Ausgabe Nr. 2 März/April 2014

Editorial: Dr. Dietrich von Herrath
oft weiß man erst nach Jahren, ob der Zeitgeist ein guter oder böser war. Der Lifestyle-Dampf der E-Zigarette wird zurzeit als weniger gefährliche Alternative zum teerhaltigen Tabakrauch beworben.
Mit Gute Pillen – Schlechte Pillen für mehr Durchblick
Wenn Sie Ihre Tageszeitung aufschlagen, kann es passieren, dass Sie heute eine Information zum Thema Brustkrebs, Diabetes oder Antidepressiva lesen, der schon morgen im selben Blatt widersprochen wird. Im Hörfunk oder TV-Beiträgen ist es oft nicht besser:
Ruhelose Beine zu später Stunde Restless Legs Syndrom
Unter ruhelosen und kribbelnden – Beinen (engl. Restless Legs Syndrom, RLS) leiden vor allem ältere Menschen und überwiegend Frauen. Die Ursachen sind unterschiedlich und nur teilweise erforscht. Falls Bewegung und gezielte Verhaltensstrategien nicht helfen, können bei hohem Leidensdruck Medikamente mehr oder weniger gut Linderung verschaffen.
Wenn der Vorhang fallen soll ”...und Angehörige um Hilfe gebeten werden
Aktive und passive Sterbehilfe – dies beschäftigt derzeit die Medien, denn die Große Koalition will 2014 – ganz ohne Fraktionszwang – eine gesetzliche Regelung dazu erarbeiten.
Selen: Mit vielen Fragezeichen Supplemente nur für Menschen mit echtem Mangel
Unser Körper braucht Selen. Aber wie so vieles Notwendige steckt auch Selen in der alltäglichen Nahrung. Und in der Regel genug. Dennoch wird dieses Spurenelement – auch Mikro­­nährstoff oder Mineralstoff genannt – meist als Nahrungsergänzung in Pillen vermarktet. Als so genannte Radikalfänger bewirbt es die Lebensmittelindustrie auf der Schiene „Gesundheitsprodukt“ für Supermarkt, Drogerie, Apotheke und Internet. Aber auch Mediziner ­­haben einige Hoffnung auf Selen gesetzt – etwa als Arzneimittel gegen Krebs, zum Schutz des Herz-Kreislauf-Systems und bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen. Was besagen die Studien dazu?
Umstieg statt Ausstieg? E-Zigaretten – keine gesunde Alternative
Luft ohne Tabakqualm ist nicht nur angenehm, sondern nachweislich gesünder. Das bestätigten die Erfolge durch die gesetzlichen Maßnahmen zum Schutz der Nichtraucher in Deutschland1 und zahlreichen anderen Ländern: weniger Menschen müssen wegen Angina pectoris (Herzschmerz), Herzinfarkt, Schlaganfall und Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus.2 Nun ist aber zu befürchten, dass E-Zigaretten solche Erfolge schon bald zurückdrängen – als Folge einer als „schleichende Revolution“3 bezeichneten Entwicklung.
Die Lehre des Dr. Pandalis Urheimische Medizin oder unheimliche Theorie?
Mit großem Werbeaufwand werden Nahrungsergänzungsmittel der „urheimischen Medizin“ auf den Markt gebracht – eingepackt in ein Fantasiekonzept, das seriöser Prüfung nicht ­­standhält.
Kurz und knapp: Hörsturz: Nutzlose Infusionstherapie
Wenn nach einem Hörsturz ein Ohr mehr oder weniger taub ist, verordnen Ärzte in Deutschland häufig Infusionen mit der Stärkelösung HES (Hydroxyethylstärke). Dass die mehrmaligen Infusionen helfen, ist bisher aber nicht durch zuverlässige Studien belegt.
Kurz und knapp: Karpaltunnelsyndrom: Ab und an hilft eine Kortikoidspritze
Wenn Daumen, Zeige- und Mittelfinger der Hand schwer beweglich sind, wenn sie kribbeln, schmerzen und ihr Empfindungsvermögen gestört ist, liegt das oft am Karpaltunnelsyndrom. Die Beschwerden entstehen, weil ein wichtiger Nerv im Karpaltunnel, einem Kanal zwischen Handwurzelknochen und Bändern, eingeengt ist. Entzündungsprozesse oder Eiweißablagerungen sind die Ursache. Die vor allem nachts auftretenden Schmerzen reichen manchmal bis zum Ellenbogen oder zur Schulter hinauf.
Kurz und knapp: Methylphenidat: FDA warnt vor Dauererektion
Schon vor über sieben (!) Jahren hat GPSP gewarnt (5/2006, S. 10): Männliche Jugendliche mit Aufmerksamkeit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), die als Medikament Methylphenidat (Ritalin® u.a.) einnehmen, erleiden manchmal längerdauernde schmerzende Erektionen (Priapismus). Offenbar kann sowohl eine verringerte Dosis (Tablette vergessen) als auch eine höhere Dosis Auslöser sein. Jedoch ist nach wie vor nicht klar, wie es zu der insgesamt seltenen Schadwirkung des Mittels kommt, die manchmal sogar einen Klinik­­aufenthalt nötig macht.
Kurz und knapp: Helm: Beschwerden nach Sturz ernst nehmen
Nach dem schweren Ski-Unfall von Michael Schumacher sollte klar sein: Ein Helm schützt den Kopf nicht hundertprozentig, aber schwere Schädel- und Hirnverletzungen sind seltener. Insbesondere Gehirnerschütterungen sind trotz eines Helms bei Skiläufern, Radfahrern oder Skatern möglich.
Kurz und knapp: Warnung vor Abzocke: Ginkgo-Abo per Telefon
Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt warnt vor Telefonaten, bei denen Ginkgo-Präparate als Wundermittel angeboten werden und bei denen – ohne dass der angerufene Verbraucher es merkt – mit der ersten Probepackung ein regelmäßiger Liefervertrag zustande kommt – ein Abo mit Mindestlaufzeit.5 Der Anbieter „Garten Gethsemane Ltd.“ mit Sitz in Jerusalem macht offenbar nicht ausreichend deutlich, dass kostspielige Lieferungen bestellt werden.
Das maßgeschneiderte Arzneimittel? Was Gentests versprechen – und was sie halten
Ohne Zweifel birgt die Entschlüsselung unserer Erbanlagen neue diagnostische Möglichkeiten: Vom Vaterschaftstest über erblich bedingte Krankheiten bis hin zur Frage, welche Rolle die Gene für die Wirkung von Arzneimitteln spielen (Pharmakogenetik). Apotheken bieten bereits Tests mit dem Namen „Therapiesicherheit“ an, beispielsweise für das Herzmedikament Clopidogrel. In der Forschung ist das Thema Gendiagnostik sehr wichtig, doch was bringt diese Art „individualisierte Medizin“ heute?
Glosse: Tiroler Schlaf-Kost
Elbphilharmonie hin, Elbphilharmonie her: Hamburg ist reich und die Stadt der „Pfeffersäcke“. Da macht es Sinn, die oft gestressten und schlecht ausgeschlafenen – aber wohlbetuchten – Kaufleute in das idyllische Tirol zu lotsen. Auf ein Sonnenplateau. Dort ruht eine elegante Hoteloase samt Golfterrain, die sich mit einem Team von Ärzten der Gesundheit verschrieben hat.
Nachgefragt: Nicht bekömmlich
Jeder fünfte Befragte glaubt, an einer Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden. Aber höchstens ein Zehntel von ihnen – also zwei von hundert Personen – hat da wirklich ein Problem, zum Beispiel eine ernste Nahrungsmittelallergie. Warum es wichtig ist, die Beschwerden richtig einzuordnen und worauf Sie achten sollten, besprachen wir mit dem Allergologen Jörg Kleine-Tebbe.
Leserbrief: Tropfencocktail gegen Schmerzen
Den von Ihnen beschriebenen „Tropfencocktail“ mit Metamizol (Novalgin® u.a.), Tramadol (Tramal® u.a.) und Metoclopramid (Paspertin® u.a.) halten wir für problematisch und überholt. Denn das Schmerzmittel Metamizol darf wegen spezieller Risiken nur in besonderen Situationen verordnet werden (GPSP 3/2013, S. 8). Das zweite enthaltene Schmerzmittel Tramadol verursacht sehr häufig unerwünschte Effekte wie Müdigkeit, Benommenheit und Schweißausbrüche sowie Übelkeit und Erbrechen.1 Und das brechreizlindernde Metoclopramid darf – nach jüngsten Empfehlungen der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA2 – nur noch wenige Tage lang und in engen Dosisgrenzen eingenommen werden. Der Grund sind die erheblichen unerwünschten Wirkungen, zu denen Störungen in der Bewegungssteuerung zählen, die beispielsweise zu unwillkürlichen Bewegungen der Gliedmaßen führen können.
Impfen: Herdenschutz Sich und andere schützen
Manche Menschen können aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden. Bei anderen bildet das Immunsystem keinen Impfschutz aus. Wer aber selbst erfolgreich geimpft ist, nützt nicht nur sich, sondern auch anderen. Denn ansteckende Krankheitserreger können sich dann in der Bevölkerung („Herde“) nicht so leicht ausbreiten, wenn ein hoher Anteil geimpft ist (Herdenschutz oder Herdenimmunität). – Eine erfreuliche Tatsache, die allerdings nicht für alle Impfungen gilt.
Lapacho-Tee Baumrinde aus dem Regenwald
Lapacho-Tee ist ein traditionelles Heilmittel südamerikanischer Indianer. Lapacho ist ­­Bestandteil unterschiedlicher Teemischungen, die in unseren Supermärkten angeboten werden. Der Tee soll gut schmecken und gegen verschiedene Krankheiten helfen – und sogar Krebs heilen, behaupten Internetseiten. Solche Versprechungen sind ein Beispiel dafür, wie Anbieter1 mit exotischen Zutaten falsche Hoffnungen wecken.
Gepanschtes: Doping wider Willen - weil Transparenz fehlt
Wenn es um den Handel mit gefälschten und illegalen Arzneimitteln geht, sind Behörden weltweit aktiv und in verschiedenen Netzwerken miteinander verbunden. Arzneimittel-, Polizei- und Zollbehörden arbeiten zusammen. Auch gibt es eine Taskforce der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die jährlich zu abgesprochenen Terminen in mehreren Staaten gegen Arzneimittelfälschungen vorgeht
Werbung - Aufgepasst! Nagelpilz ade?
Wenn im Frühjahr häufiger die Zehennägel aus den Sandalen hervorlugen, werden rezeptfreie Mittel gegen Nagelpilz verstärkt beworben. Dieser Pilz, der vor allem Fußnägel und seltener Fingernägel befällt, gefährdet die Gesundheit in der Regel nicht. Er ist aber ein ästhetisches Problem: