Ausgabe Nr. 3 Mai/Juni 2017

Editorial: Dr. Christian Wagner-Ahlfs
Antibiotika können Leben retten. Leider müssen wir sagen: noch. Das Beispiel Antibiotika zeigt, was passiert, wenn Arzneimittel nicht sachgerecht eingesetzt werden. Bakterien bilden immer mehr Resistenzen gegen Antibiotika, und die wichtigen Medikamente werden dadurch unwirksam. Für den vernünftigen Umgang mit Antibiotika gibt es viele Gründe. Ab S. 8 lesen Sie, warum sowohl Ärzte als auch Patienten hier umsteuern müssen, was in Kliniken nicht optimal läuft – und wieso unsere Landwirtschaft ein wichtiger Teil des Problems ist.
Aus aktuellem Anlass … werbefreie Zone
Im vorigen GPSP-Heft hatten wir in „Werbung-Aufgepasst!“ eine Anzeige aus der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ) aufgespießt, die unauffällig zwischen den Facebook-Posts der DAZ platziert war. Denn das zarte Wörtchen „Anzeige“ im Fließtext war leicht zu überlesen. Erst recht, weil der Text ansonsten so wie jeder andere aus der DAZ-Redaktion aufgemacht war. Außerdem: Auf Facebook kann jeder mitlesen. Die Anzeige erreicht im Gegensatz zur Druckausgabe nicht nur Apotheker und Apothekerinnen.
Die kleinen Blauen
Zu Erektionsförderern wie Sildenafil (Viagra®) greifen vorwiegend ältere Männer, also Menschen, die häufig auch andere Medikamente benötigen. Doch manche Medikamente schwächen die Wirkung solcher Potenzmittel ab, andere verstärken sie. Das kann ernste Folgen haben.
Mit der Extraportion Zucker
Lebensmittelfirmen beeinflussen durch Werbung massiv die Ernährung von Kindern weltweit. Eine Selbstverpflichtung aus dem Jahr 2007 hat sich als heiße Luft entpuppt. Ungestraft werden Produkte direkt bei Kindern beworben, die zu Adipositas und Diabetes führen.
Kein Kraut gewachsen
Durch Antibiotika haben viele Infektionen, die früher lebensbedrohlich waren, ihren Schrecken verloren. Aber die gängigen Antibiotika sind gegen immer mehr Bakterien nicht mehr wirksam. Das ist ein weltweites Problem. Und weil die Antibiotikaforschung für Pharmafirmen nicht lukrativ genug ist, wird händeringend nach anderen Lösungen gesucht.
Schutzimpfungen
Wer reist, hat nicht immer nur Vergnügen. Man bekommt es manchmal mit unangenehmen Krankheitserregern zu tun, vor allem in den Tropen. Gegen einige gibt es wirksame Schutzimpfungen. Welche dazugehören und was beim Impfen zu bedenken ist, haben wir für Sie zusammengestellt.
Kurz und knapp: Asthma bronchiale
Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung der Atemwege – das heißt, man wird es normalerweise nicht wieder los. Die meisten Betroffenen benötigen Inhalationspräparate, die zwar bei Luftnot, Husten oder Engegefühl in der Brust helfen, aber nicht von jedem gut vertragen werden.
Kurz und knapp: Mit Arsen
Manche Menschen vertragen Gluten nicht. Das Klebereiweiß, das bei vielen Getreidesorten im Korn steckt, bereitet ihnen Magen-Darm-Beschwerden (GPSP 5/2015, S. 8). Sie leiden unter Zöliakie. Durch eine Immunreaktion entzündet sich die Darmschleimhaut, und wenn es schlimm kommt, werden dabei Darmzotten abgebaut. Um das zu verhindern, ernähren sich Betroffene möglichst von glutenfreien Lebensmitteln.
Kurz und knapp: Mehr davon
Gute Pillen - Schlechte Pillen hat schon oft kritisiert, dass die so wichtige ärztliche Fortbildung in hohem Maße in der Hand der pharmazeutischen Industrie liegt (GPSP 3/2014, S. 19). Diese finanziert zum Beispiel Unterbringung, Verpflegung und Reisekosten von Teilnehmern. Es ist kein Geheimnis, dass viele der vortragenden Ärzte nicht nur ein üppiges Vortragshonorar erhalten, sondern „auf der Gehaltsliste von Firmen stehen“ – etwa weil sie in ihrer Klinik oder Praxis Studien zu einem neuen Medikament im Auftrag der Arzneimittelfirma durchführen.
Kurz und knapp: Ebola
In den Medien und aus unseren Köpfen ist der schwere Ebola-Ausbruch 2013 in Westafrika (GPSP 6/2014, S. 14) fast verschwunden – auch all die Befürchtungen, die mit der Epidemie verbunden waren. Aber das kann sich ändern. Umso besser, dass ein vielversprechender Impfstoff, der ursprünglich von einem staatlichen Institut in Kanada erforscht worden ist, sich positiv entwickelt.
Besser wissen, was helfen kann
Die Haut ist rot, trocken und rissig, manchmal bilden sich nässende Ausschläge (Ekzeme). Vor allem der Juckreiz quält, und Kratzen macht alles noch schlimmer. All diese Symptome sprechen für eine Neurodermitis, die sich bei Kindern meist schon in den ersten Lebensmonaten zeigt. Was Eltern belastet und beunruhigt: Arzneimittel helfen nur begrenzt. Hier setzen Neurodermitis-Schulungen an. Sie vermitteln Eltern nützliches Wissen, um mit der Krankheit umzugehen.
Glosse: Gut geschmiert
Jeder kann kaufen, was er will! Wir reden hier nicht von Waffen oder illegalen Drogen, sondern von Nahrungsergänzungsmitteln – und das sind Lebensmittel. Insofern, warum sollen nicht deutsche Verbraucher und Verbraucherinnen für round about 40 Millionen Packungen von „irgendwas mit Magnesium“ Geld ausgeben dürfen. Also, um es korrekt zu apostrophieren und konkret zu machen: Zwei Nasen teilen sich hierzulande pro Jahr eine Packung, vom Säugling bis zum Greis – mal rein statistisch gesehen.
Nachgefragt: Tücken des Screenings
Früh erkannt, früh gebannt – was sich intuitiv richtig anhört, kann bei der Krebsfrüherkennung zu Fehlschlüssen führen. Nicht immer führt sie zu schonenderen Therapien oder rettet gar Leben. Und ein solches Screening hat durchaus Risiken und Nebenwirkungen, die man kennen sollte. Zu dieser Problematik haben wir Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen befragt.
Sauerstoff bei COPD?
Bei Patienten mit einer schweren chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) verlängert eine Anreicherung der Atemluft mit Sauerstoff von mehr als 15 Stunden pro Tag das Leben. Eine neue Studie hat überprüft, ob das auch für Patienten mit leichter oder mittelschwerer COPD gilt.
Leserbriefe: Wer steckt hinter den Artikeln?
Warum stehen unter GPSP-Artikeln eigentlich keine Autorenamen? M.B.
Leserbriefe: Marcumar und Demenz?
Ich habe im Internet einen Artikel gefunden, in dem es um eine amerikanische Studie zu Warfarin geht. In dieser Studie heißt es, dass das Medikament bei langjähriger Einnahme zu Demenz führt. Sind Ihnen dazu Informationen bekannt? C.S.
Schon verdorben?
Verfallsdatum Juni 2017! Darf man die Kopfschmerztablette dann am 1. Juli nicht mehr einnehmen? Wie sieht es mit den angebrochenen Augentropfen aus? Die beschränkte Haltbarkeit von Arzneimitteln wirft viele Fragen auf.
Gepanschtes: Vollmundige Versprechungen
Weit mehr als eine Milliarde Euro geben Deutsche Jahr für Jahr für Nahrungsergänzungsmittel aus. Nach einer repräsentativen forsa-Umfrage1 im Auftrag der Verbraucherzentralen hatte in den sechs Monaten zuvor jeder dritte Befragte mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel eingenommen.
Werbung Aufgepasst! Gefährlicher Tiger
Antibiotika können Leben retten. Aber je häufiger Antibiotika zum Einsatz kommen, desto eher werden Bakterien gegen sie resistent – die Arznei wirkt nicht mehr. Tigecyclin (Tygacil®) sollten Ärzte eigentlich nur verordnen, wenn andere Antibiotika versagen.