzung. Vom Kalorienzähler zur Fitness-App bis hin zu solchen, die Diabetikern mit Hilfe von Tagebuch und Statistiken das Leben vereinfachen sollen.
Glosse: Oder gleich Placebos bunkern
Placebos wirken, weil, ja weil der Mensch an die Pille und die Hand, die sie ihm reicht, nur zu gerne glaubt. Irgendwie hat das auch was mit Konditionierung zu tun1 – drum können der Medizinmann, der die Hühnerknochen befragt, oder die Wahrsagerin, die die Gestirne liest, für Kranke von Nutzen sein. Irgendwie.
Nachgefragt: Außer Rand und Band Wenn die Schilddrüse zu viel Hormon produziert – oder zu wenig
Die Hormone der Schilddrüse steuern viele lebenswichtige Organfunktionen, darunter die Herzaktivität und den gesamten Stoffwechsel. Und Regelkreise kontrollieren wiederum die Aktivität der Schilddrüse. Aber manchmal gerät sie außer Rand und Band. Das kann zum Beispiel am Jodmangel liegen oder das eigene Immunsystem traktiert die Schilddrüse. Was wichtige Ursachen für eine Überfunktion oder Unterfunktion sind und wie Erkrankungen behandelt werden, fragten wir den Schilddrüsenspezialisten Reinhard Finke.
Boehringer sieht schwarz GPSP-Bericht zu Gerinnungshemmern angegriffen
In der letzten Ausgabe hatte GPSP (3/2014, S. 6) über die Risiken neuer Gerinnungshemmer berichtet. Dabei ging es vor allem um den Wirkstoff Dabigatran von Boehringer Ingelheim. Ein leitender Mitarbeiter der Firma ist mit der Nennung seines Namens in unserem Artikel nicht einverstanden. Er sieht darin eine Verletzung seines Persönlichkeitsrechts und verlangte die Schwärzung von Namen und eine Unterlassungserklärung von GPSP.
Metoclopramid-Tropfen vom Markt Einige Monate lang nicht zu haben
Wenn ein Arzneimittel wegen unerwünschter Wirkungen vom Markt genommen wird, gibt es meist Alternativpräparate. Manchmal entsteht jedoch eine Lücke, die auf den ersten Blick nur schwer auszufüllen ist. Und manchmal stellt man anlässlich einer Marktrücknahme auch erstaunt fest, dass in diesem Falle eigentlich gar kein Arzneimittel benötigt wird. Jeder dieser Aspekte trifft ein bisschen auf Metoclopramid-Tropfen zu – bislang ein beliebtes Mittel bei Übelkeit und anderen Magen-Darm-Beschwerden.
Leserbriefe: Lob und Tadel
Ich bin dankbare Leserin Ihrer Zeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen. Auch im Netz finde ich viel Wissenswertes aus Ihrem Archiv.
Leserbriefe: Stichwortverzeichnis
Stichwortverzeichnis
Leserbriefe: Vitamin D
Vitamine muss man nicht ergänzen
Aluminium in Deos Riskanter Schweißkiller?
Brustkrebs durch Deos? Diese Frage hat in den letzten Monaten viele Menschen bewegt. Eine Fernsehreportage unter dem Titel „Die Akte Aluminium“ machte das Metall nicht nur als Verursacher von Brustkrebs, sondern auch für die Entstehung von Demenz verantwortlich.1 Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat geprüft, was an diesen Behaup­­tun­­gen dran ist.2 Auch wenn kein Anlass zur Panik besteht – zurück bleibt nach wie vor ­­Unsicherheit.
Gepanschtes: Wollen Sie Ihre Gesundheit aufs Spiel setzen?
Eine Frau in Großbritannien beobachtete Veränderungen ihres Äußeren mit Sorge. Sie nahm zu, und im Gesicht und am Körper entwickelte sich auffälliger Haarwuchs. Sie hatte leichtes Asthma, und als ihr Arzt fragte, welche Arzneimittel sie verwendet, nannte sie lediglich ein Kortikoid-freies Asthma­­spray. Ihr Hausarzt vermutete eine Hormonstörung und untersuchte ihr Blut. Die Untersuchungsergebnisse waren so ungewöhnlich, dass der Arzt gezielt nach den Lebensumständen und anderen Besonderheiten fragte.
Werbung - Aufgepasst! Schlecht beraten
Apothekerinnen und Apotheker müssen sich ständig fortbilden. Das ist gut so, denn als Kunde möchte man gut beraten werden. Wenn die Fortbildung allerdings von einem Arzneimittelhersteller lanciert wird, ist das bedenklich – denn dabei handelt es sich fast immer um Werbung.